Erst nahmen sie sich die Raucher vor ...

Erst nahmen sie sich die Raucher vor und ich habe den Mund gehalten. Dann nahmen sie sich die Trinker vor und ich habe den Mund gehalten. Dann nahmen sie sich die Dicken vor und ich habe den Mund gehalten. Dann nahmen sie sich mich vor. (Frei nach Martin Niemöller)
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Freitag, 4. Januar 2013

Hauptamtliche Tabakkontrolleure

Bei meinem gescheiterten Versuch herauszufinden, wie sich die Nichtraucher-Initiative Deutschland e.V. finanziert, bin ich auf ein 2005 geschriebenes Dokument ihres Vorsitzenden Dimplom Handelslehrer Ernst-Günther Kause gestoßen, das ich hier auszugsweise und ohne weitere Kommentare zitiere.


Synergieeffekte hauptamtlicher und ehrenamtlicher Tätigkeit bei der Tabakkontrolle

 Zwei Jahrzehnte lang, in den siebziger und achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts, waren fast ausschließlich nur Ehrenamtliche in mehr als 20 lokal-regionalen Vereinen damit beschäftigt, Maßnahmen zur Minderung des Tabakkonsums und zur Förderung des Nichtraucherschutzes in Angriff zu nehmen und durchzuführen.

Mit Beginn der neunziger Jahre machten auch die großen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) im Gesundheitswesen die rauchfreie Welt und zu einem ihrer Anliegen.

Organisationen wie das Deutsche Krebsforschungszentrum, die Deutsche Krebshilfe, die Deutsche Krebsgesellschaft, die Deutsche Herzstiftung, die Bundesärztekammer, die Bundesvereinigung für Gesundheit, die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen, die Deutsche Lungenstiftung und der Ärztliche Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit.

Sie vereinigten sich – in Form der passiven Mitgliedschaft unterstützt auch von den Ehrenamtlichen – zur Koalition gegen das Rauchen, später Aktionsbündnis Nichtrauchen, und bildeten das Steuerungsgremium. Damit traten erstmals Hauptamtliche in größerer Zahl auf.
Hauptamtlich Tätige ... 
  1. sind an Vorstandsentscheidungen gebunden;
  2. sind finanziell vom Träger abhängig;
  3. haben einen engen Handlungsspielraum;
  4. müssen Stellungnahmen stärker abwägen
  5. sind nur teilweise für Tabakkontrolle tätig;
  6. können voll und gegen Bezahlung tätig sein;
  7. sind häufig tagsüber erreichbar;
  8. haben Zeit und größeren Etat für Reisen zu Tagungen;
  9. haben größeren Aufwand für Tätigkeitsbericht;
  10. haben auch Raucher in den eigenen Reihen. 
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Mittwoch, 7. März 2012

Rauchverbote als Exportartikel

Nicht nur die Tabakindustrie exportiert ihre Produkte nach Asien, die Verbotsindustrie tut das auch. Ihre Werbekampagnen sind leicht zu identifizieren.

Neulich las ich in einem Tempel in Laos ein Schild mit der Inschrift "Smoke free temple". Ich fand das aus mehreren Gründen merkwürdig.

In einem buddhistischen Tempel gibt es immer eine zentrale Halle mit Buddha-Statuen. Bevor man eine solche Halle betritt, zieht man seine Schuhe aus. Niemand käme auf die Idee dort zu rauchen. Diese Halle ist umgeben von der Tempelanlage, einem parkähnliches Gelände, von einer Mauer umgeben und voller Leben. Dort stehen häufig Händer, die Essen brutzeln und mit allerleit Zeugs handeln. Dort unter freiem Himmel zu rauchen, stört niemanden.

In der Halle brennen Räucherstäbchen und die Garküchen sind auch nicht gerade rauchfrei. Aber natürlich bezieht sich rauchfrei nicht auf diesen Rauch, sondern auf Tabakrauch. Aber warum heißt es dann nicht einfach "bitte hier nicht rauchen"?

Luang Prabang ist von der UNESCO zum Welkulturerbe gekürt worden. Dort findet man Schilder mit "Rauchefreies Weltkulturerbe". Offensichtlich sind diese Schilder von einer Organisation angebracht worden. Hat hier die UNESCO einen deal gemacht: wir helfen euch eure Tempel zu restaurieren, dafür dürfen wir unsere Rauchverbotsschilder aufhängen?

Laos ist von Kalifornischen Verhältnissen weit entfernt, eine Schachtel Zigaretten kostet noch 50 Cents und man bekommt Zigaretten an jeder Straßenecke.  40% der laotischen Bevölkerung kann nicht lesen und schreiben, die Lebenserwartung liegt unter 60 Jahren. Das ist genau das Volk, das vor den Gefahren des Rauchens gewarnt werden muss.

Die Verbotsindustrie versucht eine Sprachregelung zu verwenden, in der Verbote wie zusätzliche Freiheiten aussehen. Sie vermeidet Ausdrücke wie "Rauchen verboten" und verwendet stattdessen eine Floskel, die immerhin das Wort "frei" enthält: rauchfrei.

An diesem Sprachgebrauch kann man sie erkennen. Rauchfrei, fettfrei, zuckerfrei alkoholfrei. Das stammt von denen. Oft ist eine solche Sprachanalyse aber gar nicht nötig, denn sie Verbotsindustrie setzt bereitwillig ihre Logos unter ihre Verbotsschilder. Sie sind ja schließlich die Guten.



Sonntag, 28. August 2011

Die meisten Menschen sind ehrlich

Heute befasste siche Gert Scobels Sendung Sonnags mit der Frage "Moral im Alltag". Ein Niedergang der Moral wurde dort nicht festgestellt.

In Berlin "verlor" ein Lockvogel seine Geldbörse und ein Kamerarteam beobachtet die Reaktion der Passanten. Ergebnis: von 30 Leuten, die die Geldbörse fanden gaben 27 sie zurück. Das deckt sich mit meiner Empfindung, dass nämlich die allermeisten Menschen ehrliche Häute sind.

Gert Scobel

Die anderen Beiträge waren weniger erhellend oder gar klischeehaft. So erfuhr man, dass Rechtsradikale, Kampfunde und Alkohol problematisch sind, und dass man Lebensmittel nicht wegwerfen soll, weil in Afrika Kinder verhungern. Beim Thema "zu schnell fahren" wurde die Frage, ob denn die Geschwindigkeitsbeschränkungen möglicherweise gar nicht gerechtfertigt sind überhaupt nicht gestellt. Stattdessen driftete der Beitrag in die diffuse Richtung "Rasen als Lebensgefühl" ab.

Unmoralische Verbote

Ich finde das Thema Moral ist ein wirklich wichtiges Thema, und ich finde es schade wenn es auf oberflächliche Weise betrachtet wird. Moralisch handeln ist nicht das gleiche wie nett sein. Moralisch handeln bedeutet auch nicht, sich so zu verhalten, dass einem niemand einen Vorwurf machen kann. Und moralisch handeln bedeutet schon gar nicht, sich so zu verhalten, wie es andere erwarten.

Im Zusammenhang mit Verboten spielt Moral eine wichtige Rolle. Denn erstens brauchen moralisch handelnde Menschen keine Verbote und zweitens ist ein Verbot eine moralisch höchst fragwürdige Angelegenheit. Ein Verbot ist ein Akt der Gewalt, der die Freiheit anderer einschränkt und es muss die Devise gelten: so wenig wie möglich und nicht mehr als nötig. Alles andere ist unmoralisch.

Samstag, 27. August 2011

Frauen sind die besseren AutofahrerInnen

Hannelore Mabry, eine Münchner Feministin und Herausgeberin der Zeitschrift "Der Feminist",  legte 1987 im »Spiegel« Wert auf die Feststellung, sie habe eine Gruppe nichtfeministischer Frauen nicht als Arschlöcher, sondern als Arschlöcherinnen bezeichnet.

Bei meinen Versuchen richtig Deutsch zu lernen bin ich auf diese Seite gestoßen, auf der sich ein lesenswerter Abschnitt über politisch korrekte Sprache befindet. Ich zitiere auszugsweise.

StundentInnen

Im akademischen Umfeld ist als generischer Plural auch die Studierenden gängig. Auf solchen Konstruktionen bestehen in erster Linie Personen, die nicht begriffen haben, daß Genus und Sexus im Deutschen recht wenig miteinander zu tun haben (die Aufsicht, die Aushilfe/Aushilfskraft, die Drohne, die Geisel)

Wie lächerlich der Begriff Studierende ist, wird deutlich, wenn man ihn mit einem Partizip Präsens verbindet. Man kann nicht sagen: In der Kneipe sitzen biertrinkende Studierende. Und nach einem Massaker an einer Universität kann man schlecht sagen: "wir trauern um unsere toten Studierenden".

man, Mann und Mensch

Althochdeutsch man bezeichnet einen Menschen unabhängig von dessen Geschlecht; die geschlechtsspezifischen Entsprechungen sind wer für männlicher Mensch (erhalten in Werwolf) und quina (erhalten in queen) für weiblicher Mensch. 

Durch die Formel man/frau werden Menschen weiblichen Geschlechts aus der durch man bezeichneten Gruppe herausgenommen — was ähnlich sinnvoll ist, als spräche man von Menschen und Frauen.

"mensch" — Hat angeblich frau statt man abgelöst und ist gleich noch meschugger, ja fast dämlicher. (Eckhard Henscheid: Dummdeutsch).

Jedoch ist weder herrlich von Herr abgeleitet noch dämlich von Dame. 

Spachfeminismus in der Sackgasse 

Wer mehr zu diesem Thema wissen möchte, dem sei die Seite Spachfeminismus in der Sackgasse von  Arthur Brühlmeier empfohlen, wo sich u.A. folgende Perle des Basler Gesundheitsdepartements (sic!) findet:

Bereits die mildeste und häufigste Form der Trennung einer ‘Rolle des Verantwortungstragens’ (Arzt/Ärztin) von einer ‘Rolle des sich-Anvertrauens und sich-Unterordnens’ (Patient/in) reduziert die Eigenverantwortlichkeit, mit der der/die Patient/in Entscheidungen in Bezug auf seine/ihre Gesundheit trifft. Damit wird der/die ‘beratende Arzt/Ärztin’ zum/zur ‘entscheidenden Arzt/Ärztin’. In bestimmten Situationen haben Patient/in und Arzt/Ärztin natürlich keine andere Wahl (zum Beispiel bei einer Notfallbehandlung eines Bewusstlosen).

Trotz aller Mühe ist es den Autoren entgangen, dass es natürlich "eines/einer Bewusstlosen" heißen müsste.

Eine weitere Perle beschreibt die Schwierigkeiten zusammengesetzte Substantive wie "Lehrerbetreuer" politisch korrekt zu formulieren. Hier muss man nämlich beide Teile, nämlich "Lehrer" und "Betreuer" sowohl männlich als auch weiblich ausdrücken, was zu vier Kombinationen führt.

Ein künftiger Lehrer- bzw. Lehrerinnenbetreuer bzw. eine künftige Lehrer- bzw. Lehrerinnenbetreuerin sollte zuvor auch ein bewährter Schüler- bzw. Schülerinnenberater bzw. auch eine bewährte Schüler- bzw. Schülerinnenberaterin gewesen sein.

Zu diesen künstlich erzeugten Umständlichkeiten gesellt sich der wohl tiefgreifendste Nachteil sprachfeministischer Ansprüche, nämlich die Unmöglichkeit, gewisse Zusammenhänge logisch korrekt auszudrücken. 

In der Feststellung eines Psychiaters, er sei überrascht, "dass der Amokläufer eine Frau war", kann "Amokläufer" weder durch "Amokläuferin" ersetzt werden, obwohl es sich um eine Frau handelte, noch darf der nach feministischem Verständnis männlich zu deutende Ausdruck "Amokläufer" als männlich verstanden werden. Der Satz "Frauen sind die vernünftigeren Autofahrer" stößt auf die gleichen Probleme.

Diese Schwierigkeiten führen dazu, dass viele Schreiber dazu übergegangen sind, menschliche Funktionsträger einfach nicht mehr zu erwähnen, was aber zu einer immer abstrakteren Sprache führt. So lässt sich etwa der einfache Satz "Die Lehrer sollten wieder vermehrt mit den Schülern üben" umformen zur Aussage "Aufgabe der Schule ist es, durch gezielte Wiederholungen die Kulturtechniken wieder vermehrt zu festigen."

Fazit

Man kann es drehen und wenden wie man will: politisch korrektes Deutsch ist schlechtes Deutsch. Wenn in einer Organisation die Devise ausgegeben wird, Funktionsträger geschlechtsneutral zu bezeichnen, dann impliziert das immer die These "gutes Deutsch ist uns nicht wichtig". Im Zusammenhang mit Stellenausschreibungen an einer Universität klingt das besonders komisch, vor allem wenn es sich dabei um Germanistik handelt.

Donnerstag, 2. Juni 2011

So gefährlich wie Rauchen

Dass Rauchen der Gesundheit schadet ist derzeit dermaßen unumstritten, dass andere Laster gerne mit dem Argument verteufelt werden, sie seien "so gefährlich wie Rauchen", oder sogar noch gefährlicher.

Snus: Der rauchfreie Lutschtabak aus Schweden wird von manchen als 90-98% weniger gefährlich als Zigaretten eingestuft. Andere Veröffentlichungen behaupten er wäre genauso gefährlich wie Rauchen.  Snus der in Amerika verkauft wird muss einen Aufkleber mit der Warnung "dieses Produkt ist keine sichere Alternative zum Rauchen" tragen.

Passivrauchen: man muss nicht lange suchen, um Veröffentlichungen zu finden, die behaupten Passivrauchen sei so gefährlich wie Rauchen oder sogar noch gefährlicher. Befragt man seine Bekannten, so wird man ebenfalls ohne Mühe Leute finden, die an diese These glauben.

Einsamkeit: Professor John Cacioppo von der University of Chicago hat herausgefunden, dass Einsamkeit genauso gefährlich ist wie Rauchen. Andere Untersuchungen scheinen dies zu bestätigen. Ähnliches hat man über Depressionen herausgefunden.

Alkohol: in diesem BBC Artikel wird im Titel (und nur dort) behauptet, Alkohol würde fast ebensoviele Gebrechen verursachen wie Rauchen.

Sonnenbänke: "Ich hoffe, es wir die Zeit kommen, in der bewiesen ist, dass Sonnebnräune genauso gefährlich ist wie Rauchen", schreibt eine Kommentator. Auch hier wird im Titel (und wieder nur dort) behauptet: "Sonnenbänke sind so gefährlich wie Rauchen".

Übergewicht: Übergwichtige über 40 sterben im Schnitt mindestens drei Jahre früher als "gesunde" Erwachsene. Das ist das selbe Risiko wie bei Rauchen. Das wollen holländische Forscher herausgefunden haben.

Videospiele: Die Universität von Michigan will herausgefunden haben, dass brutale Videospiele fast so gefährlich wie Rauchen sind.

Oralsex: Die Universität von Wisconsin will herausgefunden haben, dass Oralsex gefährlicher ist als Rauchen, schreibt HealthMad.

Mobiltelefone: werden im Independent als "gefährlicher als Rauchen" bezeichnet.

Homosexualität: Sex unter gleichgeschlechtlichen reduziert die Lebenserwartung um 24 Jahren, weit mehr als Rauchen, wollen Forscher der Eastern Psychological Association herausgefunden haben.

Zucker: Zucker sei eine Droge, die gefährlicher ist als Rauchen und eine hoher Cholesterinspiegel zusammen, schreibt die Irishtimes.


Samstag, 14. Mai 2011

Gemeinnützig mit einem Hintergedanken

Die Verbotsindustrie bezieht ihre Einnahmen zum Teil direkt vom Staat. Sie gründet dafür gemeinnützige Organisationen. Zumindest für England  gibt es eine Web-Seite, die solche Organisationen enttarnt.

Die Web-Seite Fake Charities listet Organisationen, die mehr als 10% ihrer Einkünfte oder mehr als eine Million Pfund vom Britischen Staat beziehen und die gleichzeitig Lobbyarbeit leisten. Die Lobbyarbeit kann daraus bestehen, neue Richtlinien durchzusetzen, Gesetze zu ändern oder ihre eigene Finanzierung zu verbessern.

Einige dieser Organisationen unternehmen große Anstrengunen unsere Freiheiten zu beschränken und nicht alle legen ihre Finanzierung offen.

Es spricht nichts dagegen, wenn sich Interessensgruppen bilden, die versuchen ihre Intererssen durchzusetzen, solange sie von von den Leuten finanziert werden, dessen Interessen sie vertreten. Wenn die Finanzierung aber über den Staat erfolgt bekommt das ganze ein "Geschmäckle".

Fake Charities listet auch einige echte gemeinnützige Organisationen. Bei den anderen fällt auf, dass sie sich häufig mit typischen Gutmenschen-Themen befassen, allen voran das Thema Gesundheit und immer wieder Krebs. Actions on Smoking and Health (ASH) bekam auch einen "fake" Stempel aufgedrückt.

Für Deutschland habe ich eine vergleichbare Seite noch nicht gefunden.

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