Erst nahmen sie sich die Raucher vor ...

Erst nahmen sie sich die Raucher vor und ich habe den Mund gehalten. Dann nahmen sie sich die Trinker vor und ich habe den Mund gehalten. Dann nahmen sie sich die Dicken vor und ich habe den Mund gehalten. Dann nahmen sie sich mich vor. (Frei nach Martin Niemöller)
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Dienstag, 26. Juli 2016

Rassismus, Sexismus, Pohibitionismus

Rassismus, Sexismus und Pohibitionismus werden selten in einem Atemzug genannt. Gemeinsamkeiten sind aber durchaus vorhanden, gesellschaftliche Ächtung erfahren aber nur die ersten beiden.

Keine Sichere Seite

Viele empfinden Prohibition als die "sichere Seite". Wenn man's nicht genau weiß, dann verbietet man's halt oder stellt sich zumindest auf die Seite der Verbieter. Das ist eine naive Vorstellung. Prohibition hat ungeheures Leid hervorgerrufen.

Es werden Lebenswege und Karrieren zerstört, die Polizei bekommt einen Anreiz zur Korruption und ganze Länder versinken im Chaos der Drogenkartelle. Drogenkartelle werden durch die künstlich hochgehaltenen Drogenpreise überhaupt erst lukrativ. Und da es keinen legalen Weg gibt den Markt zu bedienen, entsteht ein Geschäftsmodell für Leute, die sich um's Gesetz nicht scheren und das Gesetz des Stärkeren anwenden.

Prohibition ist keine vorsichtige Maßnahme. Es ist ein großer Hammer. Eine Chemotherapie für die Gesellschaft. So etwas wendet man nicht leichtfertig an.

Staus Quo erhalten

Als Frauen noch nicht wählen durften und Schwarze die hinteren Sitze im Bus nehmen mussten wurden Gründe ins Feld geführt, warum das so sein muss. Wie wir heute wissen, waren dies nur Scheinargumente. Es ging vor allem darum, den Staus Quo zu erhalten und den Wenigen, die Zugriff auf die Gesetzgebung haben zu Macht und Einfluss zu verhelfen.

Beim Prohibitionismus ist das nicht viel anders. Man kann davon ausgehen, dass es beim Prohibitionsimus um Eines niemals geht: die Gesundheit der Bevölkerung. Der Schutz der Gesundheit ist ein vorgeschobenes Argument, das einer kritischen Überprüfung nicht stand hält.

Vorbote von Substanzen sind immer anders motiviert, politisch, wirtschaftlich, aber auch ethnisch. Damit rückt der Prohibitionismus in die unmittelbare Nähe des Rassismusses. Es ist quasi der kleine Rassissmus an dem sich auch Gutmenschen erfreuen können.

Gesellschaftliche Spaltung

Alle drei "ismen" fördern die Spaltung der Gesellschaft. Eine Gruppe darf sich besser fühlen als die andere und auf diese herabblicken. Dieser Meschanismus ist derzeit bemerkenswert weit akzeptiert.

Einige Gruppen sind durch Gesetze und Konventionen besonders geschützt. Dazu zählen heute ethnische Minderheiten, Frauen und Homosexuelle. Wer seinen Drang auf andere herabzublicken befriedigen will muss sich daher eine andere Gruppe suchen. Da helfen die Prohibitionisten: auf Drogenkonsumenten, Raucher, ja sogar auf Dampfer darf man ungestraft herabblicken. Probitionisten schaffen "Neger für den kleinen Mann".

Funktioniert nicht

Ich glaube, dass einige unserer Errungenschaften, wie Menschenrechte, Demokratie und die freie Gestaltung des eigenen Lebenswegs nicht in einem methaphyischen Sinne "richtig" sind, sondern dass sie vor allem gut funktionieren. Rassistische oder sexistische Gesellschaften existieren zwar, aber sie funktionieren nicht besonders gut.

Auch Prohibitionismus funktioniert nicht. Damit meine ich, dass eine Gesellschaft durch Prohibitionismus nicht besser wird. Ich würde es begrüßen, wenn das "Recht auf Rausch" zu den Menschenrechten hinzugefügt wird. Ich vermute, dass es nur deshalb in der Bill of Rights nicht enthalten ist, weil damals niemand ahnen konnte, dass dieses Recht einmal beschnitten werden wird.

Im industriellen Maßstab

Heute ist Prohibitionismus eine Billion-Dollar Industrie geworden. Große Summen werden dem Steuerzahler weggenommen und in die Taschen der Prohibitionsiten gesteckt. Viele der Akteure firmieren als gemeinnützige Nichtregierungsorganisationen.

Das perfide an dieser Industrie ist, dass man sich ihr nicht einfach daruch entziehen kann, dass man ihre Produkte nicht kauft. Gemeinnüzige Organisationen genießen ferner besondere Privilegien. Sie erhalten Steuererleichterungen und müssen keine Bilanzen veröffentlichen.

Das ist eine Schattenindustrie, die sich der demokratischen Kontrolle fast vollständig entziehen kann. Wer Böses im Schilde führt, der gründet heute keine ordentliche Firma mehr. Auch eine "Gang" ist nicht optimal.

In einem Atemzug


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Probitionsimus kann man wirklich in einem Atemzug mit Rassismus und Sexismus nennen. Rassismus dient weder den Schwarzen noch den Weißen, sonderen einigen Wengigen. Sexismus bringt der Mehrheit keinerlei Nutzen und beim Probitionismus ist es nicht anders.







Mittwoch, 9. Dezember 2015

Raucht weiter, liebe Kinder

Die Bundesregierung will den Verkauf von e-Zigaretten an Jugendliche verbieten. Was erschüttertist, ist der Stil der Diskussion.

Eigentlich harmlos

Kindern etwas zu verbieten ist eigentlich eine ziemlich sichere Sache. Kinder dürfen ja nicht wählen. Und die Erwachsenen freuen sich, dass das Verbot sie selbst nicht betrifft. Kinder spielen in diesem Zusammenhang die Rolle der "anderen", denen man ungestraft Wasser predigen darf. Wenn man den Erwachsenen etwas verbieten will, fängt man am besten mit den Kindern an und weitet später das Verbot als "logischen Schritt" auf die Erwachsenen aus.

Auch das Verkaufsverbot von e-Zigaretten an sich wird keinen großen Schaden anrichten. Die Gesundheit der Kinder wird dadurch nicht nennenswert geschädigt, denn Kinder interessieren sich ohnehin kaum für e-Zigaretten, zumindest taten sie es nicht, als sie ihnen noch nicht per Gesetz vorenthalten wurden.

Der eine oder andere jugendliche Raucher wird wohl davon abgehalten werden das Rauchen zu Gunsten der e-Zigarette aufzugeben, aber das sind nicht viele. Eine Studie in den USA fand heraus, dass ein Verkaufsverbot von e-Ziagerren die Raucherquote bei Jugenlichen um gerade mal 0,9 Prozentpunkte steigen lässt.

So gesehen ändert das Verkaufsverbot an Kinder erst einmal gar nichts. Es ist aber ein willkommener Anlass die Nachricht "raucht um Gottes Willen weiter" unters Volk zu bringen.

Profülen-Glükol

Die vielen 'Ü's verwirren
Einige Politiker machen sich zum Narren, wenn sie einen Redebeitrag zur e-Zigratte ablieferen. Das wird schon mal Form-Aldehyd zu Formal-Dehüd (Schwesig), Propylen-Glykol zu Profülen-Glükol (Launert) und Nitrosamine werden zu Nitro-Saminen (auch Launert). Das passiert leicht, wenn man einen diktierten Text einfach abliest.

Diktiert wurden die Texte vom Deutschen Krebsforschunginstitut (DKFZ) und vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Die beiden werden offen zitiert, als wären sie etwas Gutes. Ersteres vertritt die Pharma-Indusrie und Letzteres die Regierung. Keine dieser Organisationen hat die Befugnis in Deutschland Gesetze zu machen, so wenig wie jede andere Lobby-Organisation.

Das ist es, was viele Dampfer auf die Palme bringt: eine Handvoll Politiker tragen praktisch alle den gleichen Text vor.

Hinzu kommt, dass die gesamte Presse ebenfalls aus den immergleichen DKFZ und BfR Pressemitteilungen zitiert. Die tatsächliche Faktenlage, wie sie beispielsweise auf Wikipedia dargelegt wird, bleibt völlig unerwähnt.

Leere Sitze bei der ersten Lesung
Die Kritik der Dampfer richtet sich nicht gegen das Verkaufsverbot an sich, sondern gegen den Stil der Diskussion. Kritisiert wird, dass die Stimmen von Verbrauchen und Wissenschaftlern nicht gehört werden.

Bei der ersten Lesung war kaum jemand im Plenarsaal anwesend. Und hier geht es immerhin um zigtausend Menschenleben. Wenn zwei dubiose Organisationen über deren Schicksal entscheiden dürfen, was kommt dann als Nächstes?


Einstiegsdroge

Es gibt tatsächlich Jugendliche, die zuerst e-Zigaretten probiert haben und dann auf Tabakzigaretten umgestiegen sind. Es sind nicht viele, aber es gibt welche. Damit ist klar, dass der Konsum von e-Zigaretten keinen 100%igen Schutz vor einer Karriere als Raucher bietet.

Das ist nicht wirklich erstaunlich, denn es gibt nichts, das zuverlässig davor schützt, einmal Raucher zu werden. Milch tut das nicht (viele Raucher haben zuerst Milch getrunken), die Tabakrichtlinie leistet das nicht und Nichtrauchen schon gar nicht: ausnahmslos alle Raucher waren vorher Nichtraucher.

Rauchen für den Fiskus

In Deutschland gibt es rund 18 Millionen Raucher und 3 Millionen Dampfer, die praktisch alle ehemalige Raucher sind.

Die e-Zigaretten-Industrie macht jährlich einen Umsatz (nicht Gewinn!) von 200 Millionen Euro mit stark steigender Tendenz. Dennoch ist das eine winzige Industrie im Vergleich zur Tabakindustrie. Die Tabaksteuer spielt jährlich rund 14 Milliarden Euro ein und auch die Tabakindustrie kann noch ganz gut leben, wenn auch der Fiskus mit Abstand am meisten von den Rauchern profitiert.


Durch jeden Dampfer verliert der Staat gut 750 Euro im Jahr, bei 3 Millionen Dampfern sind das schon 2,3 Milliarden. Das ist nocht nicht richtig viel, aber immerhin ein Viertel des Etats des Familienministeriums (Manuela Schwesig) und ein Fünftel des Etats des Gesundheitsminiteriums (Hermann Gröhe).

Die Pharma-Industrie, die ebenfalls Nikotinprodukte vertreibt und die Tabakkontrolle finanziell unterstützt,  macht in Deutschland einen jährlichen Umsatz von 42 Milliarden Euro.

Das Gerücht, dass es eine mächtige e-Zigaretten Lobby gibt fällt in Deutschland mit seiner weit verbreiteten Industriefeindlichkeit zwar auf fruchtbaren Boden, entspricht aber nicht den wahren Machtverhältnissen.

Raucher werden beruhigt

Als die e-Zigarette aufkam wurde sie von der Tabakkontrolle noch mit verhaltem Lob begrüßt. Damals glaubte man noch, die e-Zigarette würde eine Randerscheinung bleiben. Man konnte sie daher Rauchern gefahrlos empfehlen, denn die Chance, dass jemand damit tatsächlich das Rauchen aufgibt erschien eher gering.

Raucher  werden ständig mit "tut dies", "lasst jenes" Befehlen bombardiert, so dass "steigt auf die e-Zigarette um" lediglich als eine weitere Gängelung verstanden wurde.

Die Kampagnen gegen die e-Zigarette wird die Dampfer nicht vom Dampfen abhalten können. Bestenfalls entsteht ein blühender Schwarzmarkt. Aber den Rauchern wird eine Ausrede fürs Weiterrauchen in die Hand gegeben. Wenn jetzt die Ehefrau daherkommt und sagt "Eugen, kauf dir doch eine e-Zigarette", dann sagt Eugen "nee, die sollen ja noch gefährlicher sein als Rauchen".

Das ist Sinn und Zweck der ganzen Aktion. Die Sache mit den Kindern ist der erste Schritt, um aus einer Kampagne Gesetze zu machen. Mehr Gesetze werden kommen und der alarmierende Rückgang der Raucherquote wird gestoppt.

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Ich bin nicht einverstanden




Sonntag, 20. September 2015

Dampfer Physik



Verwendete Symbole
$TK$ Temperaturkoeffizient des el. Widerstandes in $10^{-3}/K$
$\rho$ Spezifischer Widerstand in $\Omega mm^2/m$
$D$ Durchmesser der Wicklung in $mm$
$d$ Durchmesser des Drahtes in $mm$
$n$ Anzahl der Windungen
$l$ Länge des Drahtes in $mm$


Widerstand und Temperaturkoeffizient 

Der spezifische Widerstand $\rho$ ist der elektrische Widerstand eines Drahtes mit $1mm^2$ Querschnitt und einer Länge von $1m$. Der spezifische Widerstand ist temperaturabhängig.

Wenn man den Widerstand einer Wicklung bestimmt ist der Widerstand in heißem Zustand maßgebend. Im heißen Zustand liegt die Temperatur des Drahtes rund $200^{\circ}C$ höher. Der Tempertaurkoeffizient $TK$ gibt an, um wievel sich der Widerstand erhöht, wenn die Temperatur um $1^{\circ}C$ erhöht wird.

Spez.Widerstand bei $20^{\circ}C$ $\Omega mm^2/m$ Temp.Koeff $10^{-3}/K$ Spez.Widerstand bei $220^{\circ}C$ $\Omega mm^2/m$
Kanthal-A1 $1.45$ $0$ 1.45
V2A Edelstahl $0.72$ $1.2$ 0.96
Titan 0.47 $1.9$ 0.85

Den spezifischen Widerstand bei der Verdampfertemperatur von $220^{\circ}C$ erhält man mit der Formel

$\rho_{220^\circ} = \rho_{20^\circ} + TK \cdot 200$

Bei Kanthal bleibt der Widerstand konstant. Bei Edelstahl muss man mit einer Widerstandserhöhung von 20-28% rechnen. Bei Titan erhöht sich der Widerstand um 76%.

Ohm pro Meter 

Die gebräuchliche Angabe in Ohm pro Meter erhält man, indem man den spezifischen Widerstand durch den Querschnitt des Drahtes teilt.

$\frac R m = \frac{4\rho} {\pi d^2}$

Mit dieser Formel ergibt sich beispielsweise bei einen $0.25mm$ Draht für für Kanthal-A1 $29.5\frac{\Omega}{m}$ und für Edelstahl bei Zimmertemeratur $14.6\frac{\Omega}{m}$.

Länge und Querschnitt des Drahtes 

Die Länge des Drahtes hängt ab von dem Durchmesser der Wicklung, der Anzahl Windungen und in geringem Maße auch vom Durchmesser des Drahtes. Letzteres kommt daher, dass der Mittelpunkt des Drahtes um so weiter vom Mittelpunkt der Wicklung entfernt liegt, je dicker der Draht ist.

Für einen Draht der Dicke $d$, der mit $n$ Windungen zu einer Wicklung mit dem Durchmesser $D$ verarbeitet wird, ergibt sich die Länge zu

$l = n\cdot \pi \cdot (D+d)$

In der Paxis ist der Draht um 2 bis 4 mm länger, da noch die Freistrecken hinzukommen, die die eigentliche Wicklung mit der Stromversorung verbinden.

Der Querschnitt der Drahtes ergibt sich zu

$A = \pi (\frac d 2)^2 = \frac \pi 4 d^2$

Widerstand einer Wicklung 

Den Widerstand einer Wicklung erhält man, indem man den spezifischen Widerstand mit der Länge des Drahtes (in m) multipliziert und durch seinen Querschnitt (in $mm^2$) teilt.

$R = \rho\frac l A$

Verwendet man die Formeln von oben für Länge und Querschnitt und verwendet mm als Einheit so erhält man

$R = 4 n \rho \frac{D + d} {d^2} 10^{-3}\Omega$


Beispiel:

Die von mir derzeit bevorzugte Wicklung mit 10 Windungen 0.2mm Kanthal auf 1.5mm sollte demnach einen Widerstand von

$R = 4\cdot10\cdot1.45\frac{1.5+0.2}{0.2^2} 10^{-3}\Omega = 2.46\Omega$

haben.

Leistung der Freistrecken

Die Freistrecken verbinden die eigentliche Wicklung mit der Stromversorgung. Idealerweise sollten sie überhaupt keinen Widerstand haben. Dazu müsste man aber zwei verschiedene Drahtmaterialien verwenden, was ziemlich aufwendig ist.

Verwendet man nur ein Drahtmaterial, dann verbrauchen die Freistrecken umso weniger Energie, je kürzer sie sind und je länger die eigentlich Wicklung ist. Viel Draht auf der Wicklung ist also vorteilhaft.

Da Wicklung und Freistrecken von gleichen Strom durchflossen werden, ist die Leistung proportional zum jeweiligen Widerstand. Dieser ist wiederum proportional zur jeweiligen Länge.

Der Leistungsverlust in % an den Freistrecken ergibt sich somit zu

$k_{loss} = 100 \cdot \frac {l_{frei}} {l + l_{frei}}$

Er hängt nicht vom Drahtmaterial ab, sondern nur von der Geometrie. Bei einer 1,5mm Wicklung von 10 Windungen und $2\cdot 2mm = 4mm$ Freistrecken ergibt sich ein Verlust von 7%. Bei nur 5 Windungen wären es bereits 13%.

Montag, 13. Juli 2015

Die Referenzwickung (Version 2)

CE4 (lang),       Evod,               CE5,       CE4 (kurz)
Wie beurteilt man eine selbst angefertigte Verdampfer-Wicklung? "Dampft gut" ist für mich kein Kriterium. Ich finde: wenn sie nicht besser ist als die hier vorgestellte Referenzwicklung ist sie nicht der Rede wert.


Zusammenfassung
  •  0,22mm Edelstahl
  • 12 Windungen
  • 1,5mm Durchmesser
  • ca. 1,7 Ohm
  • Watte
Ziele

Unter welchen Bedingungen man eine Wicklung schätzt ist individuell verschieden. Meine Ansprüche sind bescheiden. Eine Wicklung ...
  • ... sollte einfach und billig herzustellen sein
  • ... sollte auf billigen Verdampfern (CE4, CE5, Evod) funktionieren
  • ... sollte gut schmecken
  • ... sollte ausreichend Dampf machen
  • ... sollte nicht siffen
  • ... sollte nicht zu träge sein
  • ... sollte mit einem gewöhnlichen Akku funktionieren

Der Draht

0,22 mm Edelstahldraht hat sich als guter Kompromiss herausgestellt. Dickere Drähte machen die Wicklung zu träge, bei dünneren Drähte ist die Zahl der Windungen sehr begrenzt, da der Widerstand schnell zu hoch wird und damit die Leistung auf einem normalen Akku zu gering wird.

Edelstahl und Titan haben die interessante Eigenschaft, dass - im Gegensatz zu Kanthal - der Widerstand mit der Temperatur steigt. Dadurch bekommt man eine gewisse Temperaturbegrenzung geschenkt. Allerdings ist dieser Effekt nur bei Titan so ausgeprägt, dass man mit einem praxisrelevanten Effekt rechnen kann.

Edelstahl und Titan haben einen geringeren Widerstand als Kanthal, so dass man noch dünnere Drähte verwenden könnte. Allerdings muss man bedenken, dass sich der Widerstand in heißem Zustand erhöht. Bei Titan kann das fast einen Faktor 2 ausmachen, so dass ein 2.5 Ohm Verdampfer im kalten Zustand gute 1,25Ohm anzeigen sollte. Auch das ist ein erwünschter Effekt, denn solche Drähte heizen sich sehr schnell auf, da im kalten Zustand besonders viel Strom fließt.

Aber Titan ist zu bockig, und zu schwer zu wickeln da die Wicklung leicht wieder auf springt. Obendrein brennt Titan. Edelstahl ist da schon angenehmer. Ein 0.22mm Edelstahldraht lässt sich ganz passabel wickeln. Er schmilzt allerdings leichter als Kanthal.

Mit NiCr habe ich keine Erfahrungen.

Der Durchmesser

Die Wicklung wird auf 1,5mm Durchmesser gewickelt. Größere Durchmesser machen die Wicklung zu träge, und das innere des Dochtes wird lediglich erwärmt, ohne dass etwas verdampft würde.


1,5mm Wicklung x 10
Kleinere Durchmesser sind durchaus interessant, denn die Menge an unnötig aufgeheiztem Liqid wird so weiter reduziert. Aber der Liquidnachfluss ist bei einer 1mm Wicklung schwer zu beherrschen.

Aber man bedenke, dass die Wicklungen der alten Ego Verdampfer auch nicht mehr als 1mm Durchmesser hatten. Aber dort floss das Liquid von oben auf die Mitte der Wendel. Bei CE4 und Evod Verdampfern kommt das Liquid aber von der Seite und hat es schwerer bis zur Wendel vorzudringen.

In der Praxis zeigten 1mm Wicklungen extreme Schwankungen zwischen "zu feucht" und "zu trocken", manchmal von einem Zug zum nächsten. Aber ich werde weiter mit kleineren Durchmessern experimentieren.Vielleicht kann ich die Referenzwicklung so noch schlagen.


Die Windungen

Man muss bedenken, dass bei weit auseinanderliegenden Windungen  nur in unmittelbarer Umgebung des Drahtes tatsächlich etwas verdampft wird. In der Mitte zwischen zwei solchen  Windungen wird das Liquid nur noch erwärmt, ohne dass Dampf entsteht. Das heiße Liquid kühlt sich zwischen den Zügen immer wieder ab, die hineingesteckte Energie heizt letzlich den Verdampfer und damit das Zimmer auf.

Microcoil
 Microcoils, also Wicklungen mit dicht aneinanderliegenden Windungen sind ökonomischer und erzeugen bei gleicher elektrischer Leistung mehr Dampf als weite Wicklungen.

Es hat sich aber herausgestellt, dass sich ein geringer Abstand zwischen den Windungen von etwa einem halben Drahtdurchmesser durchaus positiv auswirkt. Ich erkläre mir das damit, dass die optimale Temperatur für "viel Dampf" höher liegt als die optimale Temperatur für "viel Geschmack". Ein leichtes Temperaturgefälle zwischen den Windungen sorgt dafür, dass mehr Liquid mit niedriger Temperatur verdampft wird und so einen Beitrag zum Geschmack leistet.

Außerdem können bei aneinanderliegenden Windungen Kurzschlüsse entstehen, so dass ein Teil der Wicklung inaktiv wird. Man erkennt das leicht bei einem dry-burn: wenn eine Wicklung von außen anfängt zu glühen und Teile der Wicklung überhaupt nicht glühen ist etwas faul. Eine korrekte Wicklung glüht von innen nach außen, wobei die Windungen am Rand weniger glühen als die Mitte der Wicklung.

Ich versuche so viele Windungen wie möglich unterzubringen. Die Anzahl der Windungen ist begrenzt durch den maximal akzeptablen elektrischen Widerstand und den vorhanden Platz.

Mit einem 0,22mm Edelstahl-Draht verwende ich 12 Windungen, die einigermaßen, aber nicht absolut dicht aneinander liegen.

Der Widerstand

Ich benutze billige regelbare Akkus, die eine Spannung zwischen 3,3V und 4,8V abgeben. Ein normaler Ego Akku gibt 3,3V ab und ich wäre nicht traurig, wenn meine Wicklung auch auf einem Ego Akku optimal funktionieren würde. Aber dann müsste ich meine regelbaren Akkus immer auf Minimum stellen und könnte nicht mehr nach unten regeln.

Ich sehe 1,5Ohm als eine Grenze an, die ich nicht unterschreiten möchte. Oberhalb von 3,5Ohm kommt bei 3,3V nicht mehr viel Dampf und ich muss meine geregelten Akkus schon ganz schön weit aufdrehen.

Mit 1,7 Ohm fahre ich ganz gut. Rein rechnerisch solle meine Referenzwicklung 1,5Ohm haben, aber die Freistrecken, die die Verbindung zum Gehäuse und zum Pluspol herstellen schlagen noch einemal mit ca. 0,2Ohm zu Buche, so dass ich bei 1,7 Ohm lande.

Freistrecken

Eine solche vergleichsweise lange Wicklung hat den Vorteil, dass an den Freistrecken nur wenig elektrische Leistung verbraucht wird und sie nicht sehr heiß werden. Mit dieser Dimensionierung verbrauchen die Freistrecken 6% der Leistung und 94% der Leistung wird zum Docht transportiert.

Bei einer kürzeren Wicklung wird weniger Energie zum Docht transportiert und mehr in den Freistrecken verbraten. Will man diesen Effekt vermeiden muss man für niederohmige Wicklungen dickeren oder leitfähigeren Draht nehmen, so dass man wieder mehr Windungen nehmen kann. Dickerer Draht macht die Wicklung aber wieder träger. Die Leitfähigkeit von Edelstahl ist unter diesen Gesichtspunkten ideal, denn ich kann 12 Windungen unterbringen und lande dennoch bei einem komfortablen Widerstand. Mit Kanthal kann ich das nicht machen - der Widerstand wird zu hoch, oder der Draht wird zu dick.

Generell gilt: die Wicklung sollte möglichst lang im Vergleich zu den Freistrecken sein. Auch dies ist ein Argument, so viele Wicklungen wie möglich zu verwenden.

Das Einfädeln

Eine Kanüle gibt Halt
CE5 fertig zum Einfädeln








Die Wicklung wird ohne Docht eingebaut und der Docht wird nachträglich eingefädelt. Dabei ziehe ich die Wicklung auf eine Kanüle, damit sie beim Einbauen etwas Halt hat. Ich kann sie leider nicht auf einen 1,5mm Kern ziehen, da ich damit nicht mehr durch die Schlitze komme.

Dadurch sitzt die Wicklung so, dass man den Docht jederzeit wieder entfernen kann und durch einen neuen Docht ersetzen kann. Vorher kann man noch einen kurzen dry-burn machen und die Wicklung ist danach wieder wie neu.

Das ist viel einfacher als eine komplett neue Wicklung herzustellen, denn die zeitaufändigen Arbeitsschritte sind das Herstellen und Einbauen der Wicklung.

Bei mir hält eine Wicklung nicht viel länger als eine Woche. Danach dampft sie zwar immer noch ordentlich, aber eben nicht mehr wie am ersten Tag. Ich finde, man sollte Wicklungen wie Unterhosen behandeln. Sobald es die leisesten Zweifel gibt, werden sie durch ein frisches Exemplar ersetzt.

Das Dochtmaterial

Watte passt immer
Glasfaser und Silikat neigen dazu während der ersten 1-2 ml  merkwürdig zu schmecken. Außerdem sammelt sich im Laufe der Zeit ein ganzes Arsenal an verschiedenen Schnüren an.  Für jeden Durchmesser braucht man einen eigenen Vorrat. Dann probiert man noch verschiedene Hersteller aus und experimentiert mit gedrehten und geflochtenen Schnüren. Und das Lager wird immer voller.

Eine Glasfaserschnur bekommt man auch sehr schlecht in eine eingebaute Wicklung gefädelt, wie ich es hier beschreibe. Sie spleißt sich dabei meist auf.

Ich bin daher dazu übergegangen Bio Watte aus dem DM Markt zu verwenden. Die kann man sich zurechtrollen wie man es gerade braucht, sie kostet fast nichts und der Liquidnachfluss ist gut.


Die Dochtlänge

Beim Evod werden die Dochtenden immer dicht am Gehäuse abgeschnitten, sie sind von Haus aus schon so hergestellt.

Eingefädelt und gekürzt
CE4 und CE5 Verdampfer gibt es aber mit langen und mit kurzen Dochten. Lange Dochte halte ich für eine Illusion. Zwar sehen sie so aus, als ob die auch bei fast leerem Verdampfer noch Liquid zu Wendel transportieren würden, in der Praxis tun sie das aber nicht.

Ich habe sogar den Eindruck, dass bei fast leerem Verdampfer das Liquid in langen Dochten durch sein Eigengewicht eher nach unten gezogen wird. Jedenfalls reagieren CE4 Verdampfer mit langen Dochten strak auf unterschiedliche Füllstände.

Ich schneide die Dochtenden daher auch bei CE4 und CE5 Verdampfern so kurz, dass sie gerade die Außenwand berühren. Watte ist so saugfähig, dass sich schon bei diesem geringen Überstand ein Liquid-Reservoir bildet, das die Wendel für ein paar Züge versorgen kann. Dazwischen muss man eben schwenken.

CE4 ohne Siffen

Beim CE4 muss man darauf achten, dass die Wicklung nicht am inneren Silikon-Nupsi aufliegt, denn dann sammelt sich leicht Liquid and der Unterseite der Wicklung. Der Verdampfer sifft dann. Wenn die Wicklung eingebaut ist und aufliegt, muss man das Nupsi noch 1-2mm nach unten schieben. Das kann man mit einem Zahnstocher erreichen, oder besser mit einem geknickten Nagel, dessen freies Ende gerade die richtige Länge hat.

Bei CE5 und Evod Verdampfern hat man dieses Problem nicht, da dort konstruktionsbedingt die Wicklung immer in der Luft hängt und nicht aufliegt.

Ergebnis

Diese Wicklung ist außerordentlich unproblematisch und praxistauglich. Der Docht lässt sich mit ein paar Handgriffen erneuern.

Sie produziert bei schlappen 6 Watt ordentlich Dampf und funktioniert selbst auf einem 3.3V Ego Akku (~ 4,4Watt) noch akzeptabel.

Während der ersten Züge hat sie einen gewissen Eigengeschmack, der wahrscheinlich von der Watte kommt und schnell verfliegt. Der Geschmack ist dann rund und weich und frei von störenden Noten.


Updates

Hier eine Aufzähnung vorangegangener Versionen:

V1: 0.2mm Kanthal, 10 Windungen (bis 20.09.2015) hat sich als zu hochohmig herausgestellt. Daher bin ich dazu übergegangen 0.22mm Edelstahl zu verwenden. Durch die 12 Windungen sinkt obendrein die Leistung, die an den Freistrecken verbraucht wird. Der Widerstand ist mir einen Tick zu niedrig, und ich werde noch mit 0.2 mm Edelstahl (statt 0.22mm) experimentieren, aber einen solchen Draht habe ich derzeit nicht.


















Mittwoch, 26. November 2014

Tabakkontrolle und Tabakindustrie wollen das Gleiche

Ich hatte hier schon öfters darüber spekuliert, dass Tabakkontrolle und Tabakindustrie letztlich das Gleiche wollen: es soll weiterhin Raucher geben. Die Hinweise darauf, dass es sich tatsächlich so verhält häufen sich.

Bei der Tabakkontrolle fällt schon seit Jahren auf, dass sie Alternivprodukte wie Snus und die e-Zigarette fürchtet, wie der Teufel das Weihwasser. Verständlich, denn ohne Raucher fiele es der Tabakkontrolle schwer, ihre eigene Existenz zu rechtfertigen. Da sie obendrein von Steuergeldern lebt, zu denen die Raucher einen erheblichen Beitrag leisten, finanzieren letztlich die Raucher die Tabakkontrolle.

Ich glaube daher nicht, dass die nutzlosen Maßnahmen, die die Tabakkontrolle seit Jahrzehnten fordert und durchsetzt ein Resultat ihrere eigenen Dusseligkeit sind. Nichts wäre schlimmer als eine Maßnahme, die tatsächlich die Raucherquote senkt.
Photo by: Yuri Arcurs

Unterstützung in ihrem Kampf gegen die e-Zigarette erhält die Tabakkontrolle nun von unerwarteter und möglicherweise unwillkommener Seite. Auch die Tabakindustrie möchte verhindern, dass Raucher massenweise zur e-Zigarette abwandern.

Philip Morris Manager Werner Barth wird von der Berliner Morgenpost folgendermaßen zitiert:

"Ich halte es für notwendig, dass auch die E-Zigarette reguliert wird. Sie ist nicht frei von Risiken, und sie braucht gesetzliche Rahmenbedingungen", sagte Barth der "Welt".
Dieser Satz könnte auch vom DKFZ stammen. Aber letztlich geht es um's Geld:
Der Manager denkt dabei beispielsweise an die Altersgrenze von 18 Jahren, ab welcher E-Zigaretten gekauft werden dürfen. Auch die Tatsache, dass elektrische Zigaretten derzeit nur mit der Mehrwertsteuer belegt sind, stört ihn. "Der Umstand, dass die E-Zigarette frei von Tabaksteuer ist, dürfte kein Dauerzustand bleiben", sagte Barth.
Die Staatskasse verdient mit Abstand am meisten an den Rauchern und wird sich über diese Forderung freuen. Damit hätten wir das Triumvirat komplett zusammen.

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Das Triumvirat

Samstag, 22. November 2014

Schlappe für Steffens

Das Bundesverwaltungsgrericht hat am 20.11. entschieden, dass es nicht zulässig ist per Verwaltungsakt zu behaupten, dass e-Zigaretten wie Arzneimittel behandelt werden müssen.

Insgesamt ging es um drei Revisionsverfahren. Beklagt wurden:
  • Die Stadt Wuppertal
  • Das Bundesinstitut für Arzneimittel (d.h. die Bundesrepublik Deutschland)
  • Das Ministeriums für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen (d.h. das Land Nordrhein Westfalen)
 Die Kläger waren Teilnehmer der freien Wirschaft.

Alle drei Klagen waren zuvor schon durch zwei Instanzen gegangen. Eine Klage vor einem Verwaltungsgericht war jeweils gescheitert, aber die Berufungsverfahren vor einem Oberverwaltungsgericht hatten Erfolg. Damit standen die Beklagten Behörden erst einmal als Rechtsbrecher da. Auch Barbara Steffens, die Grüne Gesundheitsministerin des Landes NRW stand nicht gut da.

Also gingen die uneinsichtigen Beklagten in Revision. Aber das nützte ihnen nichts. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte alle drei Urteile der Oberverwaltungsgerichte.

Dieses Urteil besagt überigen nicht, dass e-Zigaretten keine Medikamente sind. Darüber haben Verwaltunggerichte nicht zu entscheiden. Es besagt lediglich, dass die beklagten Behörden gegen geltendes Recht verstoßen haben. Dem Land NRW steht jetzt eine Schadenersatzklage vom Verband des E-Zigarettenhandels über 90 Millionen Euro ins Haus.

Ist jetzt alles gut?

Der Versuch, die e-Zigarette durch eine Einstufung als Medikament vom Markt zu fegen dürfte damit vom Tisch sein. Auch das EU-Parlament hatte sich in der Abstimmung zum Amendment 170 gegen eine solche Regelung ausgesprochen.

Aber es ist nicht damit zu rechnen, dass die "public health" Funktionäre nun klein beigeben werden. Schließlich profitieren sie, ebenso wie die Tabakindustrie und die Staatskasse, ganz erheblich von den Rauchern.

Ihr Einfluss auf die öffentliche Meinung ist immer noch enorm. Dort herrscht derzeit eine gewisse Verlustangst. Viele haben sich daran gewöhnt auf die Raucher herabzublicken und wollen es sich nun nicht nehmen lassen, auch den Dampfern mit Verachtung zu begegnen. Das ist das Klientel dieser Funktionäre.

Als in der EU-Debatte das Thema "Arzneimittel" vom Tisch war, tauchte nur wenige Wochen später eine völlig anderer Vorschlag auf: diesmal sollten nachfüllbare Verdampfer verboten werden. Auch dieses Verbot hätte die e-Zigarette, so wie wir sie momentan kennen, vom Markt gefegt.

Eine wirklich sinnvolle Maßnahme bestünde darin, die Institutionen der öffentlichen Gesundheit  ordentlich zurecht zu stutzen. Schließlich schaden sie der Volksgesundheit und sie brechen Gesetze.

Den wahren Übeltätern kommt man aber nicht so leicht bei. Sie erlassen schließlich weder Gesetze noch Verordnungen gegen die man klagen könnte. Sie gründen keine Firmen oder Parteien, sondern tarnen sich als Forschungseinrichtungen und wählen Rechtsformen, wie gemeinnützige Vereine oder Stiftungen. Sie üben ihren Einfluss in Form von "Experten-Empfehlungen" aus.

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Wahlentscheidung







Samstag, 4. Januar 2014

Wahlentscheidung

Ich habe nur sehr beschränktes Wissen, was die aktuellen politischen Themen angeht und tue mich daher schwer eine fundierte Wahlentscheidung zur Wahl des Europaparlaments im Mai 2014 zu fällen. Aber mit der e-Zigarette kenne ich mich zufällig aus. Für mich wird daher das Abstimmungsverhalten der Abgeordneten zum Amendment 170 das einzige Kriterium sein.


Zur Erinnerung

Bei der Tabakrichtlinie geht es letztlich um die Frage, wer den zukünftigen Nikotinmarkt kontollieren darf. Zur Debatte stehen sowohl  die nikotinproduzierenden Firmen (Tabak, Pharma, e-Zigarette) als auch die professionellen Kontrollinstanzen und Nichtregierungsorganisationen.

Der Ursprüngliche Vorschlag der Komission sah eine Regulierung der e-Zigarette als Arzneimittel vor, wodurch der momentan exisitierende innovative Markt verschwinden würde und lediglich die etablierten  großen Akteure im Spiel blieben. Dabei wurde stillschweigen in Kauf genommen, dass die Abwanderung von Rauchern zur e-Zigarette stark verlangsamt würde, was von vielen als "Raucher sollen weiter rauchen" interpretiert wurde.

Das Amendmend 170 war ein Änderungsvorschlag, der eine moderate Regulierung der e-Zigarette vorsah. Kein Verkauf an Minderjährige, Deklaration der Inhaltsstoffe und weitere Maßnahmen, aber keine Regulierungen, die auf ein de-facto Verbot der e-Zigarette hinauslaufen.

Das Amendment 170 wurde vom EU-Parlament im Oktober 2013 angenommen.

In der Dampferszene brach Jubel aus, war doch den wenigsten bekannt, dass das EU-Parlament hier nicht das letzte Wort hat. Inzwischen wurden weitere Änderungen am Parlamentsvorschlag vorgenommen, die wieder darauf zielen, den Nikotinmarkt weiterhin unter der Tabak- Pharma- und Regulierungsindustrie aufzuteilen und sich die Konkurrenz durch die e-Zigarette per EU-Beschluss vom Hals zu halten. Dieser Prozess ist derzeit noch nicht abgeschlossen.

Parteien

Die Fraktionen im EU-Parlament bestehen nicht aus Parteien, wie wir sie hier in Deutschland kennen. Das ist kein Wunder, denn beispielsweise die SPD ist ja die Sozialdemokratische Partei Deutschlands und es gibt sie nicht in anderen EU Ländern.

Um das Abstimmungsverhalten auf unsere Parteien abzubilden, muss man wissen welche deutsche Partei in welcher Fraktion des EU-Parlaments sitzt. Und das sieht so aus:

EU            Bundestag
-----------------------
EPP           CDU/CSU
ALDE/ADLE     FDP
S&D           SPD
Greens/EFA    Grüne
GUE-NGL       Linke



Es gibt keine deutschen Abgeordneten in ECR, EFD und NI (Fraktionslose).



Abstimmungsverhalten

Das Abstimmungsverhalten bezüglich Amendment 170 ist ein guter Indikator dafür welcher EU-Abgeordnete die Interessen der Bevölkerung vertritt und welcher nicht.

Die Rohdaten zu dieser Analyse stammen von Vote Watch. Wer mag, kann sich die Zahlen dort anschauen, filtern und eigene Analysen erstellen. Hier ist meine:

Alle "support" Zahlen hier beschreiben den Prozentsatz der Zustimmung für Amendment 170.

Nach Ländern

Member_State  |support|seats|
-----------------------------
Luxembourg    |     83|    6|
Greece        |     72|   22|
Slovakia      |     69|   13|
Cyprus        |     66|    6|
Italy         |     64|   73|
United Kingdom|     63|   73|

Bulgaria      |     61|   18|
Romania       |     57|   33|
Latvia        |     55|    9|
Austria       |     52|   19|
Croatia       |     50|   12|
Portugal      |     50|   22|
Sweden        |     50|   20|
Estonia       |     50|    6|
France        |     48|   74|
Spain         |     48|   54|
Netherlands   |     46|   26|
Denmark       |     46|   13|
Finland       |     46|   13|
Germany       |     45|   99|
Ireland       |     41|   12|
Czech Republic|     40|   22|
Poland        |     39|   51|
Slovenia      |     37|    8|
Belgium       |     31|   22|
Lithuania     |     25|   12|
Hungary       |     22|   22|
Malta         |     16|    6|


Interessant ist hier vor allem das Verhlaten der großen Länder (fett). Offenbar verdanken wir die Verabschiedung von Amendment 170 vor allem Italien und England.

Unrühmlich dagegen Malta: deren EU-Kommissar John Dalli war federführend beim Entwurf der Tabakrichtline, die eine Regulierung als Medikament vorsah. Er musste aber wegen Korruptionsvorwürfen seinen Hut nehmen. Inzwischen wurde er durch Tonio Borg ersetzt, der ebenfalls aus Malta stammt.

Deutschland schlägt sich recht wacker, wenn auch bei weitem nicht so, wie man es sich wünschen würde. Dazu später mehr.

Nach Fraktionen

Fraktion  |support|seats|
-------------------------
ECR       |     87|   56|
ALDE/ADLE |     74|   85| - FDP
EPP       |     70|  274| - CDU/CSU
EFD       |     60|   33|
NI        |     56|   30|
GUE-NGL   |     22|   35| - Linke
S&D       |     15|  195| - SPD
Greens/EFA|      8|   58| - Grüne


Auffällig ist hier der große Unterschied zwischen den beiden großen Fraktionen EPP (CDU) und S&D (SPD). Erfreulich ist die große Unterstützung durch die Liberalen (ALDE = FDP). Keiner der ALDE Abgeordneten hat gegen Amendment 170 gestimmt, aber einige haben sich enthalten oder waren abwesend. Unrühmlich dagegen die Grünen. Ganze vier Abgeordnete haben "dafür" gestimmt, keiner davon aus Deutschland.

Unterm Strich kann man sagen, dass alle, die sich einen linken Anstrich geben (Linke, Grüne, Sozialdemokraten), hier eher die Position der Starken und Mächtigen vertreten haben.

Nach deutschen Fraktionen

Fraktion  |support|seats|
-------------------------
EPP       |     90|   42| - CDU/CSU
ALDE/ADLE |     50|   12| - FDP
S&D       |      4|   23| - SPD
Greens/EFA|      0|   14| - Grüne
GUE-NGL   |      0|    8| - Linke


Die deutschen EPP Abgeorneten verdienen unseren Respekt. Nicht nur weil sie Amendment 170 unterstützt haben, sondern auch weil es einige Abweichler in ihren Reihen gab, was darauf hindeutet, dass in dieser Partei noch diskutiert wird.

Von den Grünen und Linken kann man das nicht behaupten, sie zeigen identisches Abstimmungsverhalten. Die Unterstützung seitens der Sozialdemokraten bestand übrigens aus gerade mal einer einzigen Stimme.

Nach Namen

Zu guter Letzt die Namen der deutschen Abgeordneten, die für Amendment 170 gestimmt haben:

Name                       |Fraktion |
--------------------------------------
Burkhard Balz              |EPP      |
Elmar Brok                 |EPP      |
Reimer Boge                |EPP      |
Daniel Caspary             |EPP      |
Jorgo Chatzimarkakis       |ALDE/ADLE|
Birgit Collin-Langen       |EPP      |
Jurgen Creutzmann          |ALDE/ADLE|
Albert Dess                |EPP      |
Christian Ehler            |EPP      |
Markus Ferber              |EPP      |
Michael Gahler             |EPP      |
Ingeborg Grassle           |EPP      |
Monika Hohlmeier           |EPP      |
Peter Jahr                 |EPP      |
Elisabeth Jeggle           |EPP      |
Petra Kammerevert          |S&D      |
Martin Kastler             |EPP      |
Christa Klass              |EPP      |
Wolf Klinz                 |ALDE/ADLE|
Dieter-Lebrecht Koch       |EPP      |
Silvana Koch-Mehrin        |ALDE/ADLE|
Holger Krahmer             |ALDE/ADLE|
Werner Kuhn                |EPP      |
Werner Langen              |EPP      |
Klaus-Heiner Lehne         |EPP      |
Peter Liese                |EPP      |
Hans-Peter Mayer           |EPP      |
Angelika Niebler           |EPP      |
Doris Pack                 |EPP      |
Markus Pieper              |EPP      |
Bernd Posselt              |EPP      |
Hans-Gert Pottering        |EPP      |
Godelieve Quisthoudt-Rowohl|EPP      |
Britta Reimers             |ALDE/ADLE|
Herbert Reul               |EPP      |
Horst Schnellhardt         |EPP      |
Birgit Schnieber-Jastram   |EPP      |
Andreas Schwab             |EPP      |
Renate Sommer              |EPP      |
Sabine Verheyen            |EPP      |
Axel Voss                  |EPP      |
Manfred Weber              |EPP      |
Anja Weisgerber            |EPP      |
Rainer Wieland             |EPP      |
Hermann Winkler            |EPP     
|

Hier muss man Petra Kammerevert lobend hervorheben, hat sie doch als einzige Sozialdemokratin für Amendment 170 gestimmt.

Ebenfalls aufgefallen ist Renate Sommer (CDU), die sich vehement für die e-Zigarette einsetzt. Ihre Facebook Seite ist durchaus lesenswert ("Sollte es dennoch dabei [Verbot nachfüllbarer Verdampfer] bleiben, wird es einen Aufstand geben, den ich persönlich mit anzetteln werde.")

Die Wahl ist im Mai

Nach Prognosen vom Ende 2013 würden Grüne und Sozialdemokraten gestärkt, Christdemokraten (EPP) und Liberale (ALDE) aber geschwächt aus der Wahl im Mai hervorgehen. Wer das verhindern will solle unbedingt zur Wahl gehen.

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Sonntag, 1. Dezember 2013

E-Zigaretten immer noch in Gefahr

Die EU-Kommission hatte mit ihrem Vorschlag zur Tabakrichtline versucht die e-Zigarette vom Markt zu drängen, indem sie eine Zulassung als Medikament verlangte. Das EU-Parlament stimmte dem jedoch nicht zu. Aber das Spiel geht weiter.

Viele Dampfer hatten sich schon gefreut, eine Regulierung als Medizinprodukt wird es erstmal nicht geben. Aber sie täuschten sich, weil sie annahmen, das EU-Parlament hätte wirklich etwas zu sagen. Die Tabakrichtlinie wandert jetzt erst einmal in den Rat. Dort wird über weitere Änderungsvorschläge entschieden.

In den neuen Vorschlägen wird nicht versucht, eine Regulierung als Medizinprodukt gegen den Willen des Parlaments wieder einzuführen. Das wäre denn doch etwas sehr dreist. Stattdessen, wird mit anderen Mitteln versucht, den Markt für e-Zigaretten, wir wir ihn derzeit kennen, auszutrocknen.

Macht sie unattraktiv

Member States shall ensure that electronic cigarettes with refillable cartridges or tanks are not placed on the market. Only single use cartridges can be placed on the market.

Die populärsten Verdampfer sind heute alle nachfüllbar. Die würde es nach dem Willen der Kommission nicht mehr geben. Lediglich die alten vorbefüllten "Cartridge" Verdampfer sollen überleben.

Man stelle sich vor, dass nur noch solche Kaffeemaschinen erlaubt sind, die mit Kapseln arbeiten ("Nespresso"), normale "nachfüllabre" Kaffee- oder Espresso-Maschinen aber verboten sind.

Only flavours which are authorized for use in nicotine replacement therapies can be used in electronic cigarettes, unless such a flavour is particularly attractive to young people and non-smokers

Die Vielfalt an Aromen, die es derzeit gibt, wird eingeschränkt. Das macht die e-Zigarette weniger attraktiv. Das wiederum nützt der Tabakindustrie und schadet der e-Zigaretten Industrie. In der Zukunft werden diese beiden Industrien aber ein und dieselbe sein, so dass unterm Strich eine Null bleibt. Die Tabakkontrolle wird von dieser Regelung aber profitieren, denn es werden weniger Raucher zu Dampfern werden.
 
Schränkt die Meinungsfreiheit ein

any form of public or private contribution to radio programmes with the aim or direct or indirect effect of promoting electronic cigarettes is prohibited; 

any form of public or private contribution to any event, activity or individual with the aim or direct or indirect effect of promoting electronic cigarettes and involving or taking place in several Member States or otherwise having cross-border effects is prohibited;

Man darf sich in der Öffentlichkeit nicht mehr positiv über e-Zigaretten äußern. Das wäre ein massiver Eingriff in die Meinungsfreiheit.

Ich halte das für ein Ablenkungsmanöver, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass sie damit durchkommen. Die anderen Punkte sind durchaus ausreichend um den Nikotinmarkt der Pharma- und Tabakindustrie zu übergeben und der Tabakkontrolle ihre Raucher zu erhalten.

Begründet das mit ein paar Lügen

Electronic cigarettes [...] are increasingly used and marketed to young people and non - smokers.

Elektronische Zigaretten werden angeblich in zunehmenden Maße an Jugendliche und Nichtraucher vermarktet. Wo bitteschön kann man das beobachten?

Given the risk that electronic cigarettes can develop into a gateway to normal cigarettes...

Ein Risiko, dass Dampfer zu Raucher werden kann zwar nicht ausgeschlossen werden, aber der real existierende "Gateway" funktioniert genau umgekehrt: Raucher werden zu Dampfern.


Petition


Hier kann man untergscheiben.


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Donnerstag, 23. Mai 2013

Zitat des Tages

Die Verbotsindustrie gebraucht die Wissenschaft auf die gleiche Art und Weise wie ein Betrunkener einen Laternenpfahl benutzt. Er sucht die Unterstützung, nicht das Licht.

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Samstag, 4. Mai 2013

Das Triumvirat

Der Nikotinkrieg wird zwischen drei Interessensgruppen ausgetragen: der Tabakkontrolle, den Finanzministern und der Tabakindustrie. Mit harten Bandagen wird hier jedoch nicht gekämpft. Die drei haben sich längst geeiningt under jeder weiß, welche Rolle er zu spielen hat.

Die Finanzminiser

Die Finanzminister haben am meisten zu gewinnen oder zu verlieren. Sie machen 3mal so viel Umsatz und verdienen etwa 10mal so viel an den Verkauften Zigaretten wie die Tabakindustrie. Ihnen geht es darum, diese Einnahmen weiterhin sprudeln zu lassen.

Geht die Raucherquote schneller zurück als erwartet, so führt das zu klammen Staatskassen, bis hin zu Verwerfungen am Finanzmarkt. Mit Steuererhöhungen alleine kann man dieses Problem nicht lösen, denn vielerorts sind die Preise bereits so hoch, dass weitere Steuererhöhungen den Rückgang der Raucherquote noch weiter beschleunigen würden.

Dennoch mischen sich die Finanzminister nicht öffentlich in die Tabakregulierung ein. Die Tabaksteuer gilt offiziell als Lenkungssteuer, die den Konsum reduzieren soll. Immerhin ist es gelungen die Steuereinnahmen auch in Zeiten rückläufiger Raucherzahlen annähernd konstant zu halten und die Raucherquote insgesamt zu stabilisieren.
Die Tabakkontrolle

Die Tabakkontrolle hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einer multinationalen Industrie entwickelt. Sie ist, wie die beiden anderen player, auf Raucher angewiesen, denn ohne Raucher verlöre sie ihre Existenzberechtigung - und ihre Einnahmen, die goßenteils aus Steuergeldern bestehen.

Die Tabakkontrolle muss darauf achten, dass man sie als vertauenswürdig und kompetent wahrnimmt. Ihre Organsiationen schmücken sich daher gerne mit Namen, die Worte wie "Forschung", "Bewertung", "Zentrum",  "Zentrale", "Institut" oder "Aufklärung" etnhalten.

Ihr wichtigstes Kapatial ist, dass sie als moralisch überlegen wahrgenommen werden. Dazu braucht es einen bösen Gegespieler. Die Tabakindustrie übernimmt dazu die Rolle des "bösen Bullen".

Auch die Tatsache, dass einige dieser Organisationen staatliche oder halbstaatliche Stellen sind, schafft Vertauen. Zwar trauen die meisten Menschen dem Staat nicht besonders, aber eine staatliche Organisation, die vorgibt die Industrie zu kontrollieren, genießt dennoch Sympahthien, denn der Industrie traut man noch wengier als dem Staat.

In diesem Sinne argumentieren auch die Medien. Sie übernehmen die Aussagen der Tabakkontrolle i.d.R. ohne Fragen zu stellen. Sie scheinen zu hoffen, dass dadurch auch sie einen Teil der moralischen Überlegenheit abbekommen.

Die Tabakindustrie

Die Tabakindustrie befindet sich in einer Position, in der alles was sie tut oder sagt reflexartig als verwerflich wahrgenommen wird. Dadurch ergeben sich weitgehende Einflussmöglichkeiten.

Die Tabakindustrie ist nicht auf die Tabakkontrolle angewiesen (umgekehrt gilt das schon). Für die Industrie ist die Tabakkontrolle ein Konkurrent, der ein Stück vom gleichen Kuchen abhaben will. Solange der Kuchen groß genug ist, können beide gut leben.

Die Aufgabe der Tabakindustrie besteht darin, harmlose Maßnahmen zu kritisieren, wodurch diese Maßnahmen mehr Gewicht bekommen. Und natürlich Tabakwaren herzustellen, zu bewerben, zu verkaufen und die Einnahmen mit den beiden anderen zu teilen.

Die Pharma-Industrie

Zwar ist die Pharma-Industrie auch ein wichtiger Teilnehmen am Nikotinkrieg, wenn nicht sogar der wichtigste, aber sie hat im Gegensatz zu den drei anderen kein Interesse daran, dass weiterhin viel geraucht wird. Da sie selbst Nikotin herstellt und verkauft, wirkt sie darauf hin, dass nur das Pharma-Nikotin als gutes Nikotin durchgeht.

Dabei profitiert sie - wie die staatlichen Organisationen - vom schlechten Image der Tabakindustrie. Auch wenn man der Pharma-Industrie  grundsätzlich misstraut, der Tabakindustrie traut man noch weniger und sieht den Nikotinmarkt bei der Pharma-Industrie in den besseren Händen.

Der Deal

Alle drei player haben ein gemeinsames Interesse. Der Kuchen darf nicht kleiner werden. Weniger Einigkeit herrscht bei der Frage, wer welchen Anteil davon abbekommt. So drehen sich denn auch alle Debatten um die Verteilung von Geld, Macht und Einfluss. Das ist wenig populär. In der Öffentlichkeit wird so getan als ginge es darum, den Konsum von Zigaretten zu reduzieren.

Selbst die Tabakindustrie äußert sich gelegentlich in dieser Richtung, was ihr freilich niemand abnimmt. Der Tabakkontrolle glaubt man aber bereitwillig, dass es ihr um die Gesundheit der Bevölkerung geht.

Die Tabakkontrolle ist in der misslichen Lage, dass sie ständig neue Maßnahmen vorschlagen muss, dabei aber darauf achten muss, dass diese Maßnahmen nicht wirklich die Raucherquote reduzieren. Das ist um so schwieriger, als wir nun schon mehrere Jahrzehnte an Maßnahmen hinter uns haben und es immer schwieriger wird sich neue, spektakuläre aber nutzlose Maßnahmen auszudenken.

Die derzeit in der EU diskutierten Maßnahmen, wie Schockbilder, einheitliche Verpackungsformen, Verbot von Methol- und Slim-Zigaretten schlagen alle in diese Kerbe. Viele zweifeln daran, dass diese Maßnahmen irgend einen Effekt haben.

Aber nun kommt der böse Bulle ins Spiel: die Tabakindustrie lehnt diese Maßnahmen ab. Wenn diese Maßnahmen wirkungslos sind, warum ist dann die Tabakindustrie dagegen? Ich habe dieses Argument schon zigmal aus den Mündern der Tabakkontrolleuere gehört.

Die Debatte um wirkungslose Maßnahmen hat vor allem einen Effekt: sie lenkt die Aufmerksamkeit weg von potentiell wirkungsvollen Maßnahmen. Schweden hat die niedrigste Raucherquote in der EU. Wenn das bisher hier geschriebene korrekt ist, dann müsste das Triumvirat alles daran setzen, schwedische Verhhältnisse im Rest der EU zu verhindern.

Die Schweden haben sich massenhaft von der Tabakzigarette abgewandt und sich einem rauchlosen Tabakprodukt namens Snus zugewandt. Jetzt erfreuen sie sich der niedrigsten Lungenkrebsrate in der EU. Snus darf aber im Rest der EU nicht verkauft werden. Nur Schweden hat eine Sondergenehmigung. Dieses Verbot wird auch in der novellierten Tabakrichtlinie (TPD)  der EU erhalten bleiben. Für das Triumvirat ist das gut, für die Bürger der EU ist das schlecht.

Auch die e-Zigarette hat das Zeug die Rauchequote zu reduzieren und die Volksgesundheit zu fördern. Für ein Verbot ist es hier zu spät, denn es gibt bereits zu viele Dampfer in der EU. Stattdessen wird händeringend nach einer Salamischeibe gesucht, die man gerade noch abschneiden kann, ohne allzugroße Proteste zu provozieren. Momentan wird vorgeschlagen, den Nikotingehalt bei e-Zigaretten auf absurd niedrige Werte zu beschränken. Aber hierzu waren die Proteste schon nicht mehr zu überhören, und es könnte gut sein, dass die Scheibe etwas kleiner ausfallen wird.

Das EU Parlament

Ich habe mir zwei EU Anhörungen zur Tabakrichtlinie angehört und muss feststllen, dass unsere EU-Abgeordneten großenteils nicht Teil dieses Spiels sind. Ihnen scheint wirklich die Volksgesundheit am Herzen zu liegen. Aber sie scheinen dieses Spiel in keinster Weise zu durchschauen. Schon fast flehend fragen sie die Vertreter der Tabakkontrolle (praktisch alle geladenen "Experten" sind Teil der Tabakkontrolle), ob man die vorgeschlagenen scharfen Regulierungen der e-Zigarette nicht etwas lockern könnte - als ob nicht das Parlament, sondern die Tabakkontrolle die EU-Gesetze machen würde.

Das Master Settlement Agreement

Was derzeit in der EU passiert ist nicht ohne Vorbild. 1998 wurde in den USA zwischen den großen Tabakkonzernen und 46 Staaten ein Deal geschlossen, der die Tabakindustrie vor privaten Klagen schützte und ihnen Konkurrenten von Hals hielt. Dafür mussten sie einen Teil des Kuchens abgeben. Ferner wurden ein paar nutzlose Maßnahmen beschlossen, die in der Öffentlichkeit den Eindruck erwecken sollten, dass es um den Schutz der Volksgesundheit ginge.

Der Gegenspieler

Wenn sich das Triumvirat einig ist, die Presse mitspielt und das EU-Parlament eingeschüchtert ist, dann stellt sich die Frage, wer dann noch die Interessen der Bevölkerung wahrnimmt.

Hilfe kommt von unerwarter Seite. Unsere Werte, Grundrechte und letztlich auch unsere Gesundheit werden von den Gerichten verteidigt. So mussten einige Politiker, die für die Tabakkontrolle arbeiten, allen voran NRWs Gesundheitsministerin Barbara Steffens, bereits Niederlagen vor Gericht einstecken.

Auch die EU Tabakrichtlinie wurde jetzt vom Commitee on Legal Affairs in einem Papier scharf kritisiert. Bereits zuvor war ein Rechtsgutachten von Prof. Holger Schwerner zu ähnlichen Ergebnissen gekommen: die Tabakrichtline ist nicht nur unsinnig und menschenverachtend, sonder auch illegal. Ein rechtskräftiges Urteil ist das jedoch nicht, sondern lediglich ein Gutachten.

Dennoch ist es erfreulich zu sehen, dass unsere Rechtswesen sich tatsächlich mit den Rechten der Bürger befasst. Wer schon immer das Gefühl hatte, dass es bei der Tabakrichtline nicht mit rechten Dingen zugeht, hat nun eine Bestätigung.

Update 02.07.2013

Meine Vermutung, dass die Tabakindustrie, wissend um ihren schlechten Ruf, alles kritistiert was ihnen willkommen ist, ist offenbar nicht richtig. Den Vorschlag der EU-Kommission, e-Zigaretten als Medikament zu regulieren hat sie nämlich öffentlich begrüßt. Wo bleiben nur die Tabakkontrolleuere, die sagen "wenn's der Tabakindustrie gefällt, muss es schlecht sein"?

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Samstag, 23. Februar 2013

Plain packaging ist ein Produktverbot

Eines der wenigen einleuchtenden Argumente für plain packaging lautet: "da die Tabakindustrie dagegen ist, muss es gut für die Gesundheit sein". Könnte an diesem Argument etwas dran sein?

Die Marke ist das Produkt

Dieses Argument macht dann Sinn, wenn man davon ausgeht, dass das Produkt, das die Tabakindustrie verkauft, aus den Zigaretten in der Schachtel besteht. Ist das wirklich so?

Denken wir mal an Parfüms. Woraus besteht hier das Produkt? Ist es die Flüssigkeit in den Flacons? Nein, es ist eher der Flacon selbst, es ist der ganze Mythos, das Gefühl, die Erwartungen, die in Werbekampangnen, durch product-placment und durch bezahlte Werbe-Ikonen über die Jahre aufgebaut wurde. Das Parfüm selbt, die Flüssigkeit ist vergleichsweise wertlos.

Wie steht es beispielsweise mit Produkten wie Red Bull. Ich habe mich oft gewundert, wie viel Wirbel diese Firma um ihr Wässerchen macht. Sie haben einen eigenen Formel1 Rennstall, veranstalten Red Bull Days am Wannsee und allerhand anderes Spektakel. Schließlich wurde mir klar, dass nicht das Wässerchen, sondern dieser Wirbel das Produkt ist.

Ähnliches gilt für Zahnpasta, Rasierwasser und Kosmetika, ja eigentlich für fast alles, wofür im Fernsehn Reklame gemacht wird. Der eigentliche Gegenstand ist in vielen Fällen praktisch wertlos. Erst durch die "Marke" wird daraus ein Produkt.

Produktverbot ist nicht gleich Verkehrsverbot

Harte Drogen sind in Deutschland nicht "verkehrsfähig". Sie dürfen nicht frei verkauft werden. Daher gibt es auch keine Produkte, die im Kern aus harten Drogen bestehen.

Wird ein Produkt verboten, so kann der Kern der Sache aber durchaus verkehrsfähig bleiben. Sie dürfen in Deutschland beispielsweise nicht ohne weiteres Koffeintabletten auf den Markt bringen, obwohl Koffein in Form von Kaffee und sogar als reines Koffein frei erhältlich ist. So auch beim "plain packaging": Tabak und sogar Zigaretten dürfen nach wie vor verkauft werden.

Die immer weiter verschärften Werbeeinschränkungen für Tabakwaren bis hin zur neuen EU Tabakrichtlinie sind unterm Strich schleichendee Produktverbote. Hätten wir plain packaging, dann wäre das Prouktverbot perfekt.

Die Hersteller dieser Produkte sind darüber nicht erfreut, denn das was sie eigentlich tun wird verboten. Es dürfte sie weniger hart treffen, wenn sie etwas anderes in ihre Schachteln stecken dürften, idealerweise etwas, wofür sich ihre anngestammten Kunden interessieren, wie beispielsweise e-Zigaretten oder Snus, sie dafür aber ihre Marken beibehalten und dafür werben könnten.

Die Tabakkontrolle und die Finanzminister werden von einem Produktverbot aber kaum betroffen, denn sie verdienen an den Zigaretten an sich, nicht an den Marken.

Damit spielt man nicht

Ich muss sagen, dass mich plain packaging und einige Teile der EU Tabakrichtlinie vergleichsweise kalt lassen, weil ich  weder Zigaretten rauche, noch in der Tabakindustrie arbeite. Produktverbote halte ich jedoch ähnlich wie Parteiverbote oder Zeitungsverbote für eine extrem gefährliche Sache. Damit spielt man nicht.

Es ist nicht zu erwarten, dass durch die schleichenden Produktverbote der Umsatz an Zigaretten einbrechen wird. Aber ich verstehe, wieso die Tabakindustrie dennoch dagegen sein könnte. Red Bull wäre auch nicht erfreut, wenn man ihnen den Formel1 Rennstall verbieten würde.

Wer wirklich etwas dafür tun will, dass weniger Zigaretten geraucht werden, sollte das Snus Verbot bekämpfen und e-Zigaretten fördern. Wer nichts dergleichen tut und nur mit Produktverboten herumspielt, sollte von den Schaltstellen der Macht ferngehalten werden.

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Sonntag, 10. Februar 2013

Blut klebt and den Händen der Tabakkontrolleure

Der ehemalige Gegenspieler der Tabakindustrie, die Tabakkontrolle argumentiert sich gerade um Kopf und Kragen. Ihre Kampagnen schaden der Volksgesundheit inzwischen mehr als sie nützen. Donnoch lässt man sie gewähren.

Die frühen Jahre

Erinnert ihr euch noch an diese Prozesse in den USA, wo man Tabak-Manager befragt hat, ob Zigaretten süchtig machen und einer nach dem anderen diese Frage verneinte. Dann tauchten Unterlagen auf, aus denen hervorging, dass die Tabakindustrie sehr wohl über die Gefahren des Rauchens Bescheid wusste, auch über dessen Suchtpotential.

Danach fiel die Tabakindustrie immer mehr in Ungnade. Sie und vor allem ihre Kunden wurden im Master-Settlement-Agreement zur Kasse gebeten, ihre Studien wurden nicht mehr akzeptiert und sie durfte nur noch sehr eingeschränkt für ihre Produkte werben.

Das ging so weit, dann man unliebsame Meinungen einfach dadurch vom Tisch fegen konnte, dass man behauptete, die Vertreter dieser Meinung würden von der Tabakindustrie bezahlt.

Eine neue Industrie entsteht

Solange die Tabakindustrie als böse wargenommen wurde, waren deren echte oder vermeintlichen Gegner automatisch die Guten. Dies führte zum Aufblühen einer neuen Industrie, der Tabakkontrolle. Viele dieser Gruppen bestanden anfangs aus wirklich besorgten Bürgern und Wissenschaftern. Mit den Jahren unterschied sich diese Industrie aber immer weniger von irgendeiner anderen Industrie.

Lange bemerkte die Öffentlichkeit davon nichts. Schließlich ist Rauchen wirklich ungesund. Erste Zweifel kamen auf, als die Theorie, dass Passivrauchen tausdende von Todesopfern fordern könnte, als wissenschaftlich bewiesene Tatsache verkauft wurde. Das war zwar wissenschaftlich nicht anständig, aber der Schaden hielt sich in Grenzen. Immerhin fühlen sich viele Nichtraucher durch Tabakrauch belästigt, was alleine schon Grund genug für einen gewissen Nichtraucherschutz ist.

Der Snus-Sündenfall

In schweden verdrängte Snus immer mehr die Tabakzigarette. Die Raucherquote sank und mit ihr die tabakbedingten Erkrankungen. Die Tabakkontrolleure argumentierten aber gegen Snus und tun das bis heute. Immerhin ist Snus ein Tabakprodukt, wird von der Tabakindustrie hergestellt und ließ sich so relativ leicht schlechtreden.

Hier wurden von der Tabakkontrolle erstmals Maßnahmen durchgesetzt, die sich gegen die Gesundheit der Bevölkerung richteten, denn den Bürgern der EU wird der Zugang zu Snus verweigert, er darf außer in Schweden nirgendwo verkauft werden.

Die e-Zigarette

Nach diesem Sündenfall der Tabakkontrolle fand der Rest der EU in der e-Zigarette eine weitere Alternative für die Tabakzigarette. Wieder argumentierte die Tabakkontrolle gegen diesen Produkt. Allerdings ist die e-Zigarette kein Tabakprodukt und wird nicht von der Tabakindustrie hergestellt.

Die derzeitige Argumentation gegen die e-Zigarette ist denn auch mehr als fragwürdig. Es wird immer wieder betont, dass die Gefahren der e-Zigarette noch nicht hinreichend erforscht seien und sie nicht als ungefährlichere Alternative zu Tabakzigaretten akzeptiert werden kann.  Diese Argumentation wurde auch schon im Zusammenhang mit Snus verwendet. Sie macht so wenig Sinn, wie die Feststellung, dass "Fahren mit Gurt" nicht ungefährlich ist, und daher abzulehnen ist.

Die Bevölkerung muss geschützt werden

Warum befasst sich die Tabakkontrolle überhaupt mit einem Produkt, das keinen Tabak enthält? Wieso befasst sich das Deutsche Krebsforschungszentrum mit einem Produkt, das nicht im Verdacht steht Krebs zu erzeugen? Und warum versucht die Tabakkontrolle mit aller Macht auch dieses Produkt vom Markt zu fegen? Es wird Gründe geben, aber der Schutz der Volksgesundheit kann unmöglich dazu gehören.

Die Einflusssphäre der Tabakkontrolle ist gewaltig. Bei der gerade anstehenden Novellierung der EU Tabakrichtlinie wird es eine Expertenanhörung geben, bei der sich die geladenen Experten zum großen Teil aus der Tabakkontrolle rekrutieren. Und diese Richtlinie bestätigt in der vorliegenden Fassung das Verkaufsverbot von Snus und führt ein de-facto Verbot der e-Zigarette ein, indem der Nikotingehalt auf absurd niedrige Werte beschränkt wird.

Mit der Tabakkontrolle haben wir nun noch eine Industrie, vor der die Bevölkerung geschützt werden muss. Paradoxerweise sorgt die Tabakkontrolle inzwischen dafür, dass Raucher weiterhin Zigaretten rauchen und nicht auf ungefährlichere Alternativen ausweichen können. Lediglich das Nikotin der Pharmaindustrie wird akzeptiert und sogar beworben.

Die Rolle der Gerichte

Als es noch darum ging den Machenschaften der Tabakindustrie Einhalt zu gebieten, spielten die Gerichte eine erheblich Rolle. Bis jetzt haben sich Gerichte i.d.R. auch korrekt verhalten, wenn es darum ging die Tabakkontrolleure in ihre Schranken zu weisen.

Werden in einigen Jahren die Tabakkontrolleure vor Gericht stehen, und wird man sie fragen, ob ihnen bewusst war, wieviele Menschenleben sie mit ihren Kampagnen aufs Spiel gesetzt haben? Und werden dann geheime Dokumente auftauchen, aus denen hervorgeht, dass sie sehr wohl Bescheid wussten?

Werden die Tabakkontolleure dann aussagen, dass sie von nichts gewusst hatten? Werden sie sagen, dass sie geglaubt hatten, etwas Gutes zu tun? Werden sie gar sagen, dass sie auf Befehl gehandelt haben?

Beobachtet die EU Parlamentarier!

Ein weiteres mögliches Bollwerk ist das Europäische Parlament, dass über die neue Tabakrichtline abzustimmen haben wird. Derzeit werden viele EU-Abgeordnete von gesundheitsbewussten Bürgen angeschrieben und es wird ihnen erklärt, warum diese Richtlinie abzulehnen ist. Die EU-Parlementarier werden sich nicht damit herausreden können, dass sie von nichts gewusst hatten.

Die Abtimmungen im Europäischen Parlament kann man nachvollziehen. Wer hier wie abgestimmt hat ist kein Geheimnis. Eine Partei, deren EU-Abgeordneten die Tabakkontrolleure gewähren lassen oder gar unterstützen, ist für mich nicht wählbar.

Es geht um viel.

Update 16.05.2013

Dick Puddlecote kommt in seinem Artikel über Linda McAvan ("die gefährlichste Frau in Europa") zu einem ähnlichen Schluss. Der Artikel endet mit

History will surely judge these evil ideologues to have blood on their hands.

Update 07.01.2014

Das Abstimmungsverhalten der EU Abgeordneten zum Amendment 170 habe ich hier analysiert:
Wahlentscheidung
Die Linken Fraktionen machen dabei keine gute Figur.


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Donnerstag, 3. Januar 2013

Tabakkontrolle und Finanzmarkt

Wer profitiert am meisten vom Zigarettenverkauf? Es ist nicht die Tabakindustrie, sondern der Staat. 3/4 des Verkaufspreises einer Schachtel Zigaretten sind Steuern. Da das eine Viertel, das die Tabakindustrie behalten darf nicht reiner Gewinn ist, kassiert der Staat unterm Strich rund 10mal so viel wie die Tabakkonzerne. In den USA kann man Wertpapiere (tobacco bonds) kaufen, die durch  Geld, das man den Rauchen noch aus der Tasche ziehen will, abgesichert sind.

1998 einigten sich einige Staaten der USA und die größten Tabakunternehmen im Master-Settlement-Agreement (MSA), dass die Tabakindustrie über 25 Jahre insgesamt geschätzte 200 Milliarden Dollar an die Staaten zahlen muss, im Gegenzug aber vor Klagen und Konkurrenz geschützt wird. Durch diesen Deal gewannen beide Parteien. Verlierer waren die Raucher, die das alles finanzieren müssen.

200 Milliarden klingt auf den ersten Blick nach viel Geld. Auch wenn sie über 25 Jahre verteilt gezahlt werden sind das pro Jahr immer noch über sieben Milliarden. In Deutschland werden aber durch die Tabaksteuer alleine bereits fast 15 Milliarden pro Jahr eingezogen.  Im Vergleich zu den regulären Steuern auf Zigaretten sind die Zahlungen aus dem MSA also nur das Sahnehäubchen. Im Jahre 2011 sah das in den USA so aus:

- Federal excise taxes           $15,101,077,000
- State and local excise taxes   $17,781,272,000
- State cigarette sales taxes     $4,240,744,000
- Tobacco settlement payments     $7,088,376,000


Einige wenige Prozent der MSA Einnahmen werden für Präventionsmaßnahmen ausgegeben. Das klingt wenig, aber es macht die Tabakkontrolle bereits zu einem Billion-Dollar-Business, selbst wenn man die Zuwendungen der Pharma-Industrie außer Acht lässt. Der größte Teil der MSA Bezüge geht aber an die öffentliche Hand. Was diese mit dem Geld anstellt entzieht sich meiner Kenntnis.

Tobacco Bonds

Die Einnahmen aus dem MSA fallen jährlich an und gelten als sichere Geldquelle. Viele Staaten sind daher auf die Idee gekommen, die zukünftigen Zahlungen aus dem MSA auf dem Kapitalmarkt in Form von "tobacco bonds" zu verpfänden. Dadurch haben sie auf einen Schlag einen größeren Batzen Geld in der Hand.

Die Höhe der MSA Zahlungen wird nach einer "komplizierten Formel" berechnet, in die die Menge verkaufter Zigaretten eingeht. Das macht Sinn, denn die Tabakindustrie wird weder bereit noch in der Lage sein Milliardenzahlungen zu leisten, wenn niemand mehr raucht.

Nun geht die Raucherquote in den USA schneller zurück als erwartet, und damit sinken auch die Zahlungen aus dem MSA. Erwartet war ein Rückgang von jährlich 1,8% in Wirklichkeit wurden daraus aber 4,1%.

Das bereitet den Emittenten der Tobacco Bonds arge Probleme, denn sie haben die zukünftigen Einnahmen ja bereits ausgegeben. Kaliforniern, Ohio, Virginia und Nassau County (NY) mussten bereits Reserven anzapfen, um die von ihnen ausgegebenen Bonds zu bedienen. Wenn sich dieser Trend fortsetzt wird Ohio 2024 zahlungsunfähig, weil dann $350 Mio fehlen.

Einige der Emittenten haben nicht das Recht eigene Steuern zu erheben. Sie können sich daher nicht aus der Schlinge ziehen, indem sie anderen Bürgen das Geld aus der Tasche ziehen.

Ob eine weitere Erhöung der Zigarettensteuer  zu mehr Einnahmen führen würde ist ohnehin fraglich, den die Steuern sind bereits so hoch, dass eine weitere Erhöhung die Raucherquote noch weiter reduzieren könnte. Eine Steuererhöhung in Russland wurde bereits mit einer Aufforderung des Finazministers Alexei Kudrin verbunden, doch bitte "mehr zu Rauchen und zu Trinken".

Auch in Deutschland sind die Steuereinnahmen aus Tabakwaren bestenfalls stabil.

 

Glücklicherweise ist Deutschland nicht besonders stark von der Tabaksteuer abhängig. 

Die Tabakrichtlinie

In Europa redet niemand offen darüber, dass wieder mehr geraucht und getrunken werden soll. Dennoch geht die EU mit ihrer Tabakrichtlinie genau in diese Richtung.

Snus und die e-Zigarette haben beide das Zeug die Raucherquote weiter zu reduzieren. Aber die EU erschwert oder verwehrt ihren Bürgen den Zugang zu diesen beiden Alternativen. Unterm Strich ist das ein ähnlicher deal wie das MSA: es gewinnen die Finanzminister, die Tabakindustrie und die Lobby-Organisationen der Tabakkontrolle (die ihre Existenzberechtigung behalten). Bezahlt wird das Ganze von den Rauchern, dieses Mal jedoch nicht nur mit ihrem Geld, sondern auch mit ihrer Gesundheit.