Erst nahmen sie sich die Raucher vor ...

Erst nahmen sie sich die Raucher vor und ich habe den Mund gehalten. Dann nahmen sie sich die Trinker vor und ich habe den Mund gehalten. Dann nahmen sie sich die Dicken vor und ich habe den Mund gehalten. Dann nahmen sie sich mich vor. (Frei nach Martin Niemöller)
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Mittwoch, 26. November 2014

Tabakkontrolle und Tabakindustrie wollen das Gleiche

Ich hatte hier schon öfters darüber spekuliert, dass Tabakkontrolle und Tabakindustrie letztlich das Gleiche wollen: es soll weiterhin Raucher geben. Die Hinweise darauf, dass es sich tatsächlich so verhält häufen sich.

Bei der Tabakkontrolle fällt schon seit Jahren auf, dass sie Alternivprodukte wie Snus und die e-Zigarette fürchtet, wie der Teufel das Weihwasser. Verständlich, denn ohne Raucher fiele es der Tabakkontrolle schwer, ihre eigene Existenz zu rechtfertigen. Da sie obendrein von Steuergeldern lebt, zu denen die Raucher einen erheblichen Beitrag leisten, finanzieren letztlich die Raucher die Tabakkontrolle.

Ich glaube daher nicht, dass die nutzlosen Maßnahmen, die die Tabakkontrolle seit Jahrzehnten fordert und durchsetzt ein Resultat ihrere eigenen Dusseligkeit sind. Nichts wäre schlimmer als eine Maßnahme, die tatsächlich die Raucherquote senkt.
Photo by: Yuri Arcurs

Unterstützung in ihrem Kampf gegen die e-Zigarette erhält die Tabakkontrolle nun von unerwarteter und möglicherweise unwillkommener Seite. Auch die Tabakindustrie möchte verhindern, dass Raucher massenweise zur e-Zigarette abwandern.

Philip Morris Manager Werner Barth wird von der Berliner Morgenpost folgendermaßen zitiert:

"Ich halte es für notwendig, dass auch die E-Zigarette reguliert wird. Sie ist nicht frei von Risiken, und sie braucht gesetzliche Rahmenbedingungen", sagte Barth der "Welt".
Dieser Satz könnte auch vom DKFZ stammen. Aber letztlich geht es um's Geld:
Der Manager denkt dabei beispielsweise an die Altersgrenze von 18 Jahren, ab welcher E-Zigaretten gekauft werden dürfen. Auch die Tatsache, dass elektrische Zigaretten derzeit nur mit der Mehrwertsteuer belegt sind, stört ihn. "Der Umstand, dass die E-Zigarette frei von Tabaksteuer ist, dürfte kein Dauerzustand bleiben", sagte Barth.
Die Staatskasse verdient mit Abstand am meisten an den Rauchern und wird sich über diese Forderung freuen. Damit hätten wir das Triumvirat komplett zusammen.

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Das Triumvirat

Samstag, 4. Januar 2014

Wahlentscheidung

Ich habe nur sehr beschränktes Wissen, was die aktuellen politischen Themen angeht und tue mich daher schwer eine fundierte Wahlentscheidung zur Wahl des Europaparlaments im Mai 2014 zu fällen. Aber mit der e-Zigarette kenne ich mich zufällig aus. Für mich wird daher das Abstimmungsverhalten der Abgeordneten zum Amendment 170 das einzige Kriterium sein.


Zur Erinnerung

Bei der Tabakrichtlinie geht es letztlich um die Frage, wer den zukünftigen Nikotinmarkt kontollieren darf. Zur Debatte stehen sowohl  die nikotinproduzierenden Firmen (Tabak, Pharma, e-Zigarette) als auch die professionellen Kontrollinstanzen und Nichtregierungsorganisationen.

Der Ursprüngliche Vorschlag der Komission sah eine Regulierung der e-Zigarette als Arzneimittel vor, wodurch der momentan exisitierende innovative Markt verschwinden würde und lediglich die etablierten  großen Akteure im Spiel blieben. Dabei wurde stillschweigen in Kauf genommen, dass die Abwanderung von Rauchern zur e-Zigarette stark verlangsamt würde, was von vielen als "Raucher sollen weiter rauchen" interpretiert wurde.

Das Amendmend 170 war ein Änderungsvorschlag, der eine moderate Regulierung der e-Zigarette vorsah. Kein Verkauf an Minderjährige, Deklaration der Inhaltsstoffe und weitere Maßnahmen, aber keine Regulierungen, die auf ein de-facto Verbot der e-Zigarette hinauslaufen.

Das Amendment 170 wurde vom EU-Parlament im Oktober 2013 angenommen.

In der Dampferszene brach Jubel aus, war doch den wenigsten bekannt, dass das EU-Parlament hier nicht das letzte Wort hat. Inzwischen wurden weitere Änderungen am Parlamentsvorschlag vorgenommen, die wieder darauf zielen, den Nikotinmarkt weiterhin unter der Tabak- Pharma- und Regulierungsindustrie aufzuteilen und sich die Konkurrenz durch die e-Zigarette per EU-Beschluss vom Hals zu halten. Dieser Prozess ist derzeit noch nicht abgeschlossen.

Parteien

Die Fraktionen im EU-Parlament bestehen nicht aus Parteien, wie wir sie hier in Deutschland kennen. Das ist kein Wunder, denn beispielsweise die SPD ist ja die Sozialdemokratische Partei Deutschlands und es gibt sie nicht in anderen EU Ländern.

Um das Abstimmungsverhalten auf unsere Parteien abzubilden, muss man wissen welche deutsche Partei in welcher Fraktion des EU-Parlaments sitzt. Und das sieht so aus:

EU            Bundestag
-----------------------
EPP           CDU/CSU
ALDE/ADLE     FDP
S&D           SPD
Greens/EFA    Grüne
GUE-NGL       Linke



Es gibt keine deutschen Abgeordneten in ECR, EFD und NI (Fraktionslose).



Abstimmungsverhalten

Das Abstimmungsverhalten bezüglich Amendment 170 ist ein guter Indikator dafür welcher EU-Abgeordnete die Interessen der Bevölkerung vertritt und welcher nicht.

Die Rohdaten zu dieser Analyse stammen von Vote Watch. Wer mag, kann sich die Zahlen dort anschauen, filtern und eigene Analysen erstellen. Hier ist meine:

Alle "support" Zahlen hier beschreiben den Prozentsatz der Zustimmung für Amendment 170.

Nach Ländern

Member_State  |support|seats|
-----------------------------
Luxembourg    |     83|    6|
Greece        |     72|   22|
Slovakia      |     69|   13|
Cyprus        |     66|    6|
Italy         |     64|   73|
United Kingdom|     63|   73|

Bulgaria      |     61|   18|
Romania       |     57|   33|
Latvia        |     55|    9|
Austria       |     52|   19|
Croatia       |     50|   12|
Portugal      |     50|   22|
Sweden        |     50|   20|
Estonia       |     50|    6|
France        |     48|   74|
Spain         |     48|   54|
Netherlands   |     46|   26|
Denmark       |     46|   13|
Finland       |     46|   13|
Germany       |     45|   99|
Ireland       |     41|   12|
Czech Republic|     40|   22|
Poland        |     39|   51|
Slovenia      |     37|    8|
Belgium       |     31|   22|
Lithuania     |     25|   12|
Hungary       |     22|   22|
Malta         |     16|    6|


Interessant ist hier vor allem das Verhlaten der großen Länder (fett). Offenbar verdanken wir die Verabschiedung von Amendment 170 vor allem Italien und England.

Unrühmlich dagegen Malta: deren EU-Kommissar John Dalli war federführend beim Entwurf der Tabakrichtline, die eine Regulierung als Medikament vorsah. Er musste aber wegen Korruptionsvorwürfen seinen Hut nehmen. Inzwischen wurde er durch Tonio Borg ersetzt, der ebenfalls aus Malta stammt.

Deutschland schlägt sich recht wacker, wenn auch bei weitem nicht so, wie man es sich wünschen würde. Dazu später mehr.

Nach Fraktionen

Fraktion  |support|seats|
-------------------------
ECR       |     87|   56|
ALDE/ADLE |     74|   85| - FDP
EPP       |     70|  274| - CDU/CSU
EFD       |     60|   33|
NI        |     56|   30|
GUE-NGL   |     22|   35| - Linke
S&D       |     15|  195| - SPD
Greens/EFA|      8|   58| - Grüne


Auffällig ist hier der große Unterschied zwischen den beiden großen Fraktionen EPP (CDU) und S&D (SPD). Erfreulich ist die große Unterstützung durch die Liberalen (ALDE = FDP). Keiner der ALDE Abgeordneten hat gegen Amendment 170 gestimmt, aber einige haben sich enthalten oder waren abwesend. Unrühmlich dagegen die Grünen. Ganze vier Abgeordnete haben "dafür" gestimmt, keiner davon aus Deutschland.

Unterm Strich kann man sagen, dass alle, die sich einen linken Anstrich geben (Linke, Grüne, Sozialdemokraten), hier eher die Position der Starken und Mächtigen vertreten haben.

Nach deutschen Fraktionen

Fraktion  |support|seats|
-------------------------
EPP       |     90|   42| - CDU/CSU
ALDE/ADLE |     50|   12| - FDP
S&D       |      4|   23| - SPD
Greens/EFA|      0|   14| - Grüne
GUE-NGL   |      0|    8| - Linke


Die deutschen EPP Abgeorneten verdienen unseren Respekt. Nicht nur weil sie Amendment 170 unterstützt haben, sondern auch weil es einige Abweichler in ihren Reihen gab, was darauf hindeutet, dass in dieser Partei noch diskutiert wird.

Von den Grünen und Linken kann man das nicht behaupten, sie zeigen identisches Abstimmungsverhalten. Die Unterstützung seitens der Sozialdemokraten bestand übrigens aus gerade mal einer einzigen Stimme.

Nach Namen

Zu guter Letzt die Namen der deutschen Abgeordneten, die für Amendment 170 gestimmt haben:

Name                       |Fraktion |
--------------------------------------
Burkhard Balz              |EPP      |
Elmar Brok                 |EPP      |
Reimer Boge                |EPP      |
Daniel Caspary             |EPP      |
Jorgo Chatzimarkakis       |ALDE/ADLE|
Birgit Collin-Langen       |EPP      |
Jurgen Creutzmann          |ALDE/ADLE|
Albert Dess                |EPP      |
Christian Ehler            |EPP      |
Markus Ferber              |EPP      |
Michael Gahler             |EPP      |
Ingeborg Grassle           |EPP      |
Monika Hohlmeier           |EPP      |
Peter Jahr                 |EPP      |
Elisabeth Jeggle           |EPP      |
Petra Kammerevert          |S&D      |
Martin Kastler             |EPP      |
Christa Klass              |EPP      |
Wolf Klinz                 |ALDE/ADLE|
Dieter-Lebrecht Koch       |EPP      |
Silvana Koch-Mehrin        |ALDE/ADLE|
Holger Krahmer             |ALDE/ADLE|
Werner Kuhn                |EPP      |
Werner Langen              |EPP      |
Klaus-Heiner Lehne         |EPP      |
Peter Liese                |EPP      |
Hans-Peter Mayer           |EPP      |
Angelika Niebler           |EPP      |
Doris Pack                 |EPP      |
Markus Pieper              |EPP      |
Bernd Posselt              |EPP      |
Hans-Gert Pottering        |EPP      |
Godelieve Quisthoudt-Rowohl|EPP      |
Britta Reimers             |ALDE/ADLE|
Herbert Reul               |EPP      |
Horst Schnellhardt         |EPP      |
Birgit Schnieber-Jastram   |EPP      |
Andreas Schwab             |EPP      |
Renate Sommer              |EPP      |
Sabine Verheyen            |EPP      |
Axel Voss                  |EPP      |
Manfred Weber              |EPP      |
Anja Weisgerber            |EPP      |
Rainer Wieland             |EPP      |
Hermann Winkler            |EPP     
|

Hier muss man Petra Kammerevert lobend hervorheben, hat sie doch als einzige Sozialdemokratin für Amendment 170 gestimmt.

Ebenfalls aufgefallen ist Renate Sommer (CDU), die sich vehement für die e-Zigarette einsetzt. Ihre Facebook Seite ist durchaus lesenswert ("Sollte es dennoch dabei [Verbot nachfüllbarer Verdampfer] bleiben, wird es einen Aufstand geben, den ich persönlich mit anzetteln werde.")

Die Wahl ist im Mai

Nach Prognosen vom Ende 2013 würden Grüne und Sozialdemokraten gestärkt, Christdemokraten (EPP) und Liberale (ALDE) aber geschwächt aus der Wahl im Mai hervorgehen. Wer das verhindern will solle unbedingt zur Wahl gehen.

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Sonntag, 1. Dezember 2013

E-Zigaretten immer noch in Gefahr

Die EU-Kommission hatte mit ihrem Vorschlag zur Tabakrichtline versucht die e-Zigarette vom Markt zu drängen, indem sie eine Zulassung als Medikament verlangte. Das EU-Parlament stimmte dem jedoch nicht zu. Aber das Spiel geht weiter.

Viele Dampfer hatten sich schon gefreut, eine Regulierung als Medizinprodukt wird es erstmal nicht geben. Aber sie täuschten sich, weil sie annahmen, das EU-Parlament hätte wirklich etwas zu sagen. Die Tabakrichtlinie wandert jetzt erst einmal in den Rat. Dort wird über weitere Änderungsvorschläge entschieden.

In den neuen Vorschlägen wird nicht versucht, eine Regulierung als Medizinprodukt gegen den Willen des Parlaments wieder einzuführen. Das wäre denn doch etwas sehr dreist. Stattdessen, wird mit anderen Mitteln versucht, den Markt für e-Zigaretten, wir wir ihn derzeit kennen, auszutrocknen.

Macht sie unattraktiv

Member States shall ensure that electronic cigarettes with refillable cartridges or tanks are not placed on the market. Only single use cartridges can be placed on the market.

Die populärsten Verdampfer sind heute alle nachfüllbar. Die würde es nach dem Willen der Kommission nicht mehr geben. Lediglich die alten vorbefüllten "Cartridge" Verdampfer sollen überleben.

Man stelle sich vor, dass nur noch solche Kaffeemaschinen erlaubt sind, die mit Kapseln arbeiten ("Nespresso"), normale "nachfüllabre" Kaffee- oder Espresso-Maschinen aber verboten sind.

Only flavours which are authorized for use in nicotine replacement therapies can be used in electronic cigarettes, unless such a flavour is particularly attractive to young people and non-smokers

Die Vielfalt an Aromen, die es derzeit gibt, wird eingeschränkt. Das macht die e-Zigarette weniger attraktiv. Das wiederum nützt der Tabakindustrie und schadet der e-Zigaretten Industrie. In der Zukunft werden diese beiden Industrien aber ein und dieselbe sein, so dass unterm Strich eine Null bleibt. Die Tabakkontrolle wird von dieser Regelung aber profitieren, denn es werden weniger Raucher zu Dampfern werden.
 
Schränkt die Meinungsfreiheit ein

any form of public or private contribution to radio programmes with the aim or direct or indirect effect of promoting electronic cigarettes is prohibited; 

any form of public or private contribution to any event, activity or individual with the aim or direct or indirect effect of promoting electronic cigarettes and involving or taking place in several Member States or otherwise having cross-border effects is prohibited;

Man darf sich in der Öffentlichkeit nicht mehr positiv über e-Zigaretten äußern. Das wäre ein massiver Eingriff in die Meinungsfreiheit.

Ich halte das für ein Ablenkungsmanöver, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass sie damit durchkommen. Die anderen Punkte sind durchaus ausreichend um den Nikotinmarkt der Pharma- und Tabakindustrie zu übergeben und der Tabakkontrolle ihre Raucher zu erhalten.

Begründet das mit ein paar Lügen

Electronic cigarettes [...] are increasingly used and marketed to young people and non - smokers.

Elektronische Zigaretten werden angeblich in zunehmenden Maße an Jugendliche und Nichtraucher vermarktet. Wo bitteschön kann man das beobachten?

Given the risk that electronic cigarettes can develop into a gateway to normal cigarettes...

Ein Risiko, dass Dampfer zu Raucher werden kann zwar nicht ausgeschlossen werden, aber der real existierende "Gateway" funktioniert genau umgekehrt: Raucher werden zu Dampfern.


Petition


Hier kann man untergscheiben.


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Freitag, 12. Juli 2013

Ich bin nicht einverstanden

Am 10.07.2013 wurde im EU Ausschuss für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (ENVI) über die Tabakrichtlinie (TPD) abgestimmt. Das Ergebnis: die e-Zigarette soll als Medizinprodukt reguliert werden und Snus darf weiterhin in der EU nicht verkauft werden. Damit bin ich nicht einverstanden.

Es geht in der TPD u.a. um Warnhinweise auf Zigarettenschachteln, deren Größe und Form und allerlei anderen Schabernack. Wie schön wäre das Leben als EU-Ausschussmitglied, wenn man sich nur mit solchen Fragen befassen müsste. Die nützen nichts, schaden aber auch nicht viel. Die Tabakindustrie würde protestieren und die Tabakkontrolle würde sagen: "dann erst recht". Der breiten Bevölkerung sind diese Themen ziemlich egal und alle könnten weiter nach Herzenslust regulieren.

Nun ist aber die e-Zigarette zu einem heißen Thema geworden. Die EU wird von Millionen Dampfern genau beobachtet. Sie haben Petitionen unterzeichnet und Abgeordnete angeschrieben. Sie haben informiert und gefleht. Sie müssen nun erkennen, dass das alles keine Wirkung hatte.

Nicht mit rechten Dingen

Die Vorschläge zur Regulierung der e-Zigarette sind ein Skandal. Auch das Snus-Verbot ist ein Skandal. Der Pharma und der Tabakindustrie wird das Monopol auf den Nikotinmarkt übergeben. Es ist im Grunde der gleiche Deal wie beim Master Settlement Agreement (MSA): wer zahlt bleibt im Geschäft, wer sich das nicht leisten kann fliegt raus.

Dass es bei dieser Richtlinie nicht mit rechten Dingen zugegangen sein kann ist offensichtlich. Mehere Rechtgutachten ließen Zweifel an der Rechtmäßigkeit der TPD aufkommen (auch das MSA ist rechtlich umstritten). Die EU hat nämlich in Gesundheitsfragen nichts zu sagen. Ihr Thema ist der freie Handel, der freilich durch die TPD nicht gefördert, sondern behindert wird.

Der Gesundheitskommissar John Dalli musse wegen Korruptionsvorwürfen gehen. Damals reagiert die Presse mit einem Vorfreispruch. Da Dalli vorgab, die Tabakindustrie hart ranzunehmen, musste er einfach unschuldig sein. Dass inzwischen bekannt wurde, dass er versucht hatte auf den Bahamas eine größere Geldsumme "für wohltätige Zwecke" anzulegen erfährt man kaum.

Die EU-Abgeordnetet Renate Sommer (CDU) bemängelte vor besagter Abstimmung, dass viele der angeblichen Kompromissvorschläge einfach den Wortlaut des ursprünglichen Kommissionsvorschlags wiedergaben. Sie gab zu Protokoll: "in meiner 14jährigen Erfahrung im Europäischen Parlament habe ich eine derartige Manipulation einer Abstimmung noch in keinem Ausschuss erfahren".

Die Stimmung der Dampfer kippt um

Die Damfergemeinde sah bis vor wenigen Monaten noch in der Tabakindustrie die Wurzel allen Übels. Zu stolz waren sie, dass sie sich von dem Zwang befreien konnten, deren Produkte zu kaufen. Jetzt müssen sie erkennen, dass man den Regulierern noch weniger trauen kann.

Die Stimmung ist so, wie wenn ein Patient herausbekäme, dass der eigene Hausarzt ihn absichtlich krank macht. Da fallen schon mal ein paar böse oder gar beleidigende Worte.

Die einen versuchen sich die Sache schönzureden. Irgendwie wird man schon weiterdampfen könnnen. Klar - wird man. Auch Ecstasy und Marihuana dürfen in der EU nicht verkauft werden und sind trotzdem erhältlich. Und überhaupt: bis diese Richtline in Kraft tritt, dauert es ja noch ein paar Jahre. Mich tröstet das wenig.

Andere führen immer wieder Argumente ins Feld, die demonstrieren wie absurd diese Richtline ist. Ihnen sei gesagt: alle Argumente liegen auf dem Tisch, aber sie hatten keine Wirkung. Auch tausend weitere wissenschftlich untermauerte, juristisch fundierte, prägnant und logisch einwandfrei formulierte Argumente werden daran nichts ändern. Ich bleibe dabei: das ist so nutzlos, wie einem Schutzgelderpresser vorzuwerfen, dass er einen ja gar nicht schütze.

Medikament oder nicht

Die e-Zigarette ist offensichtlich kein Medikament. Sie ist offentlichtlich auch kein Tabakprodukt. Bei der Diskussion, ob Medimament oder Tabakprodukt geht es einzig und allein darum, welche Auslegung den kleineren Herstellern am meisten schadet und den zukünftigen Monopolisten am meisten nützt.

ENVI hat nun entschieden, dass e-Zigaretten, insbesondere die darin enthaltenen nikotinhaltigen "Liquids", beides sind: ein Tabakprodukt, damit sie in der TPD reguliert werden können und ein Medikament, damit man den Herstellern einen Zulassungprozess aufs Auge drücken kann. Meines Wissens ist das das einzige Tabakprodukt, das als Medikament durchgeht - medical Tobacco sozusagen - das freilich weder Tabak enthält, noch eine Krankheit heilt oder lindert. Und wir Deutschen regen uns über Berlusconi auf.

Manche Dampfer spekulieren nun darauf, dass man die Einnahme von Medikamenten ja wohl schlecht verbieten kann. Ein Dampfverbot in öffentlichen Gebäuden wäre dann so wenig angebracht, wie ein Verbot Asthma-Spray zu verwenden. So könnte man argumentieren, wenn es dabei wirklich um Recht und Gesundheit ginge. Geht es aber nicht.

Übergangszeit

Wenn die Richtlinie in Kraft getreten ist, dürfte es erst einmal gar keine Liquids mehr geben, da die aktuellen Produkte alle keine Zulassung haben. Einige Zeit später wird es dann Liquids geben, die von der Pharma- oder der Tabakindustrie oder irgendjemand sonst mit dem nötigen Kleingeld angeboten werden.

Während der Übergangszeit werden viele der Dampfer wieder zu Rauchern werden. Danach werden einige wieder aufs Dampfen umsteigen, dann allerdings mit den Produkten der big Players.  So ist es gewollt.

Nicht gewollt ist dagegen, dass einige Wenige  ganz mit dem Nikotin aufhören werden und andere sich auf dem Schwarzmarkt eindecken werden. Die Förderung des Schwarzmarkts durch die TPD ist der einzige positive Aspekt, den ich dieser Richtlinie abgewinnen kann, denn ich traue dem Schwarzmarkt inziwschen mehr als dem regulierten Markt.

Was haben sie sonst noch angestellt?

In einem Forum brachte ein gewisser ragazi einen interessanten Vergleich: nehmen wir an, ich möchte eine Bratpfanne in einem Teleshop kaufen, kenne mich mit Bratpfannen aber nicht aus. Der gleiche Shop verkauft aber auch Sachen, mit denen ich mich zufällig auskenne, sagen wir Computer. Wenn ich bemerke, dass sie mich bei den Computern über den Tisch ziehen wollen, dann werde ich annehmen, dass sie das auch bei den Bratpfannen tun, und ich werde dort nicht kaufen.

So geht es jetzt vielen mit der EU. Haben sie bis vor kurzem lediglich über die "Gurkenrichtlinie" geschmunzelt, so wittern sie jetzt Abgründe allerorten. So geht es auch mir. Kaum jemanden halte ich für gefährlicher als Regulierer. Regulierer lassen sich vom Volk nicht kontrollieren. Regulierern kann man nicht trauen. Alles ist besser als Regulierer. Die reflexartige Antwort auf die Frage ob etwas reguliert werden soll muss nein sein. Nein, nein und nochmals nein.

Nicht einverstanden

Ich bin mit der TPD nicht einverstanden. Ich akzeptiere nicht, dass die Meinung von Millionen ignoriert wird aber Dämagogen, wie Frau Pötsche-Langer als Experten ernst genommen werden. Ich möchte Snus, e-Zigaretten und Liquids auf dem freien Markt kaufen können. Ich will nicht, dass diese Produkte überhaupt reguliert werden, denn ich traue den Regulierern nicht mehr.

Ich will, dass das Kartell der Tabakkontrolle, bestehend aus WHO, DKFZ, BfR und ASH zerschlagen wird. Die Tabakkontrolle hat der Bevölkerung Schaden zugefügt und darf nicht weiter durch Steuergelder finanziert werden.

Ich werde Medien meiden, die diesen Schwindel schönreden.

Ich werde keine "medizinischen" Liquids kaufen, genausowenig wie ich medizinischen Wein kaufen werde.

Ich werde das Verhalten der EU-Abgeordneten weiter beobachten. Ich werde keine Partei wählen, die diese Richtlinie öffentlich begrüßt. Ich werde keine Partei wählen, deren EU Abgeordnete sich nicht entschieden gegen die TPD zur Wehr setzen. Nichtmal in den Kreistag.

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Donnerstag, 23. Mai 2013

Zitat des Tages

Die Verbotsindustrie gebraucht die Wissenschaft auf die gleiche Art und Weise wie ein Betrunkener einen Laternenpfahl benutzt. Er sucht die Unterstützung, nicht das Licht.

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Montag, 20. Mai 2013

Der Sicherheitsgurt

Die Tabakkontrolle wird nicht müde darauf hinzuweisen, dass Snus und e-Zigaretten nicht 100%ig sicher sind. Aber was ist schon 100%ig sicher? Versucht man eine solche Argumentation auf andere Produkte anzuwenden, kommt fast immer Absurdes dabei heraus. 

Wie steht es beispielsweise mit zuckerfreien Getränken? Ist Cola-light 100%ig sicher? Und schlimmer noch: aus einiger Entfernung kann man nicht mehr erkennen, ob jemand gezuckerte Cola oder Cola-light trinkt. Wird dadurch nicht das Konsumieren von zuckerhaltigen Getränken sozial akzeptabel, wo es doch eigentlich geächtet gehört? Sollte man Cola-light nicht besser verbieten, regulieren oder wenigstens hoch besteuern?

Noch hübscher wird die Sache, wenn man sich die Geschichte des Sicherheitsgurts anschaut. Auch ein Sicherheitsgurt ist "keine sichere Alternative zum Fahren ohne Gurt". Interessant ist, dass der Sicherheitsgurt, wie auch Snus, aus Schweden stammt.

In Wikipedia kann man dazu lesen:

Für den heimischen Markt rüsteten die beiden schwedischen Hersteller Saab und Volvo ihre Fahrzeuge ab 1959 serienmäßig mit Dreipunktgurten aus (in anderen Ländern kosteten die Gurte Aufpreis). Deshalb hatten 1961 bereits 77 % der neu zugelassenen Autos in Schweden Sicherheitsgurte.

In Deutschland wurd der Gurt 1976 zur Pflicht. Verboten war er niemals.

Bei Snus sind wir in einer ähnlichen Situation. Wieder macht uns Schweden vor, wie man Schaden reduzieren kann. Allderings ist diesmal von einer Gurtpflicht keine Rede. Stattdessen beharrt die EU  auf einem Snus-Verbot.

Brad Rodu spekuliert auf seinem Blog wie sich die EU zum Sicherheitsgurt äußern würde, wenn sie genau so argumentieren würde wie derzeit über Snus:

Während Schweden den 53sten Jahrestag der Einführung von Sicherheitsgurten in der Grundausstattung von Volvos feiert, bestätigte die EU das Verbot von Sicherheitsgurten in allen anderen Ländern der EU. "Alle Fahrzeuge sind gefährlich; es gibt keine Beweise, dass Sicherheitsgurte Fahrzeuge sicherer machen und sie können sogar zu einer riskanteren Fahrweise führen."



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Samstag, 4. Mai 2013

Das Triumvirat

Der Nikotinkrieg wird zwischen drei Interessensgruppen ausgetragen: der Tabakkontrolle, den Finanzministern und der Tabakindustrie. Mit harten Bandagen wird hier jedoch nicht gekämpft. Die drei haben sich längst geeiningt under jeder weiß, welche Rolle er zu spielen hat.

Die Finanzminiser

Die Finanzminister haben am meisten zu gewinnen oder zu verlieren. Sie machen 3mal so viel Umsatz und verdienen etwa 10mal so viel an den Verkauften Zigaretten wie die Tabakindustrie. Ihnen geht es darum, diese Einnahmen weiterhin sprudeln zu lassen.

Geht die Raucherquote schneller zurück als erwartet, so führt das zu klammen Staatskassen, bis hin zu Verwerfungen am Finanzmarkt. Mit Steuererhöhungen alleine kann man dieses Problem nicht lösen, denn vielerorts sind die Preise bereits so hoch, dass weitere Steuererhöhungen den Rückgang der Raucherquote noch weiter beschleunigen würden.

Dennoch mischen sich die Finanzminister nicht öffentlich in die Tabakregulierung ein. Die Tabaksteuer gilt offiziell als Lenkungssteuer, die den Konsum reduzieren soll. Immerhin ist es gelungen die Steuereinnahmen auch in Zeiten rückläufiger Raucherzahlen annähernd konstant zu halten und die Raucherquote insgesamt zu stabilisieren.
Die Tabakkontrolle

Die Tabakkontrolle hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einer multinationalen Industrie entwickelt. Sie ist, wie die beiden anderen player, auf Raucher angewiesen, denn ohne Raucher verlöre sie ihre Existenzberechtigung - und ihre Einnahmen, die goßenteils aus Steuergeldern bestehen.

Die Tabakkontrolle muss darauf achten, dass man sie als vertauenswürdig und kompetent wahrnimmt. Ihre Organsiationen schmücken sich daher gerne mit Namen, die Worte wie "Forschung", "Bewertung", "Zentrum",  "Zentrale", "Institut" oder "Aufklärung" etnhalten.

Ihr wichtigstes Kapatial ist, dass sie als moralisch überlegen wahrgenommen werden. Dazu braucht es einen bösen Gegespieler. Die Tabakindustrie übernimmt dazu die Rolle des "bösen Bullen".

Auch die Tatsache, dass einige dieser Organisationen staatliche oder halbstaatliche Stellen sind, schafft Vertauen. Zwar trauen die meisten Menschen dem Staat nicht besonders, aber eine staatliche Organisation, die vorgibt die Industrie zu kontrollieren, genießt dennoch Sympahthien, denn der Industrie traut man noch wengier als dem Staat.

In diesem Sinne argumentieren auch die Medien. Sie übernehmen die Aussagen der Tabakkontrolle i.d.R. ohne Fragen zu stellen. Sie scheinen zu hoffen, dass dadurch auch sie einen Teil der moralischen Überlegenheit abbekommen.

Die Tabakindustrie

Die Tabakindustrie befindet sich in einer Position, in der alles was sie tut oder sagt reflexartig als verwerflich wahrgenommen wird. Dadurch ergeben sich weitgehende Einflussmöglichkeiten.

Die Tabakindustrie ist nicht auf die Tabakkontrolle angewiesen (umgekehrt gilt das schon). Für die Industrie ist die Tabakkontrolle ein Konkurrent, der ein Stück vom gleichen Kuchen abhaben will. Solange der Kuchen groß genug ist, können beide gut leben.

Die Aufgabe der Tabakindustrie besteht darin, harmlose Maßnahmen zu kritisieren, wodurch diese Maßnahmen mehr Gewicht bekommen. Und natürlich Tabakwaren herzustellen, zu bewerben, zu verkaufen und die Einnahmen mit den beiden anderen zu teilen.

Die Pharma-Industrie

Zwar ist die Pharma-Industrie auch ein wichtiger Teilnehmen am Nikotinkrieg, wenn nicht sogar der wichtigste, aber sie hat im Gegensatz zu den drei anderen kein Interesse daran, dass weiterhin viel geraucht wird. Da sie selbst Nikotin herstellt und verkauft, wirkt sie darauf hin, dass nur das Pharma-Nikotin als gutes Nikotin durchgeht.

Dabei profitiert sie - wie die staatlichen Organisationen - vom schlechten Image der Tabakindustrie. Auch wenn man der Pharma-Industrie  grundsätzlich misstraut, der Tabakindustrie traut man noch weniger und sieht den Nikotinmarkt bei der Pharma-Industrie in den besseren Händen.

Der Deal

Alle drei player haben ein gemeinsames Interesse. Der Kuchen darf nicht kleiner werden. Weniger Einigkeit herrscht bei der Frage, wer welchen Anteil davon abbekommt. So drehen sich denn auch alle Debatten um die Verteilung von Geld, Macht und Einfluss. Das ist wenig populär. In der Öffentlichkeit wird so getan als ginge es darum, den Konsum von Zigaretten zu reduzieren.

Selbst die Tabakindustrie äußert sich gelegentlich in dieser Richtung, was ihr freilich niemand abnimmt. Der Tabakkontrolle glaubt man aber bereitwillig, dass es ihr um die Gesundheit der Bevölkerung geht.

Die Tabakkontrolle ist in der misslichen Lage, dass sie ständig neue Maßnahmen vorschlagen muss, dabei aber darauf achten muss, dass diese Maßnahmen nicht wirklich die Raucherquote reduzieren. Das ist um so schwieriger, als wir nun schon mehrere Jahrzehnte an Maßnahmen hinter uns haben und es immer schwieriger wird sich neue, spektakuläre aber nutzlose Maßnahmen auszudenken.

Die derzeit in der EU diskutierten Maßnahmen, wie Schockbilder, einheitliche Verpackungsformen, Verbot von Methol- und Slim-Zigaretten schlagen alle in diese Kerbe. Viele zweifeln daran, dass diese Maßnahmen irgend einen Effekt haben.

Aber nun kommt der böse Bulle ins Spiel: die Tabakindustrie lehnt diese Maßnahmen ab. Wenn diese Maßnahmen wirkungslos sind, warum ist dann die Tabakindustrie dagegen? Ich habe dieses Argument schon zigmal aus den Mündern der Tabakkontrolleuere gehört.

Die Debatte um wirkungslose Maßnahmen hat vor allem einen Effekt: sie lenkt die Aufmerksamkeit weg von potentiell wirkungsvollen Maßnahmen. Schweden hat die niedrigste Raucherquote in der EU. Wenn das bisher hier geschriebene korrekt ist, dann müsste das Triumvirat alles daran setzen, schwedische Verhhältnisse im Rest der EU zu verhindern.

Die Schweden haben sich massenhaft von der Tabakzigarette abgewandt und sich einem rauchlosen Tabakprodukt namens Snus zugewandt. Jetzt erfreuen sie sich der niedrigsten Lungenkrebsrate in der EU. Snus darf aber im Rest der EU nicht verkauft werden. Nur Schweden hat eine Sondergenehmigung. Dieses Verbot wird auch in der novellierten Tabakrichtlinie (TPD)  der EU erhalten bleiben. Für das Triumvirat ist das gut, für die Bürger der EU ist das schlecht.

Auch die e-Zigarette hat das Zeug die Rauchequote zu reduzieren und die Volksgesundheit zu fördern. Für ein Verbot ist es hier zu spät, denn es gibt bereits zu viele Dampfer in der EU. Stattdessen wird händeringend nach einer Salamischeibe gesucht, die man gerade noch abschneiden kann, ohne allzugroße Proteste zu provozieren. Momentan wird vorgeschlagen, den Nikotingehalt bei e-Zigaretten auf absurd niedrige Werte zu beschränken. Aber hierzu waren die Proteste schon nicht mehr zu überhören, und es könnte gut sein, dass die Scheibe etwas kleiner ausfallen wird.

Das EU Parlament

Ich habe mir zwei EU Anhörungen zur Tabakrichtlinie angehört und muss feststllen, dass unsere EU-Abgeordneten großenteils nicht Teil dieses Spiels sind. Ihnen scheint wirklich die Volksgesundheit am Herzen zu liegen. Aber sie scheinen dieses Spiel in keinster Weise zu durchschauen. Schon fast flehend fragen sie die Vertreter der Tabakkontrolle (praktisch alle geladenen "Experten" sind Teil der Tabakkontrolle), ob man die vorgeschlagenen scharfen Regulierungen der e-Zigarette nicht etwas lockern könnte - als ob nicht das Parlament, sondern die Tabakkontrolle die EU-Gesetze machen würde.

Das Master Settlement Agreement

Was derzeit in der EU passiert ist nicht ohne Vorbild. 1998 wurde in den USA zwischen den großen Tabakkonzernen und 46 Staaten ein Deal geschlossen, der die Tabakindustrie vor privaten Klagen schützte und ihnen Konkurrenten von Hals hielt. Dafür mussten sie einen Teil des Kuchens abgeben. Ferner wurden ein paar nutzlose Maßnahmen beschlossen, die in der Öffentlichkeit den Eindruck erwecken sollten, dass es um den Schutz der Volksgesundheit ginge.

Der Gegenspieler

Wenn sich das Triumvirat einig ist, die Presse mitspielt und das EU-Parlament eingeschüchtert ist, dann stellt sich die Frage, wer dann noch die Interessen der Bevölkerung wahrnimmt.

Hilfe kommt von unerwarter Seite. Unsere Werte, Grundrechte und letztlich auch unsere Gesundheit werden von den Gerichten verteidigt. So mussten einige Politiker, die für die Tabakkontrolle arbeiten, allen voran NRWs Gesundheitsministerin Barbara Steffens, bereits Niederlagen vor Gericht einstecken.

Auch die EU Tabakrichtlinie wurde jetzt vom Commitee on Legal Affairs in einem Papier scharf kritisiert. Bereits zuvor war ein Rechtsgutachten von Prof. Holger Schwerner zu ähnlichen Ergebnissen gekommen: die Tabakrichtline ist nicht nur unsinnig und menschenverachtend, sonder auch illegal. Ein rechtskräftiges Urteil ist das jedoch nicht, sondern lediglich ein Gutachten.

Dennoch ist es erfreulich zu sehen, dass unsere Rechtswesen sich tatsächlich mit den Rechten der Bürger befasst. Wer schon immer das Gefühl hatte, dass es bei der Tabakrichtline nicht mit rechten Dingen zugeht, hat nun eine Bestätigung.

Update 02.07.2013

Meine Vermutung, dass die Tabakindustrie, wissend um ihren schlechten Ruf, alles kritistiert was ihnen willkommen ist, ist offenbar nicht richtig. Den Vorschlag der EU-Kommission, e-Zigaretten als Medikament zu regulieren hat sie nämlich öffentlich begrüßt. Wo bleiben nur die Tabakkontrolleuere, die sagen "wenn's der Tabakindustrie gefällt, muss es schlecht sein"?

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Samstag, 23. Februar 2013

Plain packaging ist ein Produktverbot

Eines der wenigen einleuchtenden Argumente für plain packaging lautet: "da die Tabakindustrie dagegen ist, muss es gut für die Gesundheit sein". Könnte an diesem Argument etwas dran sein?

Die Marke ist das Produkt

Dieses Argument macht dann Sinn, wenn man davon ausgeht, dass das Produkt, das die Tabakindustrie verkauft, aus den Zigaretten in der Schachtel besteht. Ist das wirklich so?

Denken wir mal an Parfüms. Woraus besteht hier das Produkt? Ist es die Flüssigkeit in den Flacons? Nein, es ist eher der Flacon selbst, es ist der ganze Mythos, das Gefühl, die Erwartungen, die in Werbekampangnen, durch product-placment und durch bezahlte Werbe-Ikonen über die Jahre aufgebaut wurde. Das Parfüm selbt, die Flüssigkeit ist vergleichsweise wertlos.

Wie steht es beispielsweise mit Produkten wie Red Bull. Ich habe mich oft gewundert, wie viel Wirbel diese Firma um ihr Wässerchen macht. Sie haben einen eigenen Formel1 Rennstall, veranstalten Red Bull Days am Wannsee und allerhand anderes Spektakel. Schließlich wurde mir klar, dass nicht das Wässerchen, sondern dieser Wirbel das Produkt ist.

Ähnliches gilt für Zahnpasta, Rasierwasser und Kosmetika, ja eigentlich für fast alles, wofür im Fernsehn Reklame gemacht wird. Der eigentliche Gegenstand ist in vielen Fällen praktisch wertlos. Erst durch die "Marke" wird daraus ein Produkt.

Produktverbot ist nicht gleich Verkehrsverbot

Harte Drogen sind in Deutschland nicht "verkehrsfähig". Sie dürfen nicht frei verkauft werden. Daher gibt es auch keine Produkte, die im Kern aus harten Drogen bestehen.

Wird ein Produkt verboten, so kann der Kern der Sache aber durchaus verkehrsfähig bleiben. Sie dürfen in Deutschland beispielsweise nicht ohne weiteres Koffeintabletten auf den Markt bringen, obwohl Koffein in Form von Kaffee und sogar als reines Koffein frei erhältlich ist. So auch beim "plain packaging": Tabak und sogar Zigaretten dürfen nach wie vor verkauft werden.

Die immer weiter verschärften Werbeeinschränkungen für Tabakwaren bis hin zur neuen EU Tabakrichtlinie sind unterm Strich schleichendee Produktverbote. Hätten wir plain packaging, dann wäre das Prouktverbot perfekt.

Die Hersteller dieser Produkte sind darüber nicht erfreut, denn das was sie eigentlich tun wird verboten. Es dürfte sie weniger hart treffen, wenn sie etwas anderes in ihre Schachteln stecken dürften, idealerweise etwas, wofür sich ihre anngestammten Kunden interessieren, wie beispielsweise e-Zigaretten oder Snus, sie dafür aber ihre Marken beibehalten und dafür werben könnten.

Die Tabakkontrolle und die Finanzminister werden von einem Produktverbot aber kaum betroffen, denn sie verdienen an den Zigaretten an sich, nicht an den Marken.

Damit spielt man nicht

Ich muss sagen, dass mich plain packaging und einige Teile der EU Tabakrichtlinie vergleichsweise kalt lassen, weil ich  weder Zigaretten rauche, noch in der Tabakindustrie arbeite. Produktverbote halte ich jedoch ähnlich wie Parteiverbote oder Zeitungsverbote für eine extrem gefährliche Sache. Damit spielt man nicht.

Es ist nicht zu erwarten, dass durch die schleichenden Produktverbote der Umsatz an Zigaretten einbrechen wird. Aber ich verstehe, wieso die Tabakindustrie dennoch dagegen sein könnte. Red Bull wäre auch nicht erfreut, wenn man ihnen den Formel1 Rennstall verbieten würde.

Wer wirklich etwas dafür tun will, dass weniger Zigaretten geraucht werden, sollte das Snus Verbot bekämpfen und e-Zigaretten fördern. Wer nichts dergleichen tut und nur mit Produktverboten herumspielt, sollte von den Schaltstellen der Macht ferngehalten werden.

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Sonntag, 10. Februar 2013

Blut klebt and den Händen der Tabakkontrolleure

Der ehemalige Gegenspieler der Tabakindustrie, die Tabakkontrolle argumentiert sich gerade um Kopf und Kragen. Ihre Kampagnen schaden der Volksgesundheit inzwischen mehr als sie nützen. Donnoch lässt man sie gewähren.

Die frühen Jahre

Erinnert ihr euch noch an diese Prozesse in den USA, wo man Tabak-Manager befragt hat, ob Zigaretten süchtig machen und einer nach dem anderen diese Frage verneinte. Dann tauchten Unterlagen auf, aus denen hervorging, dass die Tabakindustrie sehr wohl über die Gefahren des Rauchens Bescheid wusste, auch über dessen Suchtpotential.

Danach fiel die Tabakindustrie immer mehr in Ungnade. Sie und vor allem ihre Kunden wurden im Master-Settlement-Agreement zur Kasse gebeten, ihre Studien wurden nicht mehr akzeptiert und sie durfte nur noch sehr eingeschränkt für ihre Produkte werben.

Das ging so weit, dann man unliebsame Meinungen einfach dadurch vom Tisch fegen konnte, dass man behauptete, die Vertreter dieser Meinung würden von der Tabakindustrie bezahlt.

Eine neue Industrie entsteht

Solange die Tabakindustrie als böse wargenommen wurde, waren deren echte oder vermeintlichen Gegner automatisch die Guten. Dies führte zum Aufblühen einer neuen Industrie, der Tabakkontrolle. Viele dieser Gruppen bestanden anfangs aus wirklich besorgten Bürgern und Wissenschaftern. Mit den Jahren unterschied sich diese Industrie aber immer weniger von irgendeiner anderen Industrie.

Lange bemerkte die Öffentlichkeit davon nichts. Schließlich ist Rauchen wirklich ungesund. Erste Zweifel kamen auf, als die Theorie, dass Passivrauchen tausdende von Todesopfern fordern könnte, als wissenschaftlich bewiesene Tatsache verkauft wurde. Das war zwar wissenschaftlich nicht anständig, aber der Schaden hielt sich in Grenzen. Immerhin fühlen sich viele Nichtraucher durch Tabakrauch belästigt, was alleine schon Grund genug für einen gewissen Nichtraucherschutz ist.

Der Snus-Sündenfall

In schweden verdrängte Snus immer mehr die Tabakzigarette. Die Raucherquote sank und mit ihr die tabakbedingten Erkrankungen. Die Tabakkontrolleure argumentierten aber gegen Snus und tun das bis heute. Immerhin ist Snus ein Tabakprodukt, wird von der Tabakindustrie hergestellt und ließ sich so relativ leicht schlechtreden.

Hier wurden von der Tabakkontrolle erstmals Maßnahmen durchgesetzt, die sich gegen die Gesundheit der Bevölkerung richteten, denn den Bürgern der EU wird der Zugang zu Snus verweigert, er darf außer in Schweden nirgendwo verkauft werden.

Die e-Zigarette

Nach diesem Sündenfall der Tabakkontrolle fand der Rest der EU in der e-Zigarette eine weitere Alternative für die Tabakzigarette. Wieder argumentierte die Tabakkontrolle gegen diesen Produkt. Allerdings ist die e-Zigarette kein Tabakprodukt und wird nicht von der Tabakindustrie hergestellt.

Die derzeitige Argumentation gegen die e-Zigarette ist denn auch mehr als fragwürdig. Es wird immer wieder betont, dass die Gefahren der e-Zigarette noch nicht hinreichend erforscht seien und sie nicht als ungefährlichere Alternative zu Tabakzigaretten akzeptiert werden kann.  Diese Argumentation wurde auch schon im Zusammenhang mit Snus verwendet. Sie macht so wenig Sinn, wie die Feststellung, dass "Fahren mit Gurt" nicht ungefährlich ist, und daher abzulehnen ist.

Die Bevölkerung muss geschützt werden

Warum befasst sich die Tabakkontrolle überhaupt mit einem Produkt, das keinen Tabak enthält? Wieso befasst sich das Deutsche Krebsforschungszentrum mit einem Produkt, das nicht im Verdacht steht Krebs zu erzeugen? Und warum versucht die Tabakkontrolle mit aller Macht auch dieses Produkt vom Markt zu fegen? Es wird Gründe geben, aber der Schutz der Volksgesundheit kann unmöglich dazu gehören.

Die Einflusssphäre der Tabakkontrolle ist gewaltig. Bei der gerade anstehenden Novellierung der EU Tabakrichtlinie wird es eine Expertenanhörung geben, bei der sich die geladenen Experten zum großen Teil aus der Tabakkontrolle rekrutieren. Und diese Richtlinie bestätigt in der vorliegenden Fassung das Verkaufsverbot von Snus und führt ein de-facto Verbot der e-Zigarette ein, indem der Nikotingehalt auf absurd niedrige Werte beschränkt wird.

Mit der Tabakkontrolle haben wir nun noch eine Industrie, vor der die Bevölkerung geschützt werden muss. Paradoxerweise sorgt die Tabakkontrolle inzwischen dafür, dass Raucher weiterhin Zigaretten rauchen und nicht auf ungefährlichere Alternativen ausweichen können. Lediglich das Nikotin der Pharmaindustrie wird akzeptiert und sogar beworben.

Die Rolle der Gerichte

Als es noch darum ging den Machenschaften der Tabakindustrie Einhalt zu gebieten, spielten die Gerichte eine erheblich Rolle. Bis jetzt haben sich Gerichte i.d.R. auch korrekt verhalten, wenn es darum ging die Tabakkontrolleure in ihre Schranken zu weisen.

Werden in einigen Jahren die Tabakkontrolleure vor Gericht stehen, und wird man sie fragen, ob ihnen bewusst war, wieviele Menschenleben sie mit ihren Kampagnen aufs Spiel gesetzt haben? Und werden dann geheime Dokumente auftauchen, aus denen hervorgeht, dass sie sehr wohl Bescheid wussten?

Werden die Tabakkontolleure dann aussagen, dass sie von nichts gewusst hatten? Werden sie sagen, dass sie geglaubt hatten, etwas Gutes zu tun? Werden sie gar sagen, dass sie auf Befehl gehandelt haben?

Beobachtet die EU Parlamentarier!

Ein weiteres mögliches Bollwerk ist das Europäische Parlament, dass über die neue Tabakrichtline abzustimmen haben wird. Derzeit werden viele EU-Abgeordnete von gesundheitsbewussten Bürgen angeschrieben und es wird ihnen erklärt, warum diese Richtlinie abzulehnen ist. Die EU-Parlementarier werden sich nicht damit herausreden können, dass sie von nichts gewusst hatten.

Die Abtimmungen im Europäischen Parlament kann man nachvollziehen. Wer hier wie abgestimmt hat ist kein Geheimnis. Eine Partei, deren EU-Abgeordneten die Tabakkontrolleure gewähren lassen oder gar unterstützen, ist für mich nicht wählbar.

Es geht um viel.

Update 16.05.2013

Dick Puddlecote kommt in seinem Artikel über Linda McAvan ("die gefährlichste Frau in Europa") zu einem ähnlichen Schluss. Der Artikel endet mit

History will surely judge these evil ideologues to have blood on their hands.

Update 07.01.2014

Das Abstimmungsverhalten der EU Abgeordneten zum Amendment 170 habe ich hier analysiert:
Wahlentscheidung
Die Linken Fraktionen machen dabei keine gute Figur.


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Donnerstag, 3. Januar 2013

Tabakkontrolle und Finanzmarkt

Wer profitiert am meisten vom Zigarettenverkauf? Es ist nicht die Tabakindustrie, sondern der Staat. 3/4 des Verkaufspreises einer Schachtel Zigaretten sind Steuern. Da das eine Viertel, das die Tabakindustrie behalten darf nicht reiner Gewinn ist, kassiert der Staat unterm Strich rund 10mal so viel wie die Tabakkonzerne. In den USA kann man Wertpapiere (tobacco bonds) kaufen, die durch  Geld, das man den Rauchen noch aus der Tasche ziehen will, abgesichert sind.

1998 einigten sich einige Staaten der USA und die größten Tabakunternehmen im Master-Settlement-Agreement (MSA), dass die Tabakindustrie über 25 Jahre insgesamt geschätzte 200 Milliarden Dollar an die Staaten zahlen muss, im Gegenzug aber vor Klagen und Konkurrenz geschützt wird. Durch diesen Deal gewannen beide Parteien. Verlierer waren die Raucher, die das alles finanzieren müssen.

200 Milliarden klingt auf den ersten Blick nach viel Geld. Auch wenn sie über 25 Jahre verteilt gezahlt werden sind das pro Jahr immer noch über sieben Milliarden. In Deutschland werden aber durch die Tabaksteuer alleine bereits fast 15 Milliarden pro Jahr eingezogen.  Im Vergleich zu den regulären Steuern auf Zigaretten sind die Zahlungen aus dem MSA also nur das Sahnehäubchen. Im Jahre 2011 sah das in den USA so aus:

- Federal excise taxes           $15,101,077,000
- State and local excise taxes   $17,781,272,000
- State cigarette sales taxes     $4,240,744,000
- Tobacco settlement payments     $7,088,376,000


Einige wenige Prozent der MSA Einnahmen werden für Präventionsmaßnahmen ausgegeben. Das klingt wenig, aber es macht die Tabakkontrolle bereits zu einem Billion-Dollar-Business, selbst wenn man die Zuwendungen der Pharma-Industrie außer Acht lässt. Der größte Teil der MSA Bezüge geht aber an die öffentliche Hand. Was diese mit dem Geld anstellt entzieht sich meiner Kenntnis.

Tobacco Bonds

Die Einnahmen aus dem MSA fallen jährlich an und gelten als sichere Geldquelle. Viele Staaten sind daher auf die Idee gekommen, die zukünftigen Zahlungen aus dem MSA auf dem Kapitalmarkt in Form von "tobacco bonds" zu verpfänden. Dadurch haben sie auf einen Schlag einen größeren Batzen Geld in der Hand.

Die Höhe der MSA Zahlungen wird nach einer "komplizierten Formel" berechnet, in die die Menge verkaufter Zigaretten eingeht. Das macht Sinn, denn die Tabakindustrie wird weder bereit noch in der Lage sein Milliardenzahlungen zu leisten, wenn niemand mehr raucht.

Nun geht die Raucherquote in den USA schneller zurück als erwartet, und damit sinken auch die Zahlungen aus dem MSA. Erwartet war ein Rückgang von jährlich 1,8% in Wirklichkeit wurden daraus aber 4,1%.

Das bereitet den Emittenten der Tobacco Bonds arge Probleme, denn sie haben die zukünftigen Einnahmen ja bereits ausgegeben. Kaliforniern, Ohio, Virginia und Nassau County (NY) mussten bereits Reserven anzapfen, um die von ihnen ausgegebenen Bonds zu bedienen. Wenn sich dieser Trend fortsetzt wird Ohio 2024 zahlungsunfähig, weil dann $350 Mio fehlen.

Einige der Emittenten haben nicht das Recht eigene Steuern zu erheben. Sie können sich daher nicht aus der Schlinge ziehen, indem sie anderen Bürgen das Geld aus der Tasche ziehen.

Ob eine weitere Erhöung der Zigarettensteuer  zu mehr Einnahmen führen würde ist ohnehin fraglich, den die Steuern sind bereits so hoch, dass eine weitere Erhöhung die Raucherquote noch weiter reduzieren könnte. Eine Steuererhöhung in Russland wurde bereits mit einer Aufforderung des Finazministers Alexei Kudrin verbunden, doch bitte "mehr zu Rauchen und zu Trinken".

Auch in Deutschland sind die Steuereinnahmen aus Tabakwaren bestenfalls stabil.

 

Glücklicherweise ist Deutschland nicht besonders stark von der Tabaksteuer abhängig. 

Die Tabakrichtlinie

In Europa redet niemand offen darüber, dass wieder mehr geraucht und getrunken werden soll. Dennoch geht die EU mit ihrer Tabakrichtlinie genau in diese Richtung.

Snus und die e-Zigarette haben beide das Zeug die Raucherquote weiter zu reduzieren. Aber die EU erschwert oder verwehrt ihren Bürgen den Zugang zu diesen beiden Alternativen. Unterm Strich ist das ein ähnlicher deal wie das MSA: es gewinnen die Finanzminister, die Tabakindustrie und die Lobby-Organisationen der Tabakkontrolle (die ihre Existenzberechtigung behalten). Bezahlt wird das Ganze von den Rauchern, dieses Mal jedoch nicht nur mit ihrem Geld, sondern auch mit ihrer Gesundheit.

















Sonntag, 28. Oktober 2012

Spekulationen über John Dalli

Der EU Gesundheitskommissar John Dalli musste wegen Korruptionsvorwürfen seinen Hut nehmen. Alle Welt rätselt was hier wirklich passiert sein könnte. Hier ist meine Theorie dazu.

Was ist passiert?

Silvio Zammit, ein maltesischer Geschäftsmann ist an den Snus-Hersteller Swedisch Match herangetreten und hat angeboten für einen 2stelligen Millionenbetrag John Dalli dazu zu bringen den Verkauf von Snus in der EU zu erlauben. Derzeit verbietet die EU Tabakrichtlinie den Verkauf von Snus in der EU (ausgenommen Schweden). Die Tabakrichtline wird gerade überabeitet.

Swedish Match schaltete darauf die Anti-Korruptionsbehöre "Olaf" ein, die zu dem Schluss kam, dass Dalli von diesen Vorgängen gewusst hatte, aber nichts dagegen unternommen hatte. Geld sei keines geflossen. Barroso drängte daraufhin Dalli seinen Stuhl zu räumen.

Zwei Tage später wurde in die Brüsseler Büros von drei anti-Tabak-Organisationen eingebrochen.

Ernstgemeinte Bestechung

Es spricht einiges dagegen, dass sich Dalli tatsächlich bestechen lassen wollte. Die überarbeitete Tabakrichtlinie ist praktisch fertig und ihr Inhalt ist längst durchgesickert. Wenn sich Dalli bestechen lassen wollte, hätte er das viel früher einfädeln müssen.

Wollte Swedish Match Dalli bestechen? Das ist ebenfalls nicht sehr plausiblel, denn hier gelten die gleichen Einwände wie oben: für einen ernst gemeinten Bestechungsversuch war es einfach zu spät.

Vorgetäuschte Bestechung

Wenn es sich nicht um tatsächliche Bestechung drehen kann, dann muss das Ganze eine Show gewesen sein. Entweder hat Swedish Match Dalli hereingelegt oder Dalli wollte Swedish Match reinlegen, und der Schuss ging nach hinten los. Es spricht einiges dafür, dass Letzteres der Fall ist.

Hätte Swedish Match Dalli hereinlegen wollen, indem sie mit Zammit über Bestechungsgelder verhandelt, um diesen Vorgang später öffentlich zu machen, dann hätte Dalli der Veröffentlichung nur zuvorkommen müssen. Das hat er aber nicht getan. Das legt nahe, dass was auch immer hier lief den Segen von Dalli hatte.

Wäre es aber umgekeht gewesen, und Dalli wollte Swedish Match zu einem Bestechungsversuch verführen, dann ist es nicht verwunderlich, dass er nicht an die Öffentlichkeit gegangen ist, solange er nicht genügend Beweise beisammen hatte. Andererseit bestand dann die Gefahr, dass Swedish Match der Veröffentlichung zuvorkommt.

Diese Gefahr könnte Dalli unterschätzt haben. Das Mantra, dass der Tabakindustrie nicht zu trauen ist, dass sie für Geld alles tut und vor Korruption nicht zurückschreckt, wird von der Tabakkontrolle so inbrünstig rezitiert, dass es einige ihrer Akteure möglicherweise inzwischen selbst glauben.

Bitte nicht sachlich werden

Hätte der Coup geklappt, dann wäre die überarbeitete Tabakrichtlinie gegen Kritik ziemlich unempfindlich geworden. Einer sachlichen Diskussion würde die Tabakrichtlinie nämlich nicht stand halten. Die Tabakkontrolleure müssen daher darauf hinwirken, sachliche Diskussionen unter allen Umständen zu vermeiden. Da würde es gut passen, wenn man Swedish Match als eine Firma hinstellen kann, die auch vor Bestechung nicht zurückschreckt. Bei diesem Szenario scheint der Zeitpunkt - kurz von der Veröffentlichung der Tabakrichlinie - gut gewählt.

Nun ging dieser Schuss bekanntlich nach hinten los, Swedish Match petzte und Dalli musste gehen. Wenn auch viele Medien, wie die TAZ und die Süddeutsche ihre Feindbilder von vor 20 Jahren noch nicht aktualisiert haben und reflexartig auf die Tabaklobby schimpfen, war die Opferrolle der Tabakkontrolleure nun doch etwas angekratzt.

Jetzt bricht jemand in die Büros von drei anti-Tabak-Organisationen ein. Sollte da die Tabakindustrie dahinterstecken? Sollte sie nicht Besseres zu tun haben, als der Weltöffentlichkeit zu sagen: "nicht Dalli, sondern wir sind die Bösen"? Es bestand ja nicht der Hauch einer Chance, dass die Einbrüche unentdeckt bleiben. Man hat eher den Eindruck, dass sie entdeckt werden sollten. So oder so, der Ruf der Tabakkontrolle wurde durch diese Einbrüche wieder etwas verbessert.










Dienstag, 9. Oktober 2012

Ist die e-Zigarette noch zu stoppen?

In diesem wirklich sehenswerten Video gesteht Deborah Arnott von ASH, dass die e-Zigarette im Grunde eine gute Sache ist. Allerdings nur, wenn außer den Produzenten und den Konsumenten noch andere mitverdienen dürfen. Hier die highlights in deutscher Spache.

In ihrere Einleitung verweist sie auf Clive Bates, ihren Vorgänger bei ASH, der immer und immer wieder darauf hingewiesen hat, dass Schadensbegrenzung das Mittel der Wahl ist, wenn man tabakbedingte Erkrankungen reduzieren möchte. Damit habe er vollkommen recht, sagt sie. Das lässt hoffen.

Sie verschweigt allerdings, dass dies derselbe Clive Bates ist, der die Einstellung seines ehemaligen Arbeitgebers ASH zu rauchlosen Tabakprodukten als himmelschreiend bezeichnet. Clive Bates ist inzwischen einer der entschiedensten Kritiker von ASH und anderen Multis der Tabakkontrolle.

Nikotin ist nicht das Problem

Üblicherweise argumentiert die Tabakkontrolle gegen alternative Nikotinprodukte wie Snus und die e-Zigarette. Deborah Arnott weist aber zu Anfang darauf hin, dass nicht das Nikotin das Problem ist, sondern der "Teer". Das sind neue Töne. Schließlich könnten diese Produkte dazu führen, dass immer weniger Menschen rauchen und damit ASH sowohl seine Existenzberechtigung als auch eine Geldquelle (Tabaksteuer) verlieren würde.

Die Schwedische Erfahrung
Aber Snus ist immer noch schlecht. Sie wirft amerikanischen Skoal und Schwedischen Snus in einen Topf und bemerkt, dass dies Produkte der Tabakindustrie sind, die Jugendliche verführen usw. Also Snus ist abzulehnen, trotz der "schwedischen Erfahrung", wo weniger Menschen rauchen und es weniger tabakbedingte Erkrankungen gibt als irgendwo sonst in der EU. Das erwähnt sie nicht.

Alternative Nikotinprodukte

Dann zählt sie einige alternative Nikotinprodukte auf, die von kleinen Firmen entwickelt wurden, an denen die Pharma-Industrie aber kein Interesse hatte und deren Firmen von Tabakkonzernen aufgekauft wurden. Diese Produkte sind auf dem Markt nicht mehr erhältlich. Das ist in so fern interessant, als die Meinung, die Tabakindustrie bekämpfe alternative Nikotinprodukte, offenbar nicht unbegründet ist.

Schön wäre es natürlich, wenn die Tabakkontrolle diese Produkte dann nicht bekäpfen oder gar fördern würde. Ein Dienst an der Gesellschaft, durch den sich ASH in der Vergangenheit aber nicht gerade hervorgetan hat.

Nun denn. Bliebe noch die e-Zigarette. Wer gegen Snus ist, müsste eigentlich auch gegen die e-Zigarette sein. Aber nein - Frau Arnott hält sie - auch das sind neue Töne - für ein akzeptables Produkt wenn, ja wenn es "reguliert" wird. Dies sei nötig, weil sie aus China kommen.

China wird reguliert

Warum muss man ausgerechnet Produkte aus China regulieren? Nun, es gab mal chinesische Sofas, von denen Leute Verbrennungen bekommen haben (Frau Arnott zeigt dazu schockierende Bilder). Ich kenne diese Geschichte nicht, aber sie mag schon stimmen.

Der Argumentationskette kann ich allerdings nicht wirklich folgen. Heißt das, dass jetzt alle chinesischen Produkte "reguliert" werden sollen, weil mal ein chinesischer Sofahersteller das falsche Überzugsmaterial verwendet hat? Ich hoffe, ich bin hier nicht auf eine Satire hereingefallen.

Die Stimme der Mehrheit

Sie zitiert eine Anhörung der Britischen Medikamenten-Zulassungsstelle (NHRA), wo sich angeblich eine Mehrheit der Bevölkerung für eine Regulierung von e-Zigaretten ausgesprochen hat.

Die entsprechenden Unterlagen finden Sie hier. Ich kann darin keine Mehrheit für eine Regulierung erkennen, sondern eine große Mehrheit für "take no action", also "haltet euch da raus". 

Nur Pharma-Nikotin ist gutes Nikotin

Ein weiteres interessantes Detail ist die Aussage, dass Nikotinersatztherapie (NRT), also Nokotin-Pflaster und -Kaugummis auch zur Dauertherapie empfohlen werden. Dies ist eine Abkehr von der früheren Lesart, dass nämlich diese Produkte nur kurzzeitig - zur Raucherentwöhnung - eingesetzt werden sollen.

Im Endeffekt läuft das darauf hinaus, dass Raucher ihr Nikotin, nicht durch Zigaretten, nicht durch Snus oder gar durch "unregulierte" e-Zigaretten, sondern ausschließlich in Form von Produkten der Pharma-Industrie beziehen sollen, denn ob die momentan existierenden Hersteller von e-Zigaretten eine "Regulierung" überleben würden ist mehr als fraglich. Überraschend ist das alles nicht.

Der Kampf scheint verloren

Wirklich überraschend, wenn nicht sogar erfreulich, ist dass ASH den Kampf gegen die e-Zigarette offenbar verloren glaubt. Aus der Welt schaffen können sie sie nicht mehr, aber die Vorstellung, dass auf dieser Welt Nikotin konsumiert wird, ohne dass sie nach ihrer Meinung gefragt werden, läuft ihrem Geschäftsmodell entgegen.

Für die Konsumenten sind das eher gute Nachrichten. Es wird ein blühender Schwarzmarkt von unregulierten Produkten entstehen. Wer erinnert sich noch an die Zeiten, als die Deutsche Bundespost (so hieß die Telecom damals) Modems regulieren wollte?  Es gab die überteuerten, regulierten Modems der Post und die technisch weit überlegenen, billigen Modems aus den USA. Das war ein Spaß.

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Samstag, 22. September 2012

Details der Tabakrichtline durchgesickert

Christopher Snowdon berichtet, dass Details der zukünftigen EU Tabakrichtlinie der Presse zugespielt wurden. Hier eine Überasetzung seines (englischen) Texts.

Ein Entwurf der EU Tabakrichlinie erreichte diese Woche die deutsche Presse. Sie erinnern sich vielleicht noch an die EU-weiten Umfragen zu dieser Richtlinie, deren Ergebnisse letztes Jahr veröffentlich wurden. Sie zeigten massive Bedenken bezüglich der extremen Maßnahmen der Tabakkontrolle. Eine "große Mehrheit" spach sich dafür aus, das wissenschaftlich nicht begründete Verbot von Snus aufzuheben.
  • Eine nennenswerte Mehrheit war dagegen, die Tabakrichtlinie zu erweiteren (d.h. weitere Verbote zu verhängen)
  • Eine große Mehrheit ... sprach sich dafür aus, das Verbot von Snus aufzuheben.
  • Eine nennenswerte Mehrheit spach sich dagegen aus, Inhaltsstoffe auf EU-Ebene zu regulieren
  • Eine nennenswerte Mehrheit spach sich dagegen aus, den Zugang zu Tabakprodukten zu erschweren.
Das 125 Seiten starke Dokument lässt erkennen, dass sich die EU Komission entschlossen ist, nicht auf ihre Bürger zu hören und stattdessen  die Interessen von Lobbyisten und der Pharmazeutischen Industrie zu unterstützen. Vielleicht überrascht Sie das ja nicht. Wie man europäischen Nachrichenquellen entnehmen kann, könnte die die Richtlinie weit schlimmer ausfallen als befürchtet. Hier einige ihrer Tiefpunkte:
  • Totales Verbot von jeglichen rauchloses Tabak in der gesamten EU (außer Schweden)
  • Totales Verbot von E-Zigaretten
  • Verbot von Menthol und anderen Aromastoffen
  • Standardisierte Dicke, Länge und Farbe von Zigaretten
  • Verbot mehr als eine Sorte jeder Marke auszustellen
  • Grafische Warnungen, die 75% der Oberfläche bedecken
Das Verbot von rauchlosem Tabak wird auch Schnupftabak und alle Arten von Kautabak betreffen. Gewissen ethnischen Minderheiten, die "asiatische" Produkte verwenden, wird das nicht gefallen. Es bedeutet auch, dass der lose Snus in Dänemark verboten wird, der bis jetzt als "traditionelles Tabakprodukt" noch erlaubt war.

Die schwedische Erfahrung
Das Snus-Verbot wird nicht aufgehoben, und es gibt für die EU-Bürger keine Chance mehr die "Schwedische Erfahrung" zu machen, wo Raucher massenhaft eine Alternative gefunden haben, die 99% sicherer ist. The Local schreibt dazu:

In Schweden rauchen nur 11% der erwachsenen Bevölkerung, im Gegensatz zum EU-Durchschnitt, wo es 28% sind.

Jede Regierung, die sich ernsthaft um die die Volksgesundheit sorgt, würde Snus sofort legalisieren. Anderseits würde eine Regierung, die tatsächlich daran glaubt, das Snus eine ernsthafte Gefahr darstellt, die Ausnhameregelung für Schweden streichen. Hier geht es ganz offensichtlich nicht um Gesundheit. Es geht um Geld und Politik.

Die Pharmaindustrie - und in diesem Fall auch die Tabakindustrie - werden sich freuen, dass die E-Zigarette in die Schusslinie geraten ist. Der Entwurf sieht vor, dass nur noch solche nikotinhaltigen Produkte auf dem Markt zugelassen sind, die als medizinische Produkte zugelassen sind. Für e-Zigaretten kommt dies einem Verbot gleich. Hunderttausende von EU-Bürgern, die mit Hilfe dieser Dampfgeräte das Rauchen aufgegeben haben werden auf die Tabakzigarette zurückgworfen. Tolle Arbeit.

Viele der anderen Empfehlungen sind recht trivial. Sie dienen lediglich dazu der Tabakindustrie lästig zu sein. Das Verbot, mehr als eine Sorte jeder Marke auszustellen ist mir neu. Ich kann mir nicht vorstellen, wer sich das ausgedacht haben mag und was die wohl dabei geraucht haben. Das Verbot Mentholhaltiger Zigaretten ist wissenschaftlich nicht begründet. Es ist nur auf der Agenda, weil es der Verbotsindustrie in den Fingern juckt, noch etwas zu verbieten, und es einfacher ist, Produkte zu verbieten, die keinen großen Martkanteil haben, wie Mentholzigaretten und rauchloser Tabak, als Zigaretten insgesamt zu verbieten.

Die Regelung, 75% einer Schachtel mit Warnhinweisen zu bedecken entspringt den gleichen Betonköpfen. Vermutlich zielt das auf Leute, die noch nicht davon gehört haben, dass Rauchen ungesund ist. Der nächste Schritt wäre dann die Einheitsverpackung ("plain packaging"). Die Welt berichtet hierzu:

Rechnet man die Steuerbanderole noch mit als auch in der Größe vorgeschriebenes Element, bleiben den Herstellern noch etwa zehn Prozent der Packung zur freien Gestaltung.

Die Richlinie kann in der Zukunft noch weiter verschärft werden, denn die Europäische Komission ist bereit den "nächsten logischen Schritt" zu nehmen:

Die Kommission sieht die Beschränkungen als Vorstufe: Fünf Jahre nach Inkrafttreten der nun geplanten Richtlinie will sie weitere Vorschläge "in Richtung eines vollen Plain Packaging" vorlegen, also ein Verbot jeglicher Logos, Bilder, Schriftzüge und -arten.

Das sind die Nachrichten, wie ich sie verstehe (sie stammen hauptsächlich aus ausländischen Quellem, da die britischen Medien kein Interesse zeigten). Gesundheit und Freiheit werden wieder einmal speziellen Interessen geopfert. Aber das ist die Europäische Komission: inkompetent und bis ins Mark verdorben.

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