Erst nahmen sie sich die Raucher vor ...

Erst nahmen sie sich die Raucher vor und ich habe den Mund gehalten. Dann nahmen sie sich die Trinker vor und ich habe den Mund gehalten. Dann nahmen sie sich die Dicken vor und ich habe den Mund gehalten. Dann nahmen sie sich mich vor. (Frei nach Martin Niemöller)
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Sonntag, 26. Mai 2013

Die Seidenstraße

Die anstehenede EU-Tabakrichtline ist dazu angelegt den Konsum von Tabakzigaretten zu fördern. Während dies der erwünschte Effekt sein dürfte, gibt es einen unerwünschten Nebeneffekt: der Schwarzmarkt wird gefördert. Ich kannte den Schwarzmarkt bisher nicht, habe mich aber einmal umgesehen, denn wer in Zukunft Snus oder e-liquids kaufen möchte, wird sich dort bedienen müssen.

Förderung des Tabakkonsums

Die Tabakkonzerne haben ein Interesse daran, Zigratetten möglichst teuer zu verkaufen. Der Umsatz interessiert sie weit weniger als der Gewinn. Werden Zigaretten unattraktiver, kann man die Raucher nicht mehr dazu bewegen teure Marken zu kaufen, sie werden verstärkt auf Billigmarken zurückgreifen.

Dadurch sinkt der mittlere Preis von Zigaretten und damit der Gewinn der Tabakkonzerne. Der Konsum von Zigaretten muss dadurch aber noch lange nicht sinken. Im Gegenteil - im Schnitt werden Zigaretten ja billiger.

Das ist der Grund warum Tabakkonzerne nicht erfreut sind über die neue Tabakrichtline. Aber sie bekommen auch etwas zurück: die Tabakrichtlinie erschwert den Zugang zu Snus und e-Zigaretten. Dadurch werden ehemalige Raucher, die auf eines dieser Produkte umgestiegen sind wieder der Zigarettenindustrie in die Arme getrieben. Und was noch wichtiger ist: weitere Umsteiger wird es nicht geben. Der Trend weg von der Tabakzigarette hin zu den weniger schädlichen Alternativen wird gestoppt.

Der Schwarzmarkt schafft Konkurenz

Die Tabaksteuer wird i.d.R. so kalibriert, dass die so hoch wie möglich ist und dass eine weitere Erhöhung zu geringeren Steuereinnahmen führen würde. Nun ist die Raucherquote in der EU in den letzten Jahren annähernd konstant geblieben. Geht man davon aus, dass Raucher Süchtige sind, die jeden Preis bezahlen, um an ihre Droge zu kommen, dann müsste man die Steuern eigentlich beliebig erhöhen können.

Dass das nicht der Fall ist, liegt daran, dass sich Raucher zunehmend Zigaretten aus anderen Quellen beschaffen. Sie kaufen sich Zigaretten im Ausland oder eben auf dem Schwarzmarkt.

Als 2010 in New York State die Stuern auf Zigaretten erhöht wurden, begann der Schwarzmarkt zu boomen. Für fast die Hälfte aller Zigaretten wurden keine Steuern mehr gezahlt.

Schwarzmarkt für e-Liquids

Ein Schwarzmarkt für e-Liquids dürfte sehr schwer zu kontrollieren sein. Den Verkauf von Lebensmittelaromen, Propylenglykol und Glycerin wird man kaum unterbinden können. Davon redet derzeit auch derzeit niemand. Es geht ums Nikotin.

Aber drei 100ml Fläschchen 38er Basis reichen einem Dampfer bereits ein ganzes Jahr. Diese drei Flaschen passen locker in jede Damenhandtasche. Ein Raucher benötigt in der gleichen Zeit rund 36 Stangen Zigaretten. Das ist schon ein ganzer Koffer voll.

Dabei ist 38er Basis noch relativ stark verdünnt. Der Nikotingehalt beträgt gerade mal 3,8%. Es ist zu erwarten, dass in Zukunft verstärkt hoch konzentriertes Nikotin auf dem Schwarzmarkt erscheinen wird, da es viel leichter zu schmuggeln ist.

Wäre das Nikotin 10mal so konzentriert, würden die 300ml bereits 10 Jahre reichen. Geht man mit der Konzentration noch höher, braucht man weniger als einen Liter für einen lebenslangen Vorrat.

Den gleichen Effekt konnte man auch während der Prohibition in den USA beobachten. Hochprozentiges wurde vermehrt konsumiert. Nach dem Ende der Prohibition wurde wieder verstärkt auf Bier und Wein zurückgegriffen.

Schwarz gebrannter Schnaps ("moonshine") führte damals häufig zu Vergiftungen. Mit hoch konzentriertem Nikotin ist Ähnliches zu erwarten. Nikotin wird gut durch die Haut aufgenommen. Kleckert man sich versehentlich 38er Basis über die Finger, kann man gelassen zum Wasserhahn gehen und sich die Hände waschen. Bei 100%igem Nikotin ist es fraglich, ob man den Wasserhahn noch rechtzeitig erreicht.

Schwarzmarkt für Snus

Snus hat es deutlich schwerer auf dem Schwarzmarkt Fuß zu fassen. Nikotin ist als solches nicht mit bloßem Auge zu erkennen, es ist einfach eine farblose oder leicht bräunliche Flüssigkeit. Snus dagegen erkennt man sofort.

Auch die Volumenverhältnisse sind weniger günstig. Eine Dose Snus ist etwa so groß wie eine Schachtel Zigaretten und reicht für drei Tage. Er ist damit zwar immer noch leichter zu schmuggeln als Tabakzigaretten, aber da der Markt auch deutlich kleiner ist, dürfte das Verhältnis von Risiko und Gewinn doch eher ungünstig ausfallen.

Viel wahrscheinlicher ist es, dass Snus Konsumenten damit anfangen Snus selbst herzustellen. Tabak wird es ja weiterhin geben, wenn auch keinen der solch niedrige TSNA Werte aufweist wie schwedischer Snus. Denkbar ist auch, dass selbstgemachter Snus überhaupt keinen Tabak enthält, sondern mit Hilfe von Nikotinlösung hergestellt oder zumindest aufgepeppt wird.

Lediglich in Finnland soll es derzeit einen Schwarzmarkt für Snus geben.

Wo ist der Schwarzmarkt?

Ich hatte ehrlich gesagt keine Ahnung, wo ich geschmuggelte Zigaretten kaufen sollte. Und wenn ich in google eine site finden würde, sie solche anbietet - ich würde es nicht glauben. Ist das Gerede um den Schwarzmarkt bloß ein Mythos, oder zumindest nichts für mich?

Fest steht allerdings, dass der Schwarzmarkt im Internet sein muss. Bei so vielen Dingen, die heute verboten sind, kann ein einziger Dealer unmöglich alles abdecken. Und ich möchte mich auch nicht in dunklen Gassen verabreden, bloß um eine Dose Snus zu kaufen. Ein Schwarzmarkt im Internet muss mit ausgefuchsten Anonymisierungs-Methoden arbeiten. Ist das technisch machbar?

Nachdem mir die EU in Aussicht gestellt hatte, demnächst wieder Zigaretten rauchen zu müssen, habe ich mich vorsorglich auf die Suche begeben. Noch gibt es ja e-Zigaretten (Snus gibt es schon nicht mehr), aber wenn es soweit ist, möchte ich vorbereitet sein.

Anonymisierung

Und siehe da: es gibt einen Schwarzmarkt auf dem Internet. An vorderster Front ist da Silk Road zu nennen. Es ist nicht ganz einfach sich dort zu registrieren. Wer glaubt es würde ausreichen in einem Browser einen URL einzutippen, liegt falsch.

Der Zugang zu Silk Road erfolgt grundsätzlich über das Tor ("The Onion Router") Netzwerk. Dieses Netzwerk macht es den Strafverfolgern sehr schwer die Identität eines Benutzers festzustellen. Das Netzwerk ist sehr langsam.Zum Runterladen von illegaler Musik oder gar Filmen ist Tor wenig geeignet.

Zusätzlich brauch man noch einen Proxy (privoxy), damit verhindert wird, dass die DNS-Anfragen nachverfolgt werden können. Bis man einen Zuganz zu Silk Road eingerichtet hat, kann man schon mal eine Stunde am fummeln sein. Es gibt auf der TOR website aber auch ein all-in-one Lösung, womit es etwas schneller geht.

Bezahlt wird mit Bitcoins. Das ist eine "verschlüsselte Währung". Ein Bitcoin ist derzeit etwa 100 EUR Wert. Zahnungen mit Bitcoins lassen sich nicht zurückverfolgen - es ist Geld, wie es früher einmal war. Interessanterweise haben Bitcoins einen schwankenden Wechselkurs zum Euro und anderen Währungen. Wer vor einem Jahr in Bitcoins investiert hatte, konnte einen satten Gewinn einstreichen.


Für Tor, privoxy und Bitcoins gibt es einschlägige Anleitungen auf dem Netz, die ich hier nicht wiederholen werde.

Silk Road

Silk Road sieht aus und fühlt sich an, wie eine hundsgewöhnliche online-Plattform, wie Amazon, oder eBay. Sogar ein Bewertungssystem gibt es.

Das Angebot bei Silk Road ist noch nicht auf uns ex-Raucher zugeschnitten. E-Liquids gibt es dort natürlich nicht, denn dieses sind ja noch legal. Snus wird dort noch nicht angeboten. Es gibt aber ein Forum, in dem "Produktanfragen" gestellt werden können. Dort findet man bereits einige Anfragen.



Zigaretten gibt es dagegen in rauen Mengen. Ein Stange kostet etwa 0.2B also rund 20 EUR.


Aber es gibt nicht nur Zigaretten bei Silk Road, sondern noch jede Menge andere Drogen. Es überkommt einen ein merkwürdiges Gefühl, wenn man Nikotinprodukte gleich neben Kokain und Heroin angeboten sieht.








Atlantis

Silk Road hat inzwischen Konkurrenz von einer Seite namens Atlantis bekommen. Skeptiker argwöhnen, dass es sich dabei um einen honeypot handeln könnte, mit dem Anbieter und Konsumenten angelockt werden sollen. Die Anonymisierung gilt jedenfalls bei Atlantis als weniger konsequent umgesetzt.

Grundsätzlich ist es jedoch erfreulich, wenn es auch auf dem Schwarzmarkt Konkurrenz gibt, denn sonst könnte man kaum von einem Markt sprechen.

The Deep Net

Unter der Oberfläche des Internets schlummert ein weiteres Netz, das nicht in Google auffindbar ist, und das nicht über normale URLs zu erreichen ist. Dieses Netz wird auch als the deep net oder the dark net bezeichnet. Dort gibt es nicht nur Nikotin, sondern auch Kinderpornographie und Auftragsmorde.

Die zugrundeliegende TOR-Technologie wurde ursprünglich entwickelt um bösen Regierungen die Möglichkeit zu nehmen ihre Bürger von Informationen abzuschotten. Dank der Prohibitionisten wird das deep net nun auch in demokratischen Ländern gebraucht.

Moral

Durch die fortschreitende Prohibition können sich Drogendealer mehr und mehr als die "Guten" präsentieren. Die Betreiber von Silk Road und Atlantis verstehen sich als Freiheitskämpfer bzw. Libertarians. Vor 30 Jahren hätte sich wohl kaum ein Heroin-Dealer so bezeichnet. Inzwischen klebt an den Händen der Prohibitionisten aber so viel Blut, dass Drogendealer dem Einen oder Anderen als das geringere Übel erscheinen mögen.

Der Markt ist stark am wachsen und die Prohibitionisten sorgen ständig für neue Kunden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Entwicklung noch zu stoppen ist, zumindest nicht mit Methoden der Strafverfolgung.

Man sollte sich übrigerns wirklich gut mit Anonymisierungs-Techniken auskennen, bevor man sich mit dem Internet-Schwarzmarkt einlässt.







Freitag, 4. Januar 2013

Hauptamtliche Tabakkontrolleure

Bei meinem gescheiterten Versuch herauszufinden, wie sich die Nichtraucher-Initiative Deutschland e.V. finanziert, bin ich auf ein 2005 geschriebenes Dokument ihres Vorsitzenden Dimplom Handelslehrer Ernst-Günther Kause gestoßen, das ich hier auszugsweise und ohne weitere Kommentare zitiere.


Synergieeffekte hauptamtlicher und ehrenamtlicher Tätigkeit bei der Tabakkontrolle

 Zwei Jahrzehnte lang, in den siebziger und achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts, waren fast ausschließlich nur Ehrenamtliche in mehr als 20 lokal-regionalen Vereinen damit beschäftigt, Maßnahmen zur Minderung des Tabakkonsums und zur Förderung des Nichtraucherschutzes in Angriff zu nehmen und durchzuführen.

Mit Beginn der neunziger Jahre machten auch die großen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) im Gesundheitswesen die rauchfreie Welt und zu einem ihrer Anliegen.

Organisationen wie das Deutsche Krebsforschungszentrum, die Deutsche Krebshilfe, die Deutsche Krebsgesellschaft, die Deutsche Herzstiftung, die Bundesärztekammer, die Bundesvereinigung für Gesundheit, die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen, die Deutsche Lungenstiftung und der Ärztliche Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit.

Sie vereinigten sich – in Form der passiven Mitgliedschaft unterstützt auch von den Ehrenamtlichen – zur Koalition gegen das Rauchen, später Aktionsbündnis Nichtrauchen, und bildeten das Steuerungsgremium. Damit traten erstmals Hauptamtliche in größerer Zahl auf.
Hauptamtlich Tätige ... 
  1. sind an Vorstandsentscheidungen gebunden;
  2. sind finanziell vom Träger abhängig;
  3. haben einen engen Handlungsspielraum;
  4. müssen Stellungnahmen stärker abwägen
  5. sind nur teilweise für Tabakkontrolle tätig;
  6. können voll und gegen Bezahlung tätig sein;
  7. sind häufig tagsüber erreichbar;
  8. haben Zeit und größeren Etat für Reisen zu Tagungen;
  9. haben größeren Aufwand für Tätigkeitsbericht;
  10. haben auch Raucher in den eigenen Reihen. 
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Sonntag, 28. Oktober 2012

Spekulationen über John Dalli

Der EU Gesundheitskommissar John Dalli musste wegen Korruptionsvorwürfen seinen Hut nehmen. Alle Welt rätselt was hier wirklich passiert sein könnte. Hier ist meine Theorie dazu.

Was ist passiert?

Silvio Zammit, ein maltesischer Geschäftsmann ist an den Snus-Hersteller Swedisch Match herangetreten und hat angeboten für einen 2stelligen Millionenbetrag John Dalli dazu zu bringen den Verkauf von Snus in der EU zu erlauben. Derzeit verbietet die EU Tabakrichtlinie den Verkauf von Snus in der EU (ausgenommen Schweden). Die Tabakrichtline wird gerade überabeitet.

Swedish Match schaltete darauf die Anti-Korruptionsbehöre "Olaf" ein, die zu dem Schluss kam, dass Dalli von diesen Vorgängen gewusst hatte, aber nichts dagegen unternommen hatte. Geld sei keines geflossen. Barroso drängte daraufhin Dalli seinen Stuhl zu räumen.

Zwei Tage später wurde in die Brüsseler Büros von drei anti-Tabak-Organisationen eingebrochen.

Ernstgemeinte Bestechung

Es spricht einiges dagegen, dass sich Dalli tatsächlich bestechen lassen wollte. Die überarbeitete Tabakrichtlinie ist praktisch fertig und ihr Inhalt ist längst durchgesickert. Wenn sich Dalli bestechen lassen wollte, hätte er das viel früher einfädeln müssen.

Wollte Swedish Match Dalli bestechen? Das ist ebenfalls nicht sehr plausiblel, denn hier gelten die gleichen Einwände wie oben: für einen ernst gemeinten Bestechungsversuch war es einfach zu spät.

Vorgetäuschte Bestechung

Wenn es sich nicht um tatsächliche Bestechung drehen kann, dann muss das Ganze eine Show gewesen sein. Entweder hat Swedish Match Dalli hereingelegt oder Dalli wollte Swedish Match reinlegen, und der Schuss ging nach hinten los. Es spricht einiges dafür, dass Letzteres der Fall ist.

Hätte Swedish Match Dalli hereinlegen wollen, indem sie mit Zammit über Bestechungsgelder verhandelt, um diesen Vorgang später öffentlich zu machen, dann hätte Dalli der Veröffentlichung nur zuvorkommen müssen. Das hat er aber nicht getan. Das legt nahe, dass was auch immer hier lief den Segen von Dalli hatte.

Wäre es aber umgekeht gewesen, und Dalli wollte Swedish Match zu einem Bestechungsversuch verführen, dann ist es nicht verwunderlich, dass er nicht an die Öffentlichkeit gegangen ist, solange er nicht genügend Beweise beisammen hatte. Andererseit bestand dann die Gefahr, dass Swedish Match der Veröffentlichung zuvorkommt.

Diese Gefahr könnte Dalli unterschätzt haben. Das Mantra, dass der Tabakindustrie nicht zu trauen ist, dass sie für Geld alles tut und vor Korruption nicht zurückschreckt, wird von der Tabakkontrolle so inbrünstig rezitiert, dass es einige ihrer Akteure möglicherweise inzwischen selbst glauben.

Bitte nicht sachlich werden

Hätte der Coup geklappt, dann wäre die überarbeitete Tabakrichtlinie gegen Kritik ziemlich unempfindlich geworden. Einer sachlichen Diskussion würde die Tabakrichtlinie nämlich nicht stand halten. Die Tabakkontrolleure müssen daher darauf hinwirken, sachliche Diskussionen unter allen Umständen zu vermeiden. Da würde es gut passen, wenn man Swedish Match als eine Firma hinstellen kann, die auch vor Bestechung nicht zurückschreckt. Bei diesem Szenario scheint der Zeitpunkt - kurz von der Veröffentlichung der Tabakrichlinie - gut gewählt.

Nun ging dieser Schuss bekanntlich nach hinten los, Swedish Match petzte und Dalli musste gehen. Wenn auch viele Medien, wie die TAZ und die Süddeutsche ihre Feindbilder von vor 20 Jahren noch nicht aktualisiert haben und reflexartig auf die Tabaklobby schimpfen, war die Opferrolle der Tabakkontrolleure nun doch etwas angekratzt.

Jetzt bricht jemand in die Büros von drei anti-Tabak-Organisationen ein. Sollte da die Tabakindustrie dahinterstecken? Sollte sie nicht Besseres zu tun haben, als der Weltöffentlichkeit zu sagen: "nicht Dalli, sondern wir sind die Bösen"? Es bestand ja nicht der Hauch einer Chance, dass die Einbrüche unentdeckt bleiben. Man hat eher den Eindruck, dass sie entdeckt werden sollten. So oder so, der Ruf der Tabakkontrolle wurde durch diese Einbrüche wieder etwas verbessert.










Samstag, 29. September 2012

Die Pharma-Industrie gegen die e-Zigarette

Prof. Michael Siegel berichtet in The Rest of the Story, dass  Pfizer 2,75 Millionen Dollar an Gruppen gespendet hat, die sich für ein Verbot der e-Zigarette einsetzen.

Es ist kein Geheimnis wem Pfizer Spenden zukommen lässt, denn die Zahlen werden von Pfizer selbst veröffentlicht. Pro Jahr gibt es ein rund 90seitiges Dokument, das die Spenden an etwa 2000 Organisationen auflistet. Aus den Berichten für 2011 und 2012 ergeben sich die 2,75 Millionen, von denen Prof. Siegel berichtet.

Dass die Pharma Industrie die Tabakkontrolle finanziell unterstützt ist seit Jahren bekannt, wie ich hier berichtete. Bereits in dem 2008er Bericht tauchten einige der in 2012 unterstützten Organisationen auf, wenn auch mit niedrigeren Beträgen.

Man kann sich leicht vorstellen, dass die Pharma Industrie über die e-Zigarette nicht erfeut ist. Sie ist eine unliebsame Konkurenz, wenn es darum geht, Rauchern Geld aus der Tasche zu ziehen.

Dass von 2000 Organisationen im heanth-business gerade mal 8 gegen die eZigarette ins Feld ziehen, könnte aber auch ein Zufallseffekt sein. Einige der seit Jahren unterstützen Organisationen selbst haben bereits ein ausreichend großes Interesse daran, die e-Zigarette vom Markt zu fegen.  Eine Organsiation wie ASH ("actions on smoking and health"- $200.000) verlöre ohne Raucher vollends ihre Existenzberechtigung. Dagegen ist für die Pharma-Industrie der Nikotinmarkt nur peanuts.

Von daher ist die suggerierte Schlussfolgerung, dass nämlich die Pharma-Industrie gezielt gegen die e-Zigarette vorgeht zwar möglicherweise wahr, aus dem Zahlenmaterial aber kaum ableitbar.

Aber es trifft ja keinen Unschuldigen. Die Methode sich aus einem Berg von Zahlen solche herauszugreifen, die den eigenen Standpunkt untermauern ("cherry picking") wird von der Tabakkontrolle seit Jahren mit Erfolg praktiziert.  Beispielsweise wird sich sicher irgendwo auf der Welt ein Ort finden lassen, wo irgendwelche Erkrankungen zurückgegangen sind, nachdem ein generelles Rauchverbot verhängt wurde. Gefunden wurde Helena, Montana.






Samstag, 22. September 2012

Details der Tabakrichtline durchgesickert

Christopher Snowdon berichtet, dass Details der zukünftigen EU Tabakrichtlinie der Presse zugespielt wurden. Hier eine Überasetzung seines (englischen) Texts.

Ein Entwurf der EU Tabakrichlinie erreichte diese Woche die deutsche Presse. Sie erinnern sich vielleicht noch an die EU-weiten Umfragen zu dieser Richtlinie, deren Ergebnisse letztes Jahr veröffentlich wurden. Sie zeigten massive Bedenken bezüglich der extremen Maßnahmen der Tabakkontrolle. Eine "große Mehrheit" spach sich dafür aus, das wissenschaftlich nicht begründete Verbot von Snus aufzuheben.
  • Eine nennenswerte Mehrheit war dagegen, die Tabakrichtlinie zu erweiteren (d.h. weitere Verbote zu verhängen)
  • Eine große Mehrheit ... sprach sich dafür aus, das Verbot von Snus aufzuheben.
  • Eine nennenswerte Mehrheit spach sich dagegen aus, Inhaltsstoffe auf EU-Ebene zu regulieren
  • Eine nennenswerte Mehrheit spach sich dagegen aus, den Zugang zu Tabakprodukten zu erschweren.
Das 125 Seiten starke Dokument lässt erkennen, dass sich die EU Komission entschlossen ist, nicht auf ihre Bürger zu hören und stattdessen  die Interessen von Lobbyisten und der Pharmazeutischen Industrie zu unterstützen. Vielleicht überrascht Sie das ja nicht. Wie man europäischen Nachrichenquellen entnehmen kann, könnte die die Richtlinie weit schlimmer ausfallen als befürchtet. Hier einige ihrer Tiefpunkte:
  • Totales Verbot von jeglichen rauchloses Tabak in der gesamten EU (außer Schweden)
  • Totales Verbot von E-Zigaretten
  • Verbot von Menthol und anderen Aromastoffen
  • Standardisierte Dicke, Länge und Farbe von Zigaretten
  • Verbot mehr als eine Sorte jeder Marke auszustellen
  • Grafische Warnungen, die 75% der Oberfläche bedecken
Das Verbot von rauchlosem Tabak wird auch Schnupftabak und alle Arten von Kautabak betreffen. Gewissen ethnischen Minderheiten, die "asiatische" Produkte verwenden, wird das nicht gefallen. Es bedeutet auch, dass der lose Snus in Dänemark verboten wird, der bis jetzt als "traditionelles Tabakprodukt" noch erlaubt war.

Die schwedische Erfahrung
Das Snus-Verbot wird nicht aufgehoben, und es gibt für die EU-Bürger keine Chance mehr die "Schwedische Erfahrung" zu machen, wo Raucher massenhaft eine Alternative gefunden haben, die 99% sicherer ist. The Local schreibt dazu:

In Schweden rauchen nur 11% der erwachsenen Bevölkerung, im Gegensatz zum EU-Durchschnitt, wo es 28% sind.

Jede Regierung, die sich ernsthaft um die die Volksgesundheit sorgt, würde Snus sofort legalisieren. Anderseits würde eine Regierung, die tatsächlich daran glaubt, das Snus eine ernsthafte Gefahr darstellt, die Ausnhameregelung für Schweden streichen. Hier geht es ganz offensichtlich nicht um Gesundheit. Es geht um Geld und Politik.

Die Pharmaindustrie - und in diesem Fall auch die Tabakindustrie - werden sich freuen, dass die E-Zigarette in die Schusslinie geraten ist. Der Entwurf sieht vor, dass nur noch solche nikotinhaltigen Produkte auf dem Markt zugelassen sind, die als medizinische Produkte zugelassen sind. Für e-Zigaretten kommt dies einem Verbot gleich. Hunderttausende von EU-Bürgern, die mit Hilfe dieser Dampfgeräte das Rauchen aufgegeben haben werden auf die Tabakzigarette zurückgworfen. Tolle Arbeit.

Viele der anderen Empfehlungen sind recht trivial. Sie dienen lediglich dazu der Tabakindustrie lästig zu sein. Das Verbot, mehr als eine Sorte jeder Marke auszustellen ist mir neu. Ich kann mir nicht vorstellen, wer sich das ausgedacht haben mag und was die wohl dabei geraucht haben. Das Verbot Mentholhaltiger Zigaretten ist wissenschaftlich nicht begründet. Es ist nur auf der Agenda, weil es der Verbotsindustrie in den Fingern juckt, noch etwas zu verbieten, und es einfacher ist, Produkte zu verbieten, die keinen großen Martkanteil haben, wie Mentholzigaretten und rauchloser Tabak, als Zigaretten insgesamt zu verbieten.

Die Regelung, 75% einer Schachtel mit Warnhinweisen zu bedecken entspringt den gleichen Betonköpfen. Vermutlich zielt das auf Leute, die noch nicht davon gehört haben, dass Rauchen ungesund ist. Der nächste Schritt wäre dann die Einheitsverpackung ("plain packaging"). Die Welt berichtet hierzu:

Rechnet man die Steuerbanderole noch mit als auch in der Größe vorgeschriebenes Element, bleiben den Herstellern noch etwa zehn Prozent der Packung zur freien Gestaltung.

Die Richlinie kann in der Zukunft noch weiter verschärft werden, denn die Europäische Komission ist bereit den "nächsten logischen Schritt" zu nehmen:

Die Kommission sieht die Beschränkungen als Vorstufe: Fünf Jahre nach Inkrafttreten der nun geplanten Richtlinie will sie weitere Vorschläge "in Richtung eines vollen Plain Packaging" vorlegen, also ein Verbot jeglicher Logos, Bilder, Schriftzüge und -arten.

Das sind die Nachrichten, wie ich sie verstehe (sie stammen hauptsächlich aus ausländischen Quellem, da die britischen Medien kein Interesse zeigten). Gesundheit und Freiheit werden wieder einmal speziellen Interessen geopfert. Aber das ist die Europäische Komission: inkompetent und bis ins Mark verdorben.

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Sonntag, 12. August 2012

Kartoffelbrei aus der Apotheke

Die Tabakkontrolle, die Pharma-Industrie und die Finanzminister haben ein Interesse daran, dass weiter Zigretten geraucht werden und bekämpfen daher gemeinsam Konkurenzprodukte wie Snus und die e-Zigarette. Es gibt aber noch einen vierten Akteur: Regulierungsbehörden wittern einen neuen Markt.

In vielen Ländern wurde versucht e-Zigaretten als Medikament zu behandeln. Die Logik dahinter dürfte Folgende sein: wenn die Hersteller mitspielen und einen Zulassungsprozess durchlaufen, haben sich die Regulierungsbehörden einen neuen Markt und eine neue Einnahmequelle geschaffen. Das dürfte der erwünschte Effekt sein.

Spielen die Hersteller aber nicht mit und schließen ihren Laden oder beliefern nur noch den Schwarzmarkt, werden e-Zigaretten schwerer zu beschaffen sein. Die Regulierungsbehörden selbst bekommen dann zwar nichts mehr vom Kuchen ab, aber der Trend weg von der Tabakzigarette wird immerhin verlangsamt, was der Tabakkontrolle, der Pharma-Industrie und den Finanzministern nützt - alles Geschäftspartner der Regulierer.

Zwei Stoßrichtungen
 
Es gibt im wesentlich zwei Stoßrichtungen: e-Zigaretten werden als Tabakprodukt reguliert (obwohl sie keinen Tabak enthalten), oder sie werden als Merdimament reguliert (obwohl sie nicht vorgeben eine Krankheit zu heilen).

2010 diskutierte die Britische Regulierungsbehörde MHRA, wie e-Zigaretten reguliert werden sollten. Es wurden drei Optionen diskutiert:
  • e-Zigaretten werden sofort vom Markt genommen
  • e-Zigaretten werden als Medikament reguliert, und den Herstellern wird eine Übergangaszeit gewährt.
  • Für die nächsten 18 Monate bleibt alles so wie es ist.
Die vorgelegten Dokumente sind hier einsehbar. Interessant ist die Einteilung der Anworten von Bürgern und Fachleuten: die Meinung der überwältigenden Mehrheit war: "haltet euch da raus" ("take no action"). Gerade mal eine Antwort spach sich dafür aus, e-Zigaretten vom Markt zu nehmen.

Schließlich wurde entschieden für die nächsten 18 Monate gar nicht zu tun. Das gibt der MHRA Zeit sich ihren nächsten Zug zu überlegen.

Pharma-Nikotin genießt Narrenfreiheit

Dabei kam ein interessantes Detail ans Licht: für das Nikotin, das Nikotinpflaster und -Kaugummis dem Körper zuführen gibt es keine unteren oder oberen Grenzwerte. Solche Präparate sind zwar als Medikamente zugelassen, aber es wird weder verlangt, dass sie überhaupt Nikotin abgeben, noch dass die Dosis einen bestimmten Maximalwert nicht übersteigt. Was sie als Medikamente qualifiziert ist nicht das Nikotin, sondern die Tatsache dass sie als Therapie gegen Nikotinsucht angeboten werden, und dass die Hersteller bereit waren einen Zulassungsprozess zu durchlaufen.

Die Politiker spielen mit

In Deutschland arbeiten Politiker wie Barbara Steffens daran, den Regulierungsbehören diesen neuen Markt zu erschließen. In Holland hat Edith Schippers ähnliches versucht. Deren Motivation ist mir nicht klar, denn einen unmittelbaren Nutzen können Politiker aus einem Verbot oder einer Regulierung von e-Zigaretten nicht ziehen.

Als Frau von der Leyen seinerzeit DNS-Sperren als Mittel gegen Kinderpornographie durchsetzte, stellte sich die gleiche Frage: was hat sie denn davon? Schließlich gibt es bessere Mittel gegen Kinderpornographie (Webseiten schließen), die sich obendrein nicht so leicht als Zensurinstrument missbrauchen lassen.  Dass die Ministerin  gerne ein emotional aufwühlendes Thema besetzen wollte sei ihr ja gegönnt. Das erklärt aber nicht warum sie sich ausgerechnet für ein wirkungsloses Mittel entschieden hat. Bleiben eigentlich nur zwei Erklärungen: entweder hat sie die Sache nicht durchschaut, oder die Möglichkeit zur Zensur war ein erwünschter Effekt.

Bei den Politikern, die sich heute gegen die e-Zigarette einsetzen bieten sich die gleichen Erklärungen an: entweder kennen sie sich nicht aus, oder sie sind aktive Teilnehmer dieses Drogenkriegs. Einzig die Piraten sind mir als eine Partei aufgefallen, die sich um eine sachliche Diskussion bemüht.

Der Markt für Regulierungen

Nun kann es nicht sein, dass sich eine Regulierungsbehörde einfach selbst einen neuen Markt schafft indem sie sagt: "das regulieren jetzt wir". Das wäre eine Lizenz zum Gelddrucken. Es muss eine Gegenkraft geben, die verhindert, dass Regulierer ihren Einflussbereich über alle Grenzen ausdehnen.

Eine solche Gegenkraft sind die Gerichte, die immerhin Barbara Steffens und Edith Schippers vorerst zurückgepfiffen haben. Für eine Regulierungsbehörde ist es einfach zu sagen: "Wir regulieren jetzt Kartoffelbrei, denn Kartoffeln enthalten Nikotin", dem entgegenzutreten bedarf aber eines finanzkräftigen Klägers. Es dürfte schwer werden die Regulierungsbehörden durch Klagen im Zaum zu halten, denn ein verlorener Prozess schmerzt sie nicht wirklich.

Auch unter den Regulierungsbehörden gibt es Konkurrenz, denn es gibt eine ganze Menge davon. Möglicherweise können die Produzenten darauf hinwirken, dass die "beste" Behörde den Zuschlag bekommt. Es ist in etwa so, wie wenn zwei konkurierende Mafia-Banden beide Schutzgelder im gleichen Bezirk erpressen. Langfristig wird nur eine Bande überleben, und mit etwas Glück ist es die billigere.

Warum sind die Medien gleichgeschaltet?

Es ist nicht damit zu rechnen, dass die Massenmedien hier eine ausgleichende oder gar aufklärende Rolle einnehmen. Die Medien erscheinen merkwürdig gleichgeschaltet. Das mag daran liegen, dass sie es gewohnt sind schlechte Nachrichten zu verbreiten, und die e-Zigarette daher lieber als Gefahr denn als Wohltat hinstellen. Einzig die "Zeit" fällt diesbezüglich hin und wieder durch eine seröse Berichterstattung auf.

In der Dampfeszene wird immer wieder versucht den Regulieren mit Argumenten entgegenzutreten. Das hat einen gewissen Effekt, vor allem wenn diese Argument später vor Gericht Verwendung finden. Dennoch ist dies ein eher schwaches Mittel. Man kann einem Schutzgelderpresser ja auch nicht mit Argumenten kommen, der weiß schließlich selbst, dass er eigentlich nichts schützt und im Grunde völlig überflüssig ist.

Die Dampferszene wird nur dann Erfolg haben, wenn es gelingt die Gegenkräfte zu identifizieren und zu mobilisieren. Da die Medien nicht in Fage kommen und die Gerichtsverfahren teuer und riskant sind, wird das nicht einfach.

Durch und durch scheinheilig

Die Dampfer haben vier mächtige Interessensgruppen gegen sich, und wenn man die klassische Tabakindunstrie dazunimmt, die ja auch einen kleinen Teil des Kuchens abbekommt, dann sind es sogar fünf.

Aber die Zahl der Dampfer steigt schnell. Es wird immer schwieriger ein Vebot oder eine Regulierung durchzusetzen, ohne dass dabei die Scheinheiligkeit dieses Unternehmens auffliegt.

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Montag, 25. Juni 2012

Grüne bekämpfen die e-Zigarette

Wer (wie ich) mal gerne eine e-Zigarette ausprobieren möchte, sollte sich damit beeilen. Wer sich das Rauchen mit Snus abgewöhnen möchte ebenfalls.

Dass die e-Zigarette in Bayern und in NRW verboten ist, konnte ich noch verschmerzen. Ich wohne woanders, und wenn lediglich zwei Bundesländer unsinnige Gesetze erlassen ist das immer noch kein schlechter Schnitt. Aber nachdem ich all diese merkwürdigen Veröffentlichungen des DKFZ und des Bundesinstituts für Risikobewertung gelesen hatte, war mir klar: hier braut sich etwas zusammen.

Es ist auch nur konsequent: warum sollte man Snus verbieten, wenn die Raucher ohnehin massenweise auf e-Zigaretten umsteigen. Die Kampagnen gegen Snus und e-Zigaretten sind sich ziemlich ähnlich. Ihnen ist gemeinsam, dass mir die vorgebrachten Agumente einfach nicht in den Kopf wollen, und ich das Gefühl nicht loswerde: da will mich jemand für dumm verkaufen.

Schaut man sich in einschlägigen Foren um, so findet man dort immer wieder die Ansicht, es sei die Tabakindustrie, die das Verbot von Snus und e-Zigarretten vorantreibt. So tief verwurzelt ist der Glaube, dass die Industrie im Allgemeinen und die Tabakindustrie im Speziellen für Geld einfach alles tut, ohne Rücksicht auf die Gesundheit der Bürger.

Nein, diesmal ist es nicht die Tabakindustrie, es sind Bundesbehörden oder andere Interessengruppen, die vorgeben sich um die Gesundheit der Bürger zu sorgen.

Im Februar war es dann soweit: die Nikotinhaltingen Liquids sind als Medikamente einzustufen und dürfen nur in Apotheken verkauft werden.  Der Konsum von e-Zigarretten bleibt weiterhin erlaubt, allerdings nicht an allen öffentlichen Orten, denn diese gebiete der Nichtraucherschutz, auch wenn Rauch hier eigentlich nicht im Spiel ist.

NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) sah sich in ihrem strikten Kurs gegen die E-Zigarette bestärkt: "Unsere Linie ist damit ein weiteres Mal klar bestätigt worden", sagte ein Sprecher am Mittwoch.

Aber ganz so einfach war es denn doch nicht. Ein Hersteller nikotinhaltiger Liquids klagte und bekam vorm OVG Recht. Nikotinhaltige Liquids sind also doch keine Medikamente, egal was Barbara Steffens sagt. Hier kann man das Urteil im Original nachlesen.

Die Sachlage ist aber paradox. Wäre die e-Zigarette ein Mittel zur Raucherentwöhnung, könnte man die Liquids als Medikament einstufen und sie würden vom Markt verschwinden. Die Dampfer tun also gut daran, nicht öffentlich zu verkünden, dass sie mit Hilfe der e-Zigarette vom Nikotin loskommen wollen.

NRW ist schon einmal unangenehm aufgefallen, als besagte Barbara Steffens sich daransetzte in NRW ein generelles Rauchverbot im bayrischen Stil duchzusetzen. Dazu kam es erstmal nicht, denn der Landtag wurde aufgelöst und am 13.Mai waren Neuwahlen. Erfreulich ist, dass die Piraten erstmals in den Landtag einzogen, wenn auch mit weniger Sitzen als die Grünen. Die Günen mussten nur geringe Verluste hinnehmen und Barbara Steffens ist wieder Gesunheitsministerin (Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter).

Ähnliche Entwicklungen gibt es in den USA. Dort hatte man ebenfalls versucht die Liquids zum Medikament umzudefinieren, scheiterte aber damit. Nun will die FDA die Liquids als Tabakprodukte regulieren. Der Normalbüger staunt, denn die Liquids sind doch offensichtlich weder Medikamente noch Tabakprodukte. Die Schweden sind hier vernünftiger: Snus wird dort wie ein Lebensmittel behandelt und muss entsprechende Standards einhalten. Dagegen ist nichts einzuwenden.

Derweil kam es in Schweden zu einem Prozess, in dem ein Internetanbieter von Snus angeklagt wurde, weil er Snus in die EU verkauft hatte. Er wurde zwar freigesprochen, weil die Gesetzeslage nicht 100%ig klar war, aber nach diesem Urteil ist die Gesetzelsage klar. Snus aus Schweden wird knapp. Bei den wenigen Snusern, die es in Deutschland gibt, wird dies aber kaum zu einem Aufschrei der Bevölkerung führen. Bei der e-Zigarette könnte das aber anders ausgehen.

Wer bei den nächsten Wahlen verspricht, mit diesem Unfug aufzuhören, hat die ersten paar Millionen Stimmen sicher.




Sonntag, 24. Juni 2012

Das DKFZ, Snus und die E-Zigarette

Wer die Studie des Deutschen Krebsforschungzentrums in Heidelberg gelesen hat, in der suggeriert wurde, es gäbe in Deutschland jährlich 3300 Todesfälle durch Passivrauchen, fragte sich: was hat das denn noch mit Forschung zu tun? Die Äußerungen des DKFZ zu den Themen Snus und e-Zigratette sind ähnlich schwer verdaulich.

Das Snus-Verbot in der EU war einer der Gründe, warum ich mit diesem Blog überhaupt angefangen habe. Dieses Verbot ist so abstrus, dass ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, dass es hier um den Schutz der Volksgesundheit geht. Es muss um etwas anderes gehen, aber was?

Bis heute habe ich darauf keine klare Antwort. Ich konnte nur einige sich wiederholende Muster erkennen:
  • Die WHO ist oft im Spiel
  • Die Phama-Industrie ist oft im Spiel 
  • Die Forderung nach Verboten und Regulierungen wird oft mit extrem geringen oder völlig unbekannten Risiken begründet. Dagegen werden Verbote selbst als absolut risikofrei dargestellt.
  • Gegen Zigraretten als nikotinhaltige Droge wird zwar gewettert, aber es wird darauf geachtet, dass Raucher weiter rauchen können,
  • Für alle anderen nikotinhaltigen Drogen gilt: nur wenn sie von der Pharma-Industrie kommen enthalten sie gutes Nikotin, sonst  enhalten sie schlechtes Nikotin.
  • Im Netz sind die meisten Meinungsäußerungen gegen das schlechte Nikotin, entweder in einer einheitlichen Spache verfasst, als kämen sie von einer einzigen Pressestelle, oder sie sind in unglaublich schlechtem Deutsch geschrieben und wimmeln von Beleidigungen und hasserfüllten Äußerungen (die Nikotinsüchtigen kozen mich total an, ich haße die)
Was Frau Pötschke-Langer zum Thema e-Zigarette zu sagen hat, überrascht denn auch nicht: In einer Veröffentlichung des DKFZ findet man u.a. Folgendes (Hervorhebungen von mir):
  • [es ist] nichts darüber bekannt, ob und wie sich die Inhalation der von den elektrischeZigaretten erzeugten Dämpfe langfristig auf die Gesundheit auswirkt.
  • Elektrische Zigaretten sind möglicherweise ein Einstiegsprodukt in den Tabakkonsum.
  • [es gibt] Medikamente, für die eine Wirksamkeit in der Tabakentwöhnung wissenschaftlich nachgewiesen ist
  • Die Nutzung elektrischer Zigaretten in Rauchverbotszone kann nicht unterstützt werden. Es ist [..]derzeit nicht möglich, abzuschätzen, inwieweit elektrische Zigaretten die Innenraumluft belasten
Und als Fazit liest man:  Aufgrund des Nikotingehalts ist eine Regulierung der elektrischen Zigarette als Arzneimittel angezeigt. Ein Verbot als Nachahmerprodukt von Tabakprodukten auf der Basis einer entsprechenden Gesetzesgrundlage wird empfohlen.

Wer mag, kann sich noch die entsprechende Veröffentlichung des DKFZ zum Thema Snus durchlesen. Auf der letzten Seite findet man zwei  kleine Mathematikaufgaben. Es wird gesagt (Anmerkungen und Hervorhebungen von mir):
  • Dank zunehmender Tabakkontrollmaßnahmen [Nachweis fehlt] ist in den letzten Jahren [von 2006 bis 2009] in vielen Ländern, in denen der Verkauf rauchloser Tabakprodukte verboten ist, die Raucherprävalenz gesunken. So sank der Raucheranteil beispielsweise in Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden, Italien und Finnland im Zeitraum von 2006 bis 2009 jeweils um fünf Prozentpunkte. In Schweden nahm der Raucheranteil im gleichen Zeitraum weniger deutlich ab34 (Abb. 3).
 Beantworten Sie folgende Fragen:
  • welcher Effekt ist stärker: ein Rückgang der Raucherquote von 32% auf 29% (EU-Durchschnitt, wo Snus verboten ist) oder ein Rückgang von 18% auf 16% (Schweden, wo Snus erlaubt ist)?
  • Wo wird weniger geraucht: in Schweden oder in der EU?
Wer den Effekt von Snus auf die Raucherquote statt über die willkürlich herausgegriffenen Jahre 2006-2009 lieber über einen größeren Zeitraum sehen möchte, dem sei die Sudie von Foulds, Ramstrom, Burke und Falderstöm ans Herz gelegt. Dort findet man folgende Grafik:

Ich kann den Argumenten, die in diesen beiden Veröffentlichungen vorgetragen so wenig folgen, dass sie mir schon fast wie gezielte Desinformation erscheinen. Und das DKFZ ist mit der WHO verbandelt. Macht das nun das DKFZ glaubwürdiger oder die WHO unglaubwürdiger?

Die nächsten Jahe werden interessant. Die schleichende Prohibition von Zigaretten und e-Zigaretten, sowie die offene Prohibition von Snus werden uns sicher noch viele neue nikotinhaltige Drogen bescheren. Momentan gibt es einen immer stärkeren Schwarzmarkt für Zigaretten. Wann kommt der Schwarzmarkt für e-Zigaretten?

Es geht nicht um die Volksgesundheit. Aber worum geht es dann?




Donnerstag, 18. August 2011

Nikotinsucht ist eine Krankheit

Ein Gericht in der Schweiz hat festgestellt, dann man Nikotinsucht als Krankheit auffassen kann. Damit kann die Pharma-Industrie darauf hoffen sich ihr Nikotin von der Krankenkasse bezahlen zu lassen.

Kann man wirklich Nikotinsucht mit Nikotin bekämpfen? Es wird nicht so ganz einfach sein, das dem gemeinen Bürger zu erklären. Wieso sollte das Nikotin der Tabakindustrie das böse Nikotin sein und das der Pharma-Industrie das gute? Andererseits sind hier nicht allzugroße Schwierigkeiten zu erwarten. Schließlich setzt man auch Methadon gegen Herionsucht ein. Das ist besonders pikant, da ja auch Heroin ein Produkt der Pharma-Industrie ist. Sie kann quasi ihre eigenen Suchtstoffe auf den Markt bringen und später dann die entsprechende Ersatz-Therapie. Das schaffen sonst nur Waffenhändler.

Die Pharma-Industrie dürfte jedenfalls frolocken. Aber wie stets mit der Verbotsindustrie? Die dürften eher alarmiert sein, denn bisher waren sie peinlich darauf bedacht Nikotinsucht nicht als Krankheit durchgehen zu lassen, denn Kranke haben hierzulanden Rechte. Für die Verbotsindustrie ist es aber von entscheidender Bedeutung Raucher lediglich als dumme Jungen hinzustellen, die aus freier Willensentscheidung den Weg in den Tabakrausch gewählt haben, und die man durch allerlei Gängelungen auf den Pfad der Tugend zurückführen muss.

Von all den Drogen, die man vor hundert Jahren noch völlig problemlos kaufen konnte, sind heute nur noch Alkohol. Koffein, Zucker und eben Nikotin frei erhältlich. Alle anderen Drogen gibt es nur noch auf Rezept und alleiniger Lieferant ist die Pharma-Industrie.

Donnerstag, 2. Juni 2011

So gefährlich wie Rauchen

Dass Rauchen der Gesundheit schadet ist derzeit dermaßen unumstritten, dass andere Laster gerne mit dem Argument verteufelt werden, sie seien "so gefährlich wie Rauchen", oder sogar noch gefährlicher.

Snus: Der rauchfreie Lutschtabak aus Schweden wird von manchen als 90-98% weniger gefährlich als Zigaretten eingestuft. Andere Veröffentlichungen behaupten er wäre genauso gefährlich wie Rauchen.  Snus der in Amerika verkauft wird muss einen Aufkleber mit der Warnung "dieses Produkt ist keine sichere Alternative zum Rauchen" tragen.

Passivrauchen: man muss nicht lange suchen, um Veröffentlichungen zu finden, die behaupten Passivrauchen sei so gefährlich wie Rauchen oder sogar noch gefährlicher. Befragt man seine Bekannten, so wird man ebenfalls ohne Mühe Leute finden, die an diese These glauben.

Einsamkeit: Professor John Cacioppo von der University of Chicago hat herausgefunden, dass Einsamkeit genauso gefährlich ist wie Rauchen. Andere Untersuchungen scheinen dies zu bestätigen. Ähnliches hat man über Depressionen herausgefunden.

Alkohol: in diesem BBC Artikel wird im Titel (und nur dort) behauptet, Alkohol würde fast ebensoviele Gebrechen verursachen wie Rauchen.

Sonnenbänke: "Ich hoffe, es wir die Zeit kommen, in der bewiesen ist, dass Sonnebnräune genauso gefährlich ist wie Rauchen", schreibt eine Kommentator. Auch hier wird im Titel (und wieder nur dort) behauptet: "Sonnenbänke sind so gefährlich wie Rauchen".

Übergewicht: Übergwichtige über 40 sterben im Schnitt mindestens drei Jahre früher als "gesunde" Erwachsene. Das ist das selbe Risiko wie bei Rauchen. Das wollen holländische Forscher herausgefunden haben.

Videospiele: Die Universität von Michigan will herausgefunden haben, dass brutale Videospiele fast so gefährlich wie Rauchen sind.

Oralsex: Die Universität von Wisconsin will herausgefunden haben, dass Oralsex gefährlicher ist als Rauchen, schreibt HealthMad.

Mobiltelefone: werden im Independent als "gefährlicher als Rauchen" bezeichnet.

Homosexualität: Sex unter gleichgeschlechtlichen reduziert die Lebenserwartung um 24 Jahren, weit mehr als Rauchen, wollen Forscher der Eastern Psychological Association herausgefunden haben.

Zucker: Zucker sei eine Droge, die gefährlicher ist als Rauchen und eine hoher Cholesterinspiegel zusammen, schreibt die Irishtimes.


Montag, 2. Mai 2011

Passivrauchen senkt Blutdruck

Eine Studie der University of Wisconsin fand heraus, dass Passivrauchen bei Kindern blutdrucksenkend wirkt.

In einer Studie berichten die Forscher, dass der Blutdruck bei Jungen, die Passivrauch ausgesetzt waren um 1,6 mmHg erhöht war, bei Mädchen aber um 1,8 mmHg erniedrigt war. Insgesamt ergibt sich somit ein leichter blutdrucksenkender Effekt. In diesem Video stellt Jill Baumgartner, eine der Autoren ihre Ergebnisse vor.

Allerdings ist der Effekt so gering, dass man von einer gesundheitsfördernden Wirkung des Passivrauchens nun wirklich nicht reden kann. Ferner fällt auf, dass der Effekt kaum mit der Dosis korreliert ist. Es wäre zu erwarten gewesen, dass bei Kindern, die besonders stark Passivrauch ausgesetzt sind, sich dieser Effekt verstärkt. Im Grunde hat diese Studie überhaupt nichts herausgefunden.

Um so überraschender ist die Schlussfolgerung am Ende, dass es nämlich erstrebenswert ist, dafür zu sorgen, dass Kinder in einer rauchfreien Umgebung aufachsen. Mag ja sein, aber aus dieser Studie folgt das nicht.

In den Schlagzeilen wurde des blutducksenkende Effekt zu einem blutdrucksteigernden umgemünzt. Der Independent titelt: Passivrauchen - Blutdruckrisiko. Der Guradian und die Daily Mail schreiben: Studie enthüllt: Passivrauchen erhöht Blutdruck bei Jungen.



Sonntag, 1. Mai 2011

Anti-Tabak Organisationen sollen unabhängiger von der Pharma Industrie werden

Dass anti-Tabak Organisationen Geld von der Pharma-Industrie erhalten ist einigen längst bekannt. Dass nun die World Health Organisation (WHO) dieses Problem offen anspricht ist erfreulich.

Die WHO ermahnte Mitarbeiter von anti-Tabak Organisationen, keine allzu engen Beziehungen mit Pharma Firmen einzugehen, die Produkte zur Raucherentwöhnung anbieten, berichtet das British Medical Journal.

Die Warnung wurde letzten Monat anlässlich eines Treffens in Madrid ausgesprochen. Das Treffen war vom National Committee to Prevent Smoking ausgerichtet worden und von Pfizer, GlaxoSmithKline, and McNeil gesponsert worden. Alle diese Firmen stellen Produkte zur Raucherentwöhnung her.

Armando Peruga,  Manager der  Tobacco Free Initiative der WHO, riet den Medizinern "unabhängig zu bleiben und sich nur von wissenschaftlichen Fakten leiten zu lassen".

Richtig so! Die anti-Tabak Bewegungen können wirklich einen zusätzlichen Schuss Seriosität vertragen. Sonst  glaubt ihnen bald niemand mehr - auch nicht in den Punkten wo sie Recht haben.



Samstag, 16. April 2011

Der Nikotinkrieg - Teil 1: Statistiken

In kaum einer Diskussion wird so viel mit Statistiken argumentiert wie bei der Diskussion über die Tabakkontrolle. Diese Statistiken ebnen den Weg für neue Gesetze, die vorgeben sich auf gesicherte Fakten zu stützen. Aber die Faktenlage ist verworrener als einem lieb sein kann. Manch einfache Frage ist überraschend schwer zu beantworten.


Wieviele rauchen eigentlich?
Versucht man einmal herauszubekommen, wie erfolgreich die verschiedenen Länder der EU das Tabakrauchen bekämpft haben, stößt man auf widersprüchliche Informationen.

Laut Wikipedia rauchen in Deutschland 26% der Erwachsenen, in Schweden sind es 29% und der EU Durchschnitt liegt bei 32%. In der  Diskussion zur Wikipedia Seite wird denn auch beklagt: Die Statistiken zur Verbreitung des Tabakkonsums in Deutschland sind teilweise sehr veraltet.

Laut einer Eurostat Statistik (veröffentlicht 2011) rauchen in Deutschland ebenfalls 26% der Deutschen, aber in Schweden rauchen nur 15,5% der Erwachsenen. Aber auch hier steht im Kleingedruckten:  Die HIS-Daten wurden je nach Land in verschiedenen Jahren erhoben, im Zeitraum von 1996 bis 2003. Laut einer Statistik von EurActiv rauchten 2005 25% der Deutschen und 18% der Schweden.

Und so geht es weiter. Auf einer website der "medical health" Organisation WrongDiagnosos steht immerhin deutlich sichtbar ACHTUNG EXTRAPOLIERTE STATISTIK. Sie basiert nicht auf Datenquellen aus einzelnen Ländern. Die Zahlen sind obendrein nicht in Prozent angegeben und lassen sich nicht ohne weiteres mit den anderen Zahlen vergleichen.

Ein irisches raucherfreundliches Blog stellt verwundert fest: Die verlässlichsten Statistiken über das Rauchen stammen von der Tabakindustrie. Die Verbreitung des Rauchens lässt sich anhand der Verkaufzahlen abschätzen. Keine Statistik berücksichtigt Importe von anderen Ländern.

Macht man also Zigaretten in einem Land teurer, werden sich die Raucher vermehrt Zigaretten aus dem Ausland besorgen. Dadurch sinken die Verkaufszahlen im Inland was leicht als ein Rückgang der Raucherquote interpretiert werden kann.

Es ist schwer in irgendeine Richtung zu argumentieren. wenn man nichtmal mehr weiß wieviele Menschen eigentlich rauchen. Der Artikel könnte hier eigentlich aufhören. Keine Zahlen, keine Argumentation.

Gehen wir aber mal davon aus, dass die Zahlen die wir finden können immer noch besser sind als gar keine Zahlen. Dann kristallisiert sich heraus, dass man in Skandinavischen Ländern weniger raucht als im Rest der EU. Schweden wird häufig als Spitzenreiter unter den Nichtraucherländern genannt (wenn auch nicht in Wikipedia). In Deutschland raucht man weniger als im EU Durchschnitt.


Und wieviele sterben daran?
Will man abschätzen, wieviele Menschen an den Folgen der Rauchens sterben, kann man nicht einfach die Totenscheine zählen auf denen als Todesursache "Rauchen" steht. Solche Totenscheine gibt es nämlich nicht. Stattdessen versucht man durch Studien das relative Risiko des Rauchens abzuschätzen und multipliziert dieses dann mit der Gesamtzahl der Raucher.

Da die Gesamtzahl der Raucher aber nur grob bekannt ist, kann man sich dabei in die eine oder die andere Richtung ordentlich verschätzen. Möglicherweise sterben sehr viel mehr an den Folgen des Rauchens als bisher angenommen, möglicherweise aber auch viel weniger.

Was man alles mit Statistiken anstellen kann zeigt folgendes Beispiel. In einer Story aus dem Philadelphia Inquirer liest man erstaunt, dass 60% der Lungenkrebsfälle auf ehemalige Raucher entfielen und nur 21% auf Leute, die niemals geraucht haben. Dann verbleiben 19% der Fälle für aktive Raucher und sie wären unter den drei Gruppen, diejenige, die am besten vor Lungenkrebs geschützt wäre.

Eine Vielzahl von Statistiken findet man auf NationalMaster.comHier rauchen 24,3% der Deutschen und 17,5% der Schweden, was sie erneut zu den am wenigsten rauchenden EU Bürgern macht. Am meisten wird in Österreich geraucht (36,3%). Diese Website listet auch Statistiken über die Lebenswerwartung. Sie beträgt in Deutschland 79,1 Jahre, in Schweden 80,74 Jahre und in Österreich 79,36 Jahre. Man erkennt eine gewisse Korrelation: In Österreich raucht ein mehr als doppelt so großer  Anteil der Bevölkerung als in Schweden, dafür leben die Schweden gut ein Jahr länger.

In Japan lebt man aber noch länger, nämlich 82,07 Jahre und dort rauchen 30,3% der Bevölkerung. Obwohl dort mehr geraucht wird als in Schweden oder Deutschland lebt man dort länger.

NationalMaster erlaubt es auch Korrelationen zwischen dem Prozentsatz der "täglichen Raucher" und anderen Statistiken zu erstellen. Je mehr Leute rauchen, desto geringer ist der Pro-Kopf Energieverbrauch und desto geringer ist die Bereitschaft bei einem Boykott mitzumachen. Was sagt uns das alles? Eigentlich gar nichts.


Wie hoch ist das Risiko?
Was bedeutet es eigentlich, wenn man sagt "das Risiko erhöht sich um 50%"? Wenn, sagen wir von 1000 Leuten normalerweise zwei an etwas erkranken und in Anwesenheit eines zusätzlichen Risikofaktors sind es drei, dann hat sich das Risiko um 50% erhöht.

Ist 50% nun viel oder wenig? Nun - das hängt davon ab, wieviele andere Risiken es gibt. Wenn von 1000 Leuten 80 aus anderen Gründen an irgendetwas anderem erkranken, dann kann mir der eine zusätzliche Kranke ziemlich egal sein. Aber  eine Erhöhung von 200 auf 400 Kranke in 1000 Leuten wäre auch eine 50%ige Erhöhung des Risikos. Das kommt uns viel vor, und warum ist das so? Weil wir instinktiv und zu Recht annehmen, dass 200 zusätzliche Kranke wahrscheinlich jedes andere Risiko verblassen lassen.

Die relative Risikoerhöhung sagt uns also nicht allzuviel. Es macht nunmal einen Unterschied, ob sich das Risiko von 0.1% auf 0,15% erhöht, oder von 10% auf 15%. Diese simple Wahrheit wird leicht vergessen und das führt dazu, dass man Menschen mit fast allem Angst machen kann, so absurd es auch sein mag. Sehr wenige Menschen werden in Deutschland vom Blitz getroffen. Könnte ich ein Gerät verkaufen, dass die Wahrscheinlichkeit vom Blitz getroffen zu werden um 30% senkt?  Wahrscheinlich ja.

Die Statistiker sind da weniger pragmatisch. Wenn die einen Effekt nachweisen wollen, dann wollen sie vor allem sicher sein, dass ein Effekt überhaupt existiert. Kleine Effekte sind eine Herausforderung und nicht uninteressant. Ob ein Effekt gesellschaftlich relevant ist - darum müssen sich andere kümmern.


Gibt es auch positive Effekte?
Kaum ein Ding auf diesem Planeten ist ausschließlich gut oder ausschließlich schlecht. Oft kann man  allerdings abschätzen, ob die positiven oder negativen Effekt überwiegen. Stößt man auf ein Ding, das "nur gut" oder "nur schlecht" ist, dann kann man eines mit Sicherheit folgern: es liegen nicht alle Fakten auf dem Tisch.

Es ist also zu erwarten, dass auch Rauchen positive Effekte hat. Diese mögen gegenüber den Risiken vernachlässigbar sein, aber uns wäre dennoch wohler, wenn wir überhaupt davon Kenntnis hätten.

Es wird beispielsweise behauptet, dass Raucher ein 30-60% geringeres Riskio haben an Parkinson zu erkranken. In Deutschland erkranken rund 1% der über 60jährigen an Parkinson. Ferner wird behauptet, dass Rauchen vor Alzheimer schützen soll. In Deutschland gibt es über eine Million Demezkranke.


Wie gefährlich ist Passivrauchen?
Hier ist die Faktenlage völlig unübersichtlich. Große Teile der Bevölkerung halten Passivrauchen für gefährlich, manche sogar für gefährlicher als Rauchen. Andere wiederum weisen darauf hin, dass die Gefährlichkeit von Passivrauchen keineswegs bewiesen ist. Die meisten davon glauben jedoch, dass die Gefahr den Rauchens sehr wohl real und bewiesen ist.

Diese Ungewissheit ist nicht erstaunlich: wenn man kaum weiß wieviele Menschen überhaupt rauchen, wieviel schwieriger muss es dann sein, den Anteil der Passivraucher abzuschätzen. Da helfen keine Verkaufszahlen der Tabakindustrie mehr, hier muss man Umfragen durchführen mit all den damit verbundenen Unabwägbarkeiten.

Das Thema Passivrauchen ist sehr komplex. Ich werde es in einer der nächsten Folgen genauer untersuchen.


Fazit
Aus den verfügbaren Zahlen lässt sich nur mit großer Mühe ein praxisrelevanter Schluss ziehen. Sicher ist eigentlich nur dass Rauchen keine gesundheitsfördernde Wirkung hat. Ohne rot zu werden kann man auch noch Folgendes vorbringen:
  • Der Einfluss des Rauchens auf die Lebenswartung ist weniger prägnant als man denken würde
  • Rauchen erhöht aber die Wahrscheinlichkeit an Lungenkrebs zu sterben, was keine schöne Todesart ist.
  • Deshalb raucht man besser nicht.
  • Das mit dem Passivrauchen schauen wir uns noch genauer an

.


- wird fortgesetzt -