Erst nahmen sie sich die Raucher vor ...

Erst nahmen sie sich die Raucher vor und ich habe den Mund gehalten. Dann nahmen sie sich die Trinker vor und ich habe den Mund gehalten. Dann nahmen sie sich die Dicken vor und ich habe den Mund gehalten. Dann nahmen sie sich mich vor. (Frei nach Martin Niemöller)
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Mittwoch, 8. Januar 2014

Jugendliche in den USA Rauchen immer weniger

Eine Untersuchung des US Departments of Health zeigt, dass immer weniger Jungedliche mit dem Rauchen anfangen.

Past Year Cigarette Initiation among Youths Aged 12 to 17
Dies kann man als einen Erfolg der Tabakkontrolle werten, zielen deren Maßnahmen doch vor allem darauf, zu verhindern, dass Jugendlich mit dem Rauchen anfangen.

Sex oder Fußball

Es sieht aber nun so aus, als ob die Menschen einfach später mit dem Rauchen anfangen. Carl V. Phillips beschreibt das so: ist Rauchen wie Fußball oder wie Sex? Wer in jungen Jahren keinen Fußball gespielt hat, wird später nicht damit anfangen. Bringt man Jungenlichen aber bei, keinen Sex zu haben, so verhindert das nicht, dass sie als Erwchsene damit anfangen. Verhält sich Rauchen nun wie Fußball oder wie Sex?

Past Year Specific Tobacco Product Initiates among Persons Aged 12 or Older
Diese Grafik zeigt die Gesamtzahl der Neueinsteiger. Insbesonere die Kurve für Zigaretten ist annähernd konstant und zeigt nicht den Abwärtstrend, den man bei Jungenlichen beobachten kann.

Das deutet darauf hin, dass Rauchen eher wie Sex ist: auch wenn man als Jugendlicher nicht damit anfängt, heißt das noch lange nicht, dass man nicht später doch noch einsteigt.

Interessant ist auch der leichte Abfall bei rauchlosem Tabak (Snus, Kautabak, Schnupftabak). Ein Erwachsener, der sich dem Tabak zuwendet tut dies bevorzugt mit Zigaretten.

Auch dies geht zumindest teilweise auf das Konto der Tabakkontrolle, die immer wieder gegen rauchlosen Tabak argumentieren.

Alle sind zufrieden

Mit diesem Bild können alle gut leben. Sowohl die Tabakindustrie als auch die Tabakkontrolle sind auf Raucher angewiesen und es sieht so aus, als ob der Nachschub an neuen Rauchern nicht abreißen wird. Auch die Finanzminister können sich weiterhin über die Einnahmen aus der Tabaksteuer freuen.









Donnerstag, 23. Mai 2013

Zitat des Tages

Die Verbotsindustrie gebraucht die Wissenschaft auf die gleiche Art und Weise wie ein Betrunkener einen Laternenpfahl benutzt. Er sucht die Unterstützung, nicht das Licht.

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Samstag, 23. Februar 2013

Nikotin für Schulkinder

Es ist mehr als plausibel, dass sich die Tabakindustrie vor allem um jugendliche Nachwuchsraucher bemüht. Aber würde man Mitarbeiter von "big-tobacco" dabei erwischen, wie sie Zigaretten auf dem Schulhof verteilen, wäre das Geschrei groß. An Schüler darf man nämlich ausschließlich das "gute Niktotin" der Pharma-Industrie verteilen. 

Hierzu ein Pressebericht.

Mitarbeiter des NHS (National Health Service) in Essex verteilten Nikotinplfaster an Schüler, die teilweise gerade mal 12 Jahre alt waren, ohne dass die Eltern davon wussen, schreibt die Daily Mail.

Und noch ein Pressebericht

Aiden Williams, 12, with his mother Caroline See:
The schoolboy chewedgum with the nicotine equivalent
of 180 cigarettes in just 25 minutes
Aiden Williams, ein 14jähriger Junge erlitt einen Zusammenbruch, nachdem er 45 Nicorette Nikotinkaugummis konsumiert hatte. Er hatte die Kaugummis von einem Klassenkameraden bekommen, der sie wiederum von Mitarbeitern des "Sandwell Council’s Drug Education, Counselling and Confidential Advice (DECCA)" bekommen hatte. Wieder wussen die Eltern nichts von dieser Aktion. Margret Storie, eine Mitarbeitering von DECCA verteidigte die Aktion. DECCA bietet jungen Leuten "vertauliche" Nikotinersatz-Therapie an, um ihnen zu helfen mit dem Rauchen aufzuhören. Der stellvertretende Dirketor der Schule fügte hinzu: DECCA muss die Elterrn nicht darüber informieren. Mehr dazu in der Daily Mail.

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Freitag, 4. Januar 2013

Hauptamtliche Tabakkontrolleure

Bei meinem gescheiterten Versuch herauszufinden, wie sich die Nichtraucher-Initiative Deutschland e.V. finanziert, bin ich auf ein 2005 geschriebenes Dokument ihres Vorsitzenden Dimplom Handelslehrer Ernst-Günther Kause gestoßen, das ich hier auszugsweise und ohne weitere Kommentare zitiere.


Synergieeffekte hauptamtlicher und ehrenamtlicher Tätigkeit bei der Tabakkontrolle

 Zwei Jahrzehnte lang, in den siebziger und achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts, waren fast ausschließlich nur Ehrenamtliche in mehr als 20 lokal-regionalen Vereinen damit beschäftigt, Maßnahmen zur Minderung des Tabakkonsums und zur Förderung des Nichtraucherschutzes in Angriff zu nehmen und durchzuführen.

Mit Beginn der neunziger Jahre machten auch die großen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) im Gesundheitswesen die rauchfreie Welt und zu einem ihrer Anliegen.

Organisationen wie das Deutsche Krebsforschungszentrum, die Deutsche Krebshilfe, die Deutsche Krebsgesellschaft, die Deutsche Herzstiftung, die Bundesärztekammer, die Bundesvereinigung für Gesundheit, die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen, die Deutsche Lungenstiftung und der Ärztliche Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit.

Sie vereinigten sich – in Form der passiven Mitgliedschaft unterstützt auch von den Ehrenamtlichen – zur Koalition gegen das Rauchen, später Aktionsbündnis Nichtrauchen, und bildeten das Steuerungsgremium. Damit traten erstmals Hauptamtliche in größerer Zahl auf.
Hauptamtlich Tätige ... 
  1. sind an Vorstandsentscheidungen gebunden;
  2. sind finanziell vom Träger abhängig;
  3. haben einen engen Handlungsspielraum;
  4. müssen Stellungnahmen stärker abwägen
  5. sind nur teilweise für Tabakkontrolle tätig;
  6. können voll und gegen Bezahlung tätig sein;
  7. sind häufig tagsüber erreichbar;
  8. haben Zeit und größeren Etat für Reisen zu Tagungen;
  9. haben größeren Aufwand für Tätigkeitsbericht;
  10. haben auch Raucher in den eigenen Reihen. 
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Donnerstag, 3. Januar 2013

Tabakkontrolle und Finanzmarkt

Wer profitiert am meisten vom Zigarettenverkauf? Es ist nicht die Tabakindustrie, sondern der Staat. 3/4 des Verkaufspreises einer Schachtel Zigaretten sind Steuern. Da das eine Viertel, das die Tabakindustrie behalten darf nicht reiner Gewinn ist, kassiert der Staat unterm Strich rund 10mal so viel wie die Tabakkonzerne. In den USA kann man Wertpapiere (tobacco bonds) kaufen, die durch  Geld, das man den Rauchen noch aus der Tasche ziehen will, abgesichert sind.

1998 einigten sich einige Staaten der USA und die größten Tabakunternehmen im Master-Settlement-Agreement (MSA), dass die Tabakindustrie über 25 Jahre insgesamt geschätzte 200 Milliarden Dollar an die Staaten zahlen muss, im Gegenzug aber vor Klagen und Konkurrenz geschützt wird. Durch diesen Deal gewannen beide Parteien. Verlierer waren die Raucher, die das alles finanzieren müssen.

200 Milliarden klingt auf den ersten Blick nach viel Geld. Auch wenn sie über 25 Jahre verteilt gezahlt werden sind das pro Jahr immer noch über sieben Milliarden. In Deutschland werden aber durch die Tabaksteuer alleine bereits fast 15 Milliarden pro Jahr eingezogen.  Im Vergleich zu den regulären Steuern auf Zigaretten sind die Zahlungen aus dem MSA also nur das Sahnehäubchen. Im Jahre 2011 sah das in den USA so aus:

- Federal excise taxes           $15,101,077,000
- State and local excise taxes   $17,781,272,000
- State cigarette sales taxes     $4,240,744,000
- Tobacco settlement payments     $7,088,376,000


Einige wenige Prozent der MSA Einnahmen werden für Präventionsmaßnahmen ausgegeben. Das klingt wenig, aber es macht die Tabakkontrolle bereits zu einem Billion-Dollar-Business, selbst wenn man die Zuwendungen der Pharma-Industrie außer Acht lässt. Der größte Teil der MSA Bezüge geht aber an die öffentliche Hand. Was diese mit dem Geld anstellt entzieht sich meiner Kenntnis.

Tobacco Bonds

Die Einnahmen aus dem MSA fallen jährlich an und gelten als sichere Geldquelle. Viele Staaten sind daher auf die Idee gekommen, die zukünftigen Zahlungen aus dem MSA auf dem Kapitalmarkt in Form von "tobacco bonds" zu verpfänden. Dadurch haben sie auf einen Schlag einen größeren Batzen Geld in der Hand.

Die Höhe der MSA Zahlungen wird nach einer "komplizierten Formel" berechnet, in die die Menge verkaufter Zigaretten eingeht. Das macht Sinn, denn die Tabakindustrie wird weder bereit noch in der Lage sein Milliardenzahlungen zu leisten, wenn niemand mehr raucht.

Nun geht die Raucherquote in den USA schneller zurück als erwartet, und damit sinken auch die Zahlungen aus dem MSA. Erwartet war ein Rückgang von jährlich 1,8% in Wirklichkeit wurden daraus aber 4,1%.

Das bereitet den Emittenten der Tobacco Bonds arge Probleme, denn sie haben die zukünftigen Einnahmen ja bereits ausgegeben. Kaliforniern, Ohio, Virginia und Nassau County (NY) mussten bereits Reserven anzapfen, um die von ihnen ausgegebenen Bonds zu bedienen. Wenn sich dieser Trend fortsetzt wird Ohio 2024 zahlungsunfähig, weil dann $350 Mio fehlen.

Einige der Emittenten haben nicht das Recht eigene Steuern zu erheben. Sie können sich daher nicht aus der Schlinge ziehen, indem sie anderen Bürgen das Geld aus der Tasche ziehen.

Ob eine weitere Erhöung der Zigarettensteuer  zu mehr Einnahmen führen würde ist ohnehin fraglich, den die Steuern sind bereits so hoch, dass eine weitere Erhöhung die Raucherquote noch weiter reduzieren könnte. Eine Steuererhöhung in Russland wurde bereits mit einer Aufforderung des Finazministers Alexei Kudrin verbunden, doch bitte "mehr zu Rauchen und zu Trinken".

Auch in Deutschland sind die Steuereinnahmen aus Tabakwaren bestenfalls stabil.

 

Glücklicherweise ist Deutschland nicht besonders stark von der Tabaksteuer abhängig. 

Die Tabakrichtlinie

In Europa redet niemand offen darüber, dass wieder mehr geraucht und getrunken werden soll. Dennoch geht die EU mit ihrer Tabakrichtlinie genau in diese Richtung.

Snus und die e-Zigarette haben beide das Zeug die Raucherquote weiter zu reduzieren. Aber die EU erschwert oder verwehrt ihren Bürgen den Zugang zu diesen beiden Alternativen. Unterm Strich ist das ein ähnlicher deal wie das MSA: es gewinnen die Finanzminister, die Tabakindustrie und die Lobby-Organisationen der Tabakkontrolle (die ihre Existenzberechtigung behalten). Bezahlt wird das Ganze von den Rauchern, dieses Mal jedoch nicht nur mit ihrem Geld, sondern auch mit ihrer Gesundheit.

















Mittwoch, 3. Oktober 2012

Kein Nichtraucherschutz für Dampfer

In Hessen werden e-Zigaretten - was den Nichtraucherschutz betrifft - den Tabakzigaretten gleichgestellt. Wer Dampfen will muss ins Raucherzimmer.

Ich kann den Geruch von Früchtetee nicht ausstehen. Das Zeug riecht so intensiv, das kann nicht gesund sein. Und wer weiß, was da alles drin ist? Es wäre mir erheblich wohler, wenn man in meiner Gegenwart keinen Früchtetee zubereiten oder trinken würde. Meinetwegen sollen die Früchtetee-Trinker es so machen wie die Raucher: sie sollen vor die Tür gehen, oder im Raucherzimmer ihre stinkende Brühe konsumieren.

Diese Forderung ist natürlich absurd. Die Früchtetee-Trinker würden zu Recht einwenden, dass von Früchtetee nun wirklich keine Gefahr für die Mitmenschen ausgeht und dass sie dann ja gezwungen wären sich im Raucherzimmer Passivrauch auszusetzen. Passivrauchrauch ist vielen Leuten verständlicherweise sehr unangenehm, vor allem weil sie den Geruch nicht mögen. Viele glauben auch an eine Gesundheitsgefahr durch Passivrauch, und selbst wenn ein Nachweis dieser Gefahr noch aussteht, ist die Angst davor zweifellos vorhanden.

Was die Gefährdung der Mitmenschen betrifft verhält sich Dampfen zu Rauchen etwa so wie Früchtetee-trinken zu Rauchen. Und so wenig wie man Früchtetee-Trinker mit Rauchern einpferchen würde, sollte man das mit Dampfern tun.

Hier dürfte ein Stück Berechnung im Spiel sein, denn keiner will die e-Zigarette, außer den Rauchern, die etwas für ihre Gesundheit tun wollen. Aber es dürften auch eine Menge reflexartiger Reaktionen im Spiel sein.

Ich habe auf meinem Arbeitsplatz die verschiedensten Reaktionen auf meine e-Zigarette erfahren. Einige sind so konditioniert, dass sie sich nicht vorstellen können, dass man von einer ausgeatmeten nebligen Substanz keinen Krebs bekommt. Naja, ausgenommen vielleicht von der kondensierenden Atemluft, wenn es draußen kalt ist. Da muss ich noch mal fragen. Andere finden das Konzept faszinierend und machen sogar Werbung unter ihren Raucherfreunden.

Die Art der Reaktion korreliert ziemlich stark mit der  geistigen Beweglichkeit, die ich den Leuten attestieren würde. Ich vermeide es daher in Gegenwart von Leuten, die ich für Betonköpfe halte zu Dampfen. Glücklicherweise sind das nicht viele.















Samstag, 29. September 2012

Die Pharma-Industrie gegen die e-Zigarette

Prof. Michael Siegel berichtet in The Rest of the Story, dass  Pfizer 2,75 Millionen Dollar an Gruppen gespendet hat, die sich für ein Verbot der e-Zigarette einsetzen.

Es ist kein Geheimnis wem Pfizer Spenden zukommen lässt, denn die Zahlen werden von Pfizer selbst veröffentlicht. Pro Jahr gibt es ein rund 90seitiges Dokument, das die Spenden an etwa 2000 Organisationen auflistet. Aus den Berichten für 2011 und 2012 ergeben sich die 2,75 Millionen, von denen Prof. Siegel berichtet.

Dass die Pharma Industrie die Tabakkontrolle finanziell unterstützt ist seit Jahren bekannt, wie ich hier berichtete. Bereits in dem 2008er Bericht tauchten einige der in 2012 unterstützten Organisationen auf, wenn auch mit niedrigeren Beträgen.

Man kann sich leicht vorstellen, dass die Pharma Industrie über die e-Zigarette nicht erfeut ist. Sie ist eine unliebsame Konkurenz, wenn es darum geht, Rauchern Geld aus der Tasche zu ziehen.

Dass von 2000 Organisationen im heanth-business gerade mal 8 gegen die eZigarette ins Feld ziehen, könnte aber auch ein Zufallseffekt sein. Einige der seit Jahren unterstützen Organisationen selbst haben bereits ein ausreichend großes Interesse daran, die e-Zigarette vom Markt zu fegen.  Eine Organsiation wie ASH ("actions on smoking and health"- $200.000) verlöre ohne Raucher vollends ihre Existenzberechtigung. Dagegen ist für die Pharma-Industrie der Nikotinmarkt nur peanuts.

Von daher ist die suggerierte Schlussfolgerung, dass nämlich die Pharma-Industrie gezielt gegen die e-Zigarette vorgeht zwar möglicherweise wahr, aus dem Zahlenmaterial aber kaum ableitbar.

Aber es trifft ja keinen Unschuldigen. Die Methode sich aus einem Berg von Zahlen solche herauszugreifen, die den eigenen Standpunkt untermauern ("cherry picking") wird von der Tabakkontrolle seit Jahren mit Erfolg praktiziert.  Beispielsweise wird sich sicher irgendwo auf der Welt ein Ort finden lassen, wo irgendwelche Erkrankungen zurückgegangen sind, nachdem ein generelles Rauchverbot verhängt wurde. Gefunden wurde Helena, Montana.






Sonntag, 23. September 2012

Umverteilung von Unten nach Oben

Eine neue Studie zeigt erneut, dass hohe Tabaksteuren vor allem die Armen treffen. Das Schöne daran ist: selbst links orientierte Gruppen stören sich daran nicht: "sollen sie halt das Rauchen aufgeben". Kaum ein anderes System der Umverteilung von Unten nach Oben hat diesen Charme.

In New York kostet eine Schachtel Zigaretten an die 12$. Dieser Preis wurde durch eine Reihe von Steuererhöhungen erreicht. Wenn auch die New Yorker im Schnitt immer wengier Rauchen, bleibt die Raucherquote bei den Ärmsten annähernd konstant.

Theorie und Praxis

Das führt dazu, dass in den unteren Schichten 25% des Einkommens für Zigaretten ausgegeben wird und der Staat 600 Mio Dollar an Steuern kassiert.

Steuererhöhungen werden gerne damit begründet, dass sie Leute davon abhalten werden, mit dem Rauchen anzufangen, oder sie dabei unterstützen mit dem Rauchen aufzuhören. Bei den unteren Bevölkerungsschichten funktioniert das nicht. Nicht bei den ersten Steuererhöhungen, nicht bei den letzten und bei den zukünftigen wird es auch nicht funktionieren. Es ist eine sichere Sache.

Eine zynische Wirtschaftswissenschaftlerin

Solita Collas-Monsod von der University of the Phillipines bestätigt, dass höhrere Steuren nicht zu geringeren Steuereinnahmen führen. "Süchtige Raucher werden immer noch Zigaretten kaufen". Im gleichen Atemzug sagt sie, dass "Sündensteuern" nicht ungerecht seien. "Wir möchten, dass die Armen mit dem Rauchen aufhören, denn sie können sich medizinische Behandlung nicht leisten".




Sonntag, 24. Juni 2012

Das DKFZ, Snus und die E-Zigarette

Wer die Studie des Deutschen Krebsforschungzentrums in Heidelberg gelesen hat, in der suggeriert wurde, es gäbe in Deutschland jährlich 3300 Todesfälle durch Passivrauchen, fragte sich: was hat das denn noch mit Forschung zu tun? Die Äußerungen des DKFZ zu den Themen Snus und e-Zigratette sind ähnlich schwer verdaulich.

Das Snus-Verbot in der EU war einer der Gründe, warum ich mit diesem Blog überhaupt angefangen habe. Dieses Verbot ist so abstrus, dass ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, dass es hier um den Schutz der Volksgesundheit geht. Es muss um etwas anderes gehen, aber was?

Bis heute habe ich darauf keine klare Antwort. Ich konnte nur einige sich wiederholende Muster erkennen:
  • Die WHO ist oft im Spiel
  • Die Phama-Industrie ist oft im Spiel 
  • Die Forderung nach Verboten und Regulierungen wird oft mit extrem geringen oder völlig unbekannten Risiken begründet. Dagegen werden Verbote selbst als absolut risikofrei dargestellt.
  • Gegen Zigraretten als nikotinhaltige Droge wird zwar gewettert, aber es wird darauf geachtet, dass Raucher weiter rauchen können,
  • Für alle anderen nikotinhaltigen Drogen gilt: nur wenn sie von der Pharma-Industrie kommen enthalten sie gutes Nikotin, sonst  enhalten sie schlechtes Nikotin.
  • Im Netz sind die meisten Meinungsäußerungen gegen das schlechte Nikotin, entweder in einer einheitlichen Spache verfasst, als kämen sie von einer einzigen Pressestelle, oder sie sind in unglaublich schlechtem Deutsch geschrieben und wimmeln von Beleidigungen und hasserfüllten Äußerungen (die Nikotinsüchtigen kozen mich total an, ich haße die)
Was Frau Pötschke-Langer zum Thema e-Zigarette zu sagen hat, überrascht denn auch nicht: In einer Veröffentlichung des DKFZ findet man u.a. Folgendes (Hervorhebungen von mir):
  • [es ist] nichts darüber bekannt, ob und wie sich die Inhalation der von den elektrischeZigaretten erzeugten Dämpfe langfristig auf die Gesundheit auswirkt.
  • Elektrische Zigaretten sind möglicherweise ein Einstiegsprodukt in den Tabakkonsum.
  • [es gibt] Medikamente, für die eine Wirksamkeit in der Tabakentwöhnung wissenschaftlich nachgewiesen ist
  • Die Nutzung elektrischer Zigaretten in Rauchverbotszone kann nicht unterstützt werden. Es ist [..]derzeit nicht möglich, abzuschätzen, inwieweit elektrische Zigaretten die Innenraumluft belasten
Und als Fazit liest man:  Aufgrund des Nikotingehalts ist eine Regulierung der elektrischen Zigarette als Arzneimittel angezeigt. Ein Verbot als Nachahmerprodukt von Tabakprodukten auf der Basis einer entsprechenden Gesetzesgrundlage wird empfohlen.

Wer mag, kann sich noch die entsprechende Veröffentlichung des DKFZ zum Thema Snus durchlesen. Auf der letzten Seite findet man zwei  kleine Mathematikaufgaben. Es wird gesagt (Anmerkungen und Hervorhebungen von mir):
  • Dank zunehmender Tabakkontrollmaßnahmen [Nachweis fehlt] ist in den letzten Jahren [von 2006 bis 2009] in vielen Ländern, in denen der Verkauf rauchloser Tabakprodukte verboten ist, die Raucherprävalenz gesunken. So sank der Raucheranteil beispielsweise in Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden, Italien und Finnland im Zeitraum von 2006 bis 2009 jeweils um fünf Prozentpunkte. In Schweden nahm der Raucheranteil im gleichen Zeitraum weniger deutlich ab34 (Abb. 3).
 Beantworten Sie folgende Fragen:
  • welcher Effekt ist stärker: ein Rückgang der Raucherquote von 32% auf 29% (EU-Durchschnitt, wo Snus verboten ist) oder ein Rückgang von 18% auf 16% (Schweden, wo Snus erlaubt ist)?
  • Wo wird weniger geraucht: in Schweden oder in der EU?
Wer den Effekt von Snus auf die Raucherquote statt über die willkürlich herausgegriffenen Jahre 2006-2009 lieber über einen größeren Zeitraum sehen möchte, dem sei die Sudie von Foulds, Ramstrom, Burke und Falderstöm ans Herz gelegt. Dort findet man folgende Grafik:

Ich kann den Argumenten, die in diesen beiden Veröffentlichungen vorgetragen so wenig folgen, dass sie mir schon fast wie gezielte Desinformation erscheinen. Und das DKFZ ist mit der WHO verbandelt. Macht das nun das DKFZ glaubwürdiger oder die WHO unglaubwürdiger?

Die nächsten Jahe werden interessant. Die schleichende Prohibition von Zigaretten und e-Zigaretten, sowie die offene Prohibition von Snus werden uns sicher noch viele neue nikotinhaltige Drogen bescheren. Momentan gibt es einen immer stärkeren Schwarzmarkt für Zigaretten. Wann kommt der Schwarzmarkt für e-Zigaretten?

Es geht nicht um die Volksgesundheit. Aber worum geht es dann?




Freitag, 9. März 2012

Exporte nach Bhutan und Honduras

In Rauchverbote als Exportartikel wunderte ich mich darüber, dass in Laos überall Rauchverbotsschilder stehen, die in der typischen Sprache der Verbotsindustrie abgefasst sind. In Bhutan ist man schon einen Schritt weiter.

Der König von Bhutan gilt für viele Westler als ein weiser Mann. Hat er doch als erstrebenswertes Ziel nicht ein hohes Bruttozialprodukt sondern "gross national happiness" definiert. Fernsehen gibt es in Bhutan erst seit 1999. Vielen, die einfache Antworten auf die Probleme der westlichen Welt suchen, gefällt das.

2005 wurde in Bhutan der Verkauf von Tabak verboten, aber 2010 wurde das Gestz etwas gelockert um dem ansteigenden Zigattenschmuggel den Boden zu entziehen.

Der Mönch Sonam Tshering wurde mit 48 Päckchen Kautabak im Wert von 4 Pfund erwischt, die er in Indien gekauft und nicht verzollt hatte. Er wurde zu drei Jahren Gefängnis verurteilt.

In Honduras wurde derweil ein Gestz verabschiedet, dass es Leuten erlaubt ihre Verwandten anzuzeigen, wenn diese in der Wohnung rauchen. Armando Peruga von der WHO lobte das neue Gesetz, bemerkte aber, es wäre besser gewesen, Rauchen zu Hause gleich ganz zu verbieten.

Mittwoch, 7. März 2012

Rauchverbote als Exportartikel

Nicht nur die Tabakindustrie exportiert ihre Produkte nach Asien, die Verbotsindustrie tut das auch. Ihre Werbekampagnen sind leicht zu identifizieren.

Neulich las ich in einem Tempel in Laos ein Schild mit der Inschrift "Smoke free temple". Ich fand das aus mehreren Gründen merkwürdig.

In einem buddhistischen Tempel gibt es immer eine zentrale Halle mit Buddha-Statuen. Bevor man eine solche Halle betritt, zieht man seine Schuhe aus. Niemand käme auf die Idee dort zu rauchen. Diese Halle ist umgeben von der Tempelanlage, einem parkähnliches Gelände, von einer Mauer umgeben und voller Leben. Dort stehen häufig Händer, die Essen brutzeln und mit allerleit Zeugs handeln. Dort unter freiem Himmel zu rauchen, stört niemanden.

In der Halle brennen Räucherstäbchen und die Garküchen sind auch nicht gerade rauchfrei. Aber natürlich bezieht sich rauchfrei nicht auf diesen Rauch, sondern auf Tabakrauch. Aber warum heißt es dann nicht einfach "bitte hier nicht rauchen"?

Luang Prabang ist von der UNESCO zum Welkulturerbe gekürt worden. Dort findet man Schilder mit "Rauchefreies Weltkulturerbe". Offensichtlich sind diese Schilder von einer Organisation angebracht worden. Hat hier die UNESCO einen deal gemacht: wir helfen euch eure Tempel zu restaurieren, dafür dürfen wir unsere Rauchverbotsschilder aufhängen?

Laos ist von Kalifornischen Verhältnissen weit entfernt, eine Schachtel Zigaretten kostet noch 50 Cents und man bekommt Zigaretten an jeder Straßenecke.  40% der laotischen Bevölkerung kann nicht lesen und schreiben, die Lebenserwartung liegt unter 60 Jahren. Das ist genau das Volk, das vor den Gefahren des Rauchens gewarnt werden muss.

Die Verbotsindustrie versucht eine Sprachregelung zu verwenden, in der Verbote wie zusätzliche Freiheiten aussehen. Sie vermeidet Ausdrücke wie "Rauchen verboten" und verwendet stattdessen eine Floskel, die immerhin das Wort "frei" enthält: rauchfrei.

An diesem Sprachgebrauch kann man sie erkennen. Rauchfrei, fettfrei, zuckerfrei alkoholfrei. Das stammt von denen. Oft ist eine solche Sprachanalyse aber gar nicht nötig, denn sie Verbotsindustrie setzt bereitwillig ihre Logos unter ihre Verbotsschilder. Sie sind ja schließlich die Guten.



Dienstag, 20. Dezember 2011

Wissenschaft nach CDC und Pfizer

Die CDC Foundation und der Pharma Gigant Pfizer haben im November 2011 eine Studie angekündigt, deren Ergebnisse bereits feststehen. Das ist an sich nicht ungewöhnlich, nur diesemal fand die Festlegung der Ergebnisse öffentlich statt.

Die Studie soll die ökonomischen Auswirkungen von Rauchverboten untersuchen. Thomas R. Frieden, Direktor der CDC bemerkt dazu: "Rauchfreie Arbeitsplätze, Restaurant und Bars rettet Leben, steigert die Produktivität, reduziert Gesundheitsrisiken und schaden nicht dem Geschäft".

Diese Aussage wurde zu Beginn der Studie veröffentlicht.

Die CDC ist das "Center for Desease Control and Prevention", eine Regierungsorganisation. Die CDC Foundation ist eine gemeinnützige Nichregierungsorganisation, die aber vom amerikanischen Kongress gegründet wurde. Die Pharma Firmen Merck, Pfizer, Roche und viele andere gehören zu ihren Unterstützern.

D. Joe Boone, Marketing Manager der CDC Foundation charaktersiert seine Organisation als "Die CDC Foundation verwaltet nicht nur Budgets. Sie engagiert sich für qualitativ hochwertige Arbeit, sie will sicherstellen, dass das Geld klug ausgegeben wird."





Dienstag, 23. August 2011

Was geht ab in den Kneipen?

Ein Londoner Pub weigert sich zwei Frauen alkoholische Getränke zu servieren, während einige Kneipenbesitzer in Michigan keine Abgeordneten mehr reinlassen.

Als Ali Ineson und Emma Rutherford mit ihren Kindern einen Londoner Pub betraten um ihren Soft-Drinks zu kaufen und sich selbst ein alkoholisches Getränk zu genehmigen, waren sie sehr erstaunt, als der Barman ihnen letzteres verweigerte. Er meine es würde sich nicht gehören vor den Kindern zu trinken.

Indessen wurden in über 500 Etablissements in Michigan Abgeordnete zu unerwünschten Personen erklärt. Die Kneipenbesitzer sind unzufrieden mit dem Ron Davis Gesetz, dass Rauchen in öffentlichen Räumen verbietet.

Protect Private Property Rights in Michigan (PPPRM)

Protect Private Property Rights in Michigan (PPPRM)

Bars werden Verbotsschilder an ihren Eingängen anbringen und ihre Angestellten mit Photos der unerwünschten Personen ausstatten, so dass sie die Gesetzes-Macher erkennen können. Sollten sie doch in einer dieser Kneipen auftauchen, werden sie wegen widerrechtlichen Betretens belangt. Einige Abgeordnete wurden ohne weitere Begründung von diesem Verbot ausgenommen.

Sagte ich bereits, dass die Verbotsindustrie gesellschaftliche Spaltung hervorbringt?

Freitag, 5. August 2011

Warnhinweise auf Zigarettenschachteln

Mit oder ohne Warnhinweise auf Zigarettenschacheln rauchen immer weniger Leute. Es spricht wenig dafür, dass sie wegen der Warnhinweise mit dem Rauchen aufhören. Warum, so fragt man sich, werden trotzdem in immer mehr Ländern diese abschreckende Bilder aufgedruckt?

Letztlich handelt es sich bei den Warnhinweisen um Eigenwerbung der Verbotsindustrie. Das ist schon ein bemerkenswerter Coup. Man stelle sich vor, Ford würde durchsetzen, dass auf Opel Fahrzeugen Ford-Werbung geklebt werden muss.

In einigen Ländern will der Verbotsindustrie nun "plain packaging" durchsetzen, also Packungen auf denen gar keine Bilder mehr sind (auch kein Kamel), so dass alle Zigarettenschachteln mehr oder weniger gleich aussehen. Ich finde damit würden sie sich ins eigene Fleisch schneiden.

Samstag, 16. Juli 2011

Ausweitung der Kampfzone

Die Verbotsindustrie wendet sich zunehmend neuen Märkten zu, allem voran dem Kampf gegen ungesunde Nahrungsmittel. Die eingesetzten Methoden stammen großenteils aus dem erprobten Arsenal der Tabkkontrolle.

Obwohl McDonalds in seinen Restaurants inzwischen auch Salate anbietet und den Kaloriengehalt seiner Speisen angibt, ist an dieser Front kein Frieden in Sicht. Noch gewinnt McDonalds fast jeden jeden Prozess den John Banzhaf gegen ihn anstrengt, aber sollte dieser Konzern mal einen Prozess verlieren, so wird sich das lohnen.

Bis dahin begnügt man sich mit Sticheleien. John Banzhaf hat nun Ronald McDonalds auf dem Kieker und möchte verhindern, dass diese Figur in der Werbung weiterhin eingesetzt werden darf. Er möchte damit - wie könnte es anders sein - die Kinder schützen. Die Kampagne gegen Ronald McDonalds ist eine Neuauflage der Kampagne gegen Joe Camel, die 1997 damit endete, dass Reynolds darauf verzichtete die Figur weiterhin in der Werbung zu verwenden. Obwhol damals die These, dass Joe Camel Teenager zum Rauchen verführe endlos wiederholt wurde, gab es dafür niemals einen schlüssigen Beweis. Im Gegenteil, der Anteil der jugendlichen Raucher fiel während der Amtszeit von Joe Camel. 

  Joe Camel

Ronald McDonald sei - so Banzhaf - genauso schlimm wie Joe Camel und gehöre daher verboten. In diesem Video kann man John Banzhaf life in Aktion sehen. Der Moderator will nicht so recht einsehen, dass man McDonalds mit der Tabakindustrie gleichsetzen kann und macht seinen Zweifeln lautsark Luft. Am Ende schreien sich die beiden einige Minuten lang an.

Interessantere Dinge passieren dagegen in Ungarn. Ab September werden dort Nahrungsmittel mit einem hohen Zucker, Salz, Koffein oder Kohlenhydrat-Anteil mit einer extra Steuer belegt. Noch füllt diese Steuer einfach die ungarische Staatskasse, und die Verbotsindustrie wird noch einige Überzeugungsarbeit leisten müssen, um an diesen Topf heranzukommen.

In Deutschland ist eine solche "Hamburger Steuer" noch nicht geplant. In einer Umfage des Berliner Kuriers spachen sich rund zwei Drittel der Befragten gegen eine solche Steuer aus, aber rund ein Drittel ist dafür. Für die Verbotsindustrie dürften das gute Nachrichten sein. Es fehlt nicht mehr viel und diese Steuer wird auch in Deutschland mehrheitsfähig.

 

 

 

Donnerstag, 2. Juni 2011

So gefährlich wie Rauchen

Dass Rauchen der Gesundheit schadet ist derzeit dermaßen unumstritten, dass andere Laster gerne mit dem Argument verteufelt werden, sie seien "so gefährlich wie Rauchen", oder sogar noch gefährlicher.

Snus: Der rauchfreie Lutschtabak aus Schweden wird von manchen als 90-98% weniger gefährlich als Zigaretten eingestuft. Andere Veröffentlichungen behaupten er wäre genauso gefährlich wie Rauchen.  Snus der in Amerika verkauft wird muss einen Aufkleber mit der Warnung "dieses Produkt ist keine sichere Alternative zum Rauchen" tragen.

Passivrauchen: man muss nicht lange suchen, um Veröffentlichungen zu finden, die behaupten Passivrauchen sei so gefährlich wie Rauchen oder sogar noch gefährlicher. Befragt man seine Bekannten, so wird man ebenfalls ohne Mühe Leute finden, die an diese These glauben.

Einsamkeit: Professor John Cacioppo von der University of Chicago hat herausgefunden, dass Einsamkeit genauso gefährlich ist wie Rauchen. Andere Untersuchungen scheinen dies zu bestätigen. Ähnliches hat man über Depressionen herausgefunden.

Alkohol: in diesem BBC Artikel wird im Titel (und nur dort) behauptet, Alkohol würde fast ebensoviele Gebrechen verursachen wie Rauchen.

Sonnenbänke: "Ich hoffe, es wir die Zeit kommen, in der bewiesen ist, dass Sonnebnräune genauso gefährlich ist wie Rauchen", schreibt eine Kommentator. Auch hier wird im Titel (und wieder nur dort) behauptet: "Sonnenbänke sind so gefährlich wie Rauchen".

Übergewicht: Übergwichtige über 40 sterben im Schnitt mindestens drei Jahre früher als "gesunde" Erwachsene. Das ist das selbe Risiko wie bei Rauchen. Das wollen holländische Forscher herausgefunden haben.

Videospiele: Die Universität von Michigan will herausgefunden haben, dass brutale Videospiele fast so gefährlich wie Rauchen sind.

Oralsex: Die Universität von Wisconsin will herausgefunden haben, dass Oralsex gefährlicher ist als Rauchen, schreibt HealthMad.

Mobiltelefone: werden im Independent als "gefährlicher als Rauchen" bezeichnet.

Homosexualität: Sex unter gleichgeschlechtlichen reduziert die Lebenserwartung um 24 Jahren, weit mehr als Rauchen, wollen Forscher der Eastern Psychological Association herausgefunden haben.

Zucker: Zucker sei eine Droge, die gefährlicher ist als Rauchen und eine hoher Cholesterinspiegel zusammen, schreibt die Irishtimes.


Dienstag, 17. Mai 2011

Das Snus-Verbot gefährdet ihre Gesundheit

Im Kampf gegen das Rauchen ist Schweden das erfolgreichste Land der EU. In keinem Land der EU wird weniger geraucht als in Schweden und nirgendwo sind tabakbedinkte Erkrankungen so selten wie in Schweden. Die schwedischen Männer haben vor einigen Jahren rauchfreien Tabak ("Snus") wiederentdeckt und sind seitdem eine Menge Probleme los. Die Frauen sind da zögerlicher und bleiben eher bei der Zigarette.

Das British Medical Journal schreibt: "Lungenkrebs und Herzinfarkte sind bei schwedischen Männern viel stärker zurückgegangen als bei schwedischen Frauen und sind im Vergleich mit anderen Ländern relativ selten. [...] Die Verfügbarkeit von Snus in Schweden scheint einer der Gründe für die ungewöhnlich niedrige Raucherquote der schwedischen Männer zu sein".

Man würde erwarten, dass die anti-Raucher Organisationen und andere Mitglieder der Vorbotsindustrie einheitlich "hurra" rufen. Man würde sich nicht wundern, wenn die EU alles daran setzte Snus auch in anderen europäischen Ländern einzuführen und beispielsweise die Mehrwertsteuer senken würde. Auf den Zigarettenschachteln könnte stehen "Snus ist viel ungefährlicher als Rauchen". Aber nichts von alleden passiert. Im Gegenteil.

Der Verkauf von Snus ist seit 1992 in der EU (Schweden ausgenommen) verboten.

Man kann der EU zugute halten, dass es 1992 vor allem um amerikanischen Oraltabak ging, der gegenüber schwedischem Snus einige zusätzliche Gesundsheitsrisiken birgt. Dennoch: auch amerikanischer "Dip" ist weniger schädlich als Rauchen.

Dass Snus  vollkommen ungefährlich ist behauptet niemand. Auch "mit Gurt fahren" ist nicht vollkommen ungefährlich, dennoch käme niemand auf die Idee Sicherheitsgurte zu verbieten, mit dem Hinweis, die Leute sollten doch öffentliche Verkehrsmittel benutzen und der Gurt würde letztlich nur den Umstieg auf öffentliche Verkehtsmittel verzögern. Niemand käme auf die Idee Sicherheitsgurte mit dem Hinweis: "Fahren mit Gurt ist keine sichere Alternative zum Fahren ohne Gurt" zu versehen.

Snus in der Öffentlichkeit
Anti-Tabak Organisationen sind keineswegs erfreut über Snus. Das ist erstaunlich, denn Snus verursacht keinen Krebs und schädigt niemanden durch Passivrauch. Das sind aber die beiden Hauptargumente der anti-Tabakorganisationen gegen das Rauchen. Warum, so fragt man sich, bestehen diese Organisationen darauf, dass lediglich Nikotinpflaster und Kaugummis probate Mittel sind, mit dem Rauchen aufzuhören? Haben wir es hier mit gezielter Desinformation zu tun?

Die Universität von Texas  ist in einer Studie der Frage nachgegangen in wie weit die Risiken von Snus im Internet übertrieben dargestellt werden. Sie kamen zu dem Schluss, dass "durch diese Web-Seiten  den Rauchern nahegelegt wird, sie könnten gerade so gut weiter rauchen, falls es ihnen besser gefällt. Rauchern und Richtlinienverantwortlichen wird suggeriert, dass es keine Chance für Schadensbegrenzung gibt. Diese Nachrichten sind offensichtlich falsch, wahrscheinlich gefährlich und verstoßen gegen ethische Normen".

Hier ist ein (englischer) Beitrag von CBS zum Thema Snus

Immerhin kommt in diesem Beitrag auch ein Wissenschaftler zu Wort, aber ihm wird eine  anti-Tabak Aktivistin gleichberechtigt gegenübergestellt, deren Argumentation sich auf einem völlig anderen Niveau bewegt.

Die Argumente gegen Snus
Kinder: Kinder könnten Snus nehmen. Es wird argumentiert, dass die Aufmachung insbesondere von amerikanischen "big tobacco" Snus-Sorten speziell Kinder ansprechen soll.

Krebs: Snus verursacht keinen Lungenkrebs. Es gibt möglicherweise ein leicht erhöhtes Risiko an Bauchspeicheldrüsenkrebs zu erkranken. Das ist allerdings eine so seltene Form von Krebs, dass man 10% mehr Bauchspeicheldrüsenkrebs keinesfalls gegen 10% weniger Lungenkrebs aufrechnen kann. Und Rauchen verursacht immer noch mehr Bauchspeicheldrüsenkrebs als Snus. Auch Mundhöhlenkrebs wird von Snus nicht verursacht, obwohl das auf den ersten Blick plausibel erscheint.

Dual use:  Es besteht die Gefahr, dass Snus nicht etwa das Rauchen ersetzt, sondern als zusätzliches Risiko hinzukommt. Sprich: es reift eine Generation von Snusern heran, die Snus und Zigaretten konsumieren. Die Erfahrung aus Schweden lässt dies nicht gerade wahrscheinlich erscheinen, wenn auch der eine oder andere dual-user schon gesichtet wurde.

Die Tabakindustrie
Die Tabakindustrie würde sicher lieber Zigaretten verkaufen als Snus in den Mark einzuführen. Für Zigaretten stehen die Vertriebswege und die Werbekampagnen. Ein neues Produkt macht da erstmal Ärger. Aber Snus ist ein Produkt der Tabakindustrie. Auch die Großen, wie Reynolds und Philip Morris haben inzwischen ihre eigenen Snus Marken am Start.

Klar, der Tabakindustrie kann man nicht trauen, aber im Falle von Snus spielt die Verbostsindustrie das falschere Spiel. Sie profitiert von dem Misstrauen, dass den Tabakkonzernen entgegengebracht wird. Jeder glaubt instinktiv, dass das Snus-Verbot auf dem Mist der Tabakindustrie gewachsen ist. Es ist aber bestenfalls eine Gemeinschaftsproduktion zwischen der Verbotsindustrie und der Tabakindustrie. Die Verbotsindustrie hat hier aber mehr zu verlieren.

Nichts schreckt sie mehr als eine Welt, in der niemand mehr raucht. Keine Tabaksteuereinnahmen mehr, ein großer Teil ihre Existenzberechtigung schwände dahin. Klar, auch die Verbotsindustrie kann andere Produkte vermarkten. Aber bis sie z.B. den Kampf gegen Fettleibigkeit so populär gemacht hat wie den Kampf gegen das Rauchen können viele Jahre vergehen. Darauf ist sie nicht scharf.

Anti-Raucher Organisationen bekämpfen auch die e-Zigarette. Die Situation ist hier ähnlich: die Leute hören auf Zigaretten zu rauchen und die Gefahren sind relativ gering. Dennoch wird davon abgraten, und die Produkte der Pharmaindustrie werden als einzig akzeptablen Ausweg befürwortet. Aber das ist eine andere Geschichte.

Schwarzmarkt
Bis Anfang 2011 konnte man Snus in der EU immerhin per Internet aus Schweden bestellen. Jetzt geht auch das nicht mehr und die europäischen Snuser fangen wieder an zu Rauchen. Der Schwarzmarkt für Snus ist noch nicht entwickelt, der Markt ist nicht sehr groß und mit Zigarettenschmuggel lässt sich viel mehr verdienen, zumal die periodisch verhängten Steuererhöhungen den Zigarettenschmugglern immer mehr Kunden in die Arme treiben.

Im Gegensatz zu Zigarettenschmugglern könnten Snus-Schmuggler allerdings von sich behaupten etwas für die Gesundheit der Bevölkerung zu tun. Wenn etwas zivilen Ungehorsam rechtfertigt oder gar erforderlich macht, dann das Snus-Verbot in der EU.

Vielleicht werden sich ja die Koks-Dealer in Zukunft ein kleines Zubrot mit Snus verdienen können. Logisch wäre das, denn ihr Konkurrent, die Pharmaindustrie vertreibt ja neben allerlei Glücklichmachern ebenfalls Nikotin.

Lediglich in Finnland gibt es zur Zeit einen entwickelten Schwarzmarkt für Snus.

Die Tabakrichtlinie
Die Tabakrichtlinie der EU, in der das Snus-Verbot seinerzeit festgeschrieben wurde, wird gerade überarbeitet. Die schwedische Regierung drängt derzeit die EU, den Verkauf von Snus in der EU freizugeben. Es gäbe "kein Argument, durch das sich das Snus-Verbot begründen ließe" sagt der Schwedische Minister für Gesundheit und Soziales Göran Hägglund.

Die Chancen für eine Aufhebung des Verbots stehen allerdings schlecht. Die Verbotsindustrie ist derzeit  mächtiger denn je. Ob sich die EU-Legislative in Zukunft einzig von gesundem Menschenverstand und Logik leiten lässt  wird sich zeigen.

Es besteht jedoch wenig Zweifel daran, dass die derzeit gültige Tabakrichtlinie der Volksgesundheit mehr schadet als nützt. Man kann davon ausgehen, dass das Snus Verbot andere Gründe hat als den Schutz der Gesundheit. Sollte das Snus-Verbot fortbestehen, sollte man auf der Tabakrichtline einen Warnhinweis anbringen.





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Blut klebt an den Händen der Tabakkontrolle










Dienstag, 10. Mai 2011

Rauchen belastet das Gesundheitssystem - nicht

Nicht nur die Pharmaindustrie und die anti-Tabak Organisationen haben ein Interesse daran, dass Raucher weiter Raucher bleiben, auch die Finanzminister können auf die Tabaksteuer nur schwer verzichten.

Dass Raucher das Gesundheitssystem belasten wird häufig behauptet. Andere sagen, dass sie das Gesundheitssystem eher finanzieren als ihm zu schaden. Schauen wir uns die Zahlen einmal an:

Rauchen fügt der EU jährlich Schaden in Höhe von 2,46 Milliarden Euro zu. Darin enthalten sind die Kosten für die Behandlung von erkrankten Rauchern und Nichrauchern sowie die Kosten für verlorengegangene Produktivität von erkrankten Rauchen und Nichtrauchern. Dem stehen aber Steuereinnahmen in Höhe 73,76 Millarden Euro gegenüber.

Passivrauchen, als Ursache für tabakbedingte Erkrankungen von Nichtauchern ist ein höchst umstrittenes Risko (es gibt einfach viel zu viele unseriöse Studien dazu). Ich persönlich glaube, dass die Kosten für die Behandlung von Nichtrauchern nicht wirklich anfallen, da Nichtraucher nicht unter tabakbedingten Erkrankungen leiden. Das macht die Rechnung aber nur noch extremer: die EU braucht Raucher.

In Schweden ist durch die zunehmende Verbeitung von Snus der Anteil der Raucher deutlich gesunken und ist derzeit niedriger als irgendwo sonst in der EU. Würde die gesamte EU diesem Beispiel folgen, so könnte die EU jährlich über eine Milliarde Euro sparen, die derzeit für die Folgen des Rauchens ausgegeben werden. Da Snus (derzeit) niedriger besteuert wird als Zigaretten, würden aber Steuereinnahmen in Höhe von 18 Milliarden Euro wegfallen.

Verschiedene Mitgliedsstaaten der EU sind sehr unterschiedlich von der Tabaksteuer abhängig. Schweden könnte auf Tabaksteuer leicht verzichten - und macht es seinen Bürgern leicht mit dem Rauchen aufzuhören. Erfreulich ist, dass Deutschland hier gar nicht so schlecht darsteht. Das extrem raucherfeindliche Irland ist dagegen stark von der Tabaksteuer abhängig. Spitzenreiter ist aber Griechenland.




Die Nikotinimpfung kommt

Die regierungsnahe Gruppierung Socidrogalcohol berichtet, dass Raucher ab 2012 eine anti-Nikotinimpfung erhalten können.

Die Impfung verwendet "vergnügungshemmende" Substanzen, die dafür sorgen, dass  Raucher beim Konsum von Nikotin keine angehemen Empfindungen mehr haben. Hätte mir vor 10 Jahren jemand gesagt, dass eine Droge auf den Markt kommen wird, die Vergnügen verhindert - ich hätte es nicht geglaubt.

Die Zeichen mehren sich, dass sich die Pharmaindustrie nicht nur um Raucher verdient machen will, sondern auch an ihnen verdienen will. Es ist auch nicht uninteressant sich einmal anzuschauen wen Pfizer so alles unterstützt. Allerdings sind die Summen nicht gerade astronomisch - gerade mal $25.000 für ASH (Actions on Smoking and Health).




Donnerstag, 5. Mai 2011

Die Verbotsindustrie

Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit ist ein Industriezweig entstanden, der es durchaus mit Big-Pharma und Big-Tobacco aufnehmen kann. Er betreibt aggressive Werbung, arbeitet multi-nationational aber er stellt nichts Sinnvolles her. Er kann sich ungehemmt ausbreiten, weil er das Immunsystem der Informationsgesellschaft angreift. Die Rede ist von der Verbotsindustrie.

Die Produkte
Firmen der Verbotsindustrie sind selten börsennotierte Unternehmen und sie nehmen nicht an Tariverhandungen teil. In vielerlei Hinsicht ähneln sie der Verwaltung, insbesondere in ihrem Bestreben vor allem zu wachsen. Im Gegensatz zur Verwaltung agiert die Verbotsindustrie aber auf dem Markt. Die kämpft um Marktanteilen, Budgets und öffentliche Aufmerksamkeit. Verwaltung ist nur lästig. die Verbotsindustrie ist aber gefährlich.

Die Verbotsindustrie beschert und Problembewusstsein, gesellschaftliche Spaltung, Studien und natürlich Verbote. Verbote selbst sind aber keine Einnahmequelle dieser Industrie. Sie verdient nichts an Verboten. Sie verdient and dem Prozess, der (möglicherweise) zu Verboten führt.

Das eigentliche Produkt der Verbotsindustrie sind Medienviren.

Problembewusstein
Zu Beginn des 20ten Jahrhundets war Absinth eine beliebte Droge. Es formierten sich jedoch die Absinthgegner und behaupteten
Absinth macht kriminell, führt zu Wahnsinn, Epilepsie und Tuberkulose und ist verantwortlich für den Tod tausender Franzosen. Aus dem Mann macht Absinth ein wildes Biest, aus Frauen Märtyrerinnen und aus Kindern Debile, er ruiniert und zerstört Familien und bedroht die Zukunft dieses Landes
Nach einem (!) spektakulären Mord durch einen Alkoholiker, bei dem der Mörder neben einer Menge Wein auch zwei Gläser Absinth getrunken hatte, wurde Absinth in Belgien verboten, später auch in der Schweiz und anderen Ländern der heutigen EU.  Das Problembewusstsein war geschaffen und die Öffentlichkeit alarmiert.

Inzwischen ist das Absinthverbot weitgehend aufgehoben, Heutzutage schert sich niemand mehr um Absinth. Aber die Sucht nach Problembewusstsein ist ungebochen. Der Gedanke, dass die eigene Misere durch jemand außenstehnenden verursacht sein könnte ist einfach zu verführerisch. Um Problembewusstsein hervorzurufen braucht es einen starken Gegner, wie die Absinthindustrie, oder heutzutage die Atomindustrie, die Tabakindustrie, die Pharmaindustrie oder die Zuckerindustrie.

In der Regel koaliert die Verbotsindustrie aber mit mindestens einer anderen Industrie, da sie selbst ja gar  nichts Sinnvolles herstellt. Im Falle von Absinth waren das die Weinbauern, als Verbündeter gegen die Atomindustrie taugen die Hersteller von grüner Energie, gegen die Tabakindustrie hilft die Pharmaindusttrie, gegen die Zuckerindustrie die Bio-Industrie.

Überzeugungstäter
Ein neuer Zweig der Verbotsindustrie wird in der Regel durch Überzeugungstäter vorbereitet. Diese glauben tatsächlich an ihre Mission, arbeiten unentgeltlich und sind manchmal bei klarem Verstand. Alleine mit solchen Leuten kann man aber keine multi-nationale Industrie aufbauen, sie bereiten lediglich den Boden für die Industriebosse, die anschließend das Territorium übernehmen.

Überzeugungstäter genießen eine gewisse Achtung in unserer Gesellschaft. Da die Verbots-Bosse in die Fußstapfen von Überzeugungstätern treten, bleiben sie lange unverdächtig. Oft werden sie von den Überzeugungstätern noch lange unterstützt. Die Kälber folgen der Trommel, deren Fell aus ihren Häuten hergestellt wird. Dies ist einer der Mechanismen, die das Immunsystem der Informationsgesellschaft angreifen.

Gesellschaftliche Spaltung
Die Absinthhersteller und die Weinbauern waren sich nicht grün. Was das vorteilhaft für die Verbotsindustrie? Absolut! Denn die Verbotsindustrie braucht wie kaum eine andere Industrie Öffentlichkeit. Kaum etwas bringt so viel öffentliche Aufmerksamkeit wie ein gesellschaftlicher Dissens. Heutzutage streiten sich Atomkraftbefürworter mit den -Gegnern, Raucher mit Nichtrauchern, Schlanke mit Dicken, Kampfhundbesitzer mit Nichtkampfhundbesitzern, Waffenliebhaber mit Waffengegnern.

Eine gesellschaftliche Spaltung schützt die Verbotsindustrie zuverlässig davor überhaupt als Industrie wahrgenommen zu werden. Alle sind zu sehr damit beschäftigt, sich mit ihren jeweiligen Kontrahenten zu streiten. Das ist ein weiterer Mechanismus, der das Immunsystem der Informationsgesellschaft außer Kraft setzt.

Sehr wahrscheinlich werden die Dicken als nächtes ins Visier genommen. Die Voraussetzungen sind einfach zu ideal. Es gibt weniger Dicke als Schlanke. Das ist eine Grundvoraussezung, denn mit der Mehrheit mag man sich nicht anlegen. Die Dicken schämen sich. Wer gegen Dicke vorgeht muss daher nicht mit allzugroßer Gegenwehr rechnen. Sie sind sogar noch willigere Opfer als die die Raucher, die sich ja oft pudelwohl in ihrer Haut fühlen. Dazu gibt es noch eine Industrie, die man an den Pranger stellen kann, nämlich die fast- und andere food Industrien.

Studien
Studien sind eine der Einnahmequellen der Vorbotsindustrie. Wer glaubt, dass der Sinn von Studien darin liegt einem Sachverhalt auf den Grund zu gehen hat zwar Recht, wird aber oft enttäuscht.

Wenn man heute die Studie von Richard Doll und Bradford Hill liest, in denen sie 1950 erstmals den Zusammenhang zwischen Lungenkrebs und Rauchen untersucht haben, findet man sich in einer heilen Welt. Diese Arbeit ist von einem wissenschaftlichen Anstand durchsetzt, den sich die Verbotsindustrie heute nicht mehr leistet. Heute wird kaum mehr eine Studie veröffentlich ohne den obligatorischen Zusatz weitere Forschung wird nötig sein um ... Oder anders gesagt: gebt mir noch mehr Geld.

Den wissenschaftlichen Anstand hat die Verbotindustrie auf ein unerträglich niedriges Niveau gedrückt. Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Zusammenfassung nicht den Forschungsergebnissen entspricht und in der heutigen Informationsgesellschaft liest kaum einer mehr als die Zusammenfassung. So wird ein blutdrucksenkender Effekt schon mal zu einem butdruckerhöhenden Effekt zusammengefasst (wobei natürlich weitere Forschungen benötigt werden, um das Ergebnis abzusichern).

Der rutschige Abhang
Studien sind aber nicht nur eine Einnahmequelle sondern auch ein Mittel um Verbote selbst durchzusetzen. Dabei ist es wichtig, dass die Verbote keinen wirklichen Effekt haben. Wenn ich - sagen wir - Streichhölzer verbieten möchte und der Gesetzgeber stimmt mir zu und Streichhölzer verschwinden vom Mark, dann steht die Verbotsindustrie dumm da, denn das Problem ist ja gelöst. Wieso sollte jemand noch weitere Studien über die Gefahren von Streihhölzern finanzieren wollen, wieso sollte noch jemand in eine Organisation "gegen Streichhölzer" investieren? Und wenn die Verbotsindustrie zuvor von der Streichholzsteuer finanziert wurde hat sie sich jetzt ordentlich ins eigene Fleisch geschnitten.

Nein, die Streihhölzer müssen am Markt bleibeben, sonst beraube ich mich meiner eigenen Geschäftgrundlage. Das lässt sich aber nicht immer erreichen. Wenn so etwas passiert, dann muss ich mich notgedrungen nach einem neuen Geschäftsfeld umsehen und z.B. gegen Feuerzeuge vorgehen.

Diesen Effekt bezeichnet Christopher Snowdon als den rutschigen Abhang ("slippery slope"). Gemeint ist, dass die Verbotsindustrie kein wirklich erreichbares Ziel verfolgt, sondern vor allem daran interessiert ist, ihren Marktaneil auszubauen. Es ist nicht zu erwarten, dass die Verbotsindustrie irgenswann einmal sagt: nun ist alles verboten, was wir für verbietenswert erachten, wir ziehen uns jetzt zurück. So würden Überzeugungstäter argumentieren, aber keine Industrie.

Verbote
Verbote gelten heutzutage als bemerkenswert ungefählich. Es gibt kein Verbot von Verboten.

Wie wird die Verbotsindustrie vorgehen, um Dicke auszuschlachten? Man könnte die food Industrie dazu zwingen auf Werbung zu verzichten, man könnte sie zusätzlich besteuern und die Steuereinnahmen der Verbotsindustrie zukommen lassen. Man kann Studien in Auftrag geben (und weitere Studien verlangen). Man könnte  auf Warnhinweisen in McDonalds bestehen, die darauf hinweisen dass fast-food Fettleibigkeit hervorruft.

Irgendwann wird der erste Dicke einen Prozess gegen die food-Industrie  gewinnen, weil sie ihn zum Dicken gemacht hat. Den Anwälten läuft jetzt schon der Speichel im Munde zusammen wenn sie daran denken. Und am Ende schneidet man der food Industrie einige Milliarden aus den Rippen, wie beim Master Settlement Agreement mit der Tabakindustrie, die man anschließend zumindest teilweise der Verbotsindustrie zukommen lässt.

Wenn sich die Verbotsindustrie die Dicken vorknöpft müsste sie sich eigentlich die jährlich rund 100 gestorbenen magersüchtigen Mädchen vorwerfen lassen. Aber dagegen ist sie gefeit, denn wenn jemand die Verantwortung an Magersucht trägt, dann das Schönheitsideal, die Modemagazine aber keinesfalls die Verbotsindustrie.

Die Verbotsindustrie ist grundsätzlich für nichts verantwortlich, das ist der Charme an der Sache. Wenn man an die große Zahl von Todesfällen glaubt, die durch Rauchen und Passivrauchen verursacht werden, dann muss das Snus Verbot (rauchfreier Tabak) in der EU zu sehr vielen Todesfällen führen. Diese Todesfälle hat die Verbotsindustrie zu verantworten, aber sie wird nicht als Verursacher wahrgenommen.

Medienviren
Das Marketingkonzept der Verbotsindustrie basiert vor allem auf Medienviren oder Memen. Dabei geht es darum eine Nachricht so zu lancieren, dass sie sich möchst stark vermehrt und verbreitet. Hierbei erfolgt der entscheidende Angriff auf das Immunsystem der Informationsgesellschaft.

Auch ein mündiger Bürger hat keine andere Wahl, als sich über die Medien zu informieren. Wenn es nun gelingt, die Medien derart mit Fehlinformationen zu überschwemmen, dass auch ein intelligenter Mensch immer und immer wieder auf die gleiche Fehlinformation stößt, so wird er diese irgendwann glauben. Die Fehlinformation muss dabei nicht einmal plausibel sein. Es geht einzig und alleine um die Häufigkeit mit der man diese Information findet.

Dabei hilft es emotional bewegende Themen zu besetzten. Kinder werden hierfür gerne eingespannt ("viele Kinder sind zu dick"). Gerne genommen werden auch Todesraten. Der Wahrheitsgehalt der vorgetragenen Thesen spielt dabei kaum eine Rolle.

Empfohlene Reaktion
Wenn jemand vorschlägt etwas zu verbieten, macht man in aller Regel keinen großen Fehler, wenn man ihn als Angehörigen der Verbotsindusrie auffasst und seinem Anliegen misstraut. Menschen die etwas verbieten wollen muss man als extrem verdächtig einstufen. Wird auf eine emotional aufwühlende Art argumentiert wird, dann ist höchste Vosicht geboten.

Vorsicht ist aber bereits geboten, wenn eine neue Gefahr am Medienhimmel erscheint. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass es noch etwas gibt vor dem man Angst haben sollte, vor dem aber noch niemand Angst hat.

Wenn auf Studien verwiesen wird, dann lohnt es sich oft diese Studien auch zu lesen, oder sich zumindest die Kritiken der Studien anzuschauen. Wenn behaupten wird ein "Verband" hätte etwas festgestellt, dann sollte man sich vergewissern, dass es diesen Verband überhaput gibt.

Aber wie gesagt: wer sich lieber schnell entscheiden möchte fährt nicht schlecht mit der Devise: er will mir Angst machen, also hat er unrecht.