Erst nahmen sie sich die Raucher vor ...

Erst nahmen sie sich die Raucher vor und ich habe den Mund gehalten. Dann nahmen sie sich die Trinker vor und ich habe den Mund gehalten. Dann nahmen sie sich die Dicken vor und ich habe den Mund gehalten. Dann nahmen sie sich mich vor. (Frei nach Martin Niemöller)
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Samstag, 26. September 2015

Die Wahrheit über Crystal Meth

Nachdem ich nun einige Zeit die irreführenden Behauptungen zu Snus und zur e-Zigarette verfolgt habe, bin ich extrem skeptisch geworden. Ich frage mich welche anderen Behauptungen gleichermaßen irreführend sind. Ich fragte mich, ob vielleicht sogar die Gefährlichkeit von Crystal Meth in gleichem Maße aufgebauscht wurde, wie die Gefährlichkeit der e-Zigarette.

Um es vorweg zu sagen: die Frage wie gefährlich Crystal Meth tatsächlich ist konnte ich nicht beantworten, denn es ist extrem schwierig darüber seriöse Informationen zu finden.

Im Grunde seht man immer wieder den gleichen Beitrag oder Artikel. Der enthält einige anekdotische, abschreckende Fallbeispiele, den Auftritt eines Experten und zuweilen einen Reporter, der vorgibt auf der Suche nach der Wahrheit zu sein. Auffällig ist auch, dass in den Titeln oft Ausdrücke wie "Teufelsdroge" oder "die gefährlichste Droge der Welt" auftauchen. Das kenne ich schon von der Berichterstattung über Marihuana und zur e-Zigarette. Das überzeugt micht nicht mehr.

World of Trust

Sucht man auf Google nach "Crystal Meth" findet man auf der ersten Seite bereits zwei Treffer, die vom World-of-Trust System als "verdächtig" eigestuft wurden, beispielsweise diesen hier:


Schaut man sich die Details an, so erfährt man, dass dieses Seite wohl von Scientology stammt. Es ist gang und gäbe, Drogen unreflektiert schlecht zu finden und es ist gleichermaßen üblich, Scientology unreflektiert zu verteufeln. Diese beiden Hysterien geraten hier in Konflikt miteinander. Wissenschaftlich gesehen sagt dies nichts aus, aber eine klammheimlicher Freude kann ich mir nicht verkneifen.

Wikipedia

In Wikipedia findet man, wie so oft, einigermaßen brauchbare Informationen. Dort erfährt man immerhin, dass Meth ein pharmazeutisches Apmhetamin-Produkt ist, das von der Firma Tremmler unter dem Namen Pervitin bis 1988 vermarktet wurde. Auch heute noch werden Amphetamine legal vermarktet, allen voran Methylphenidat, das unter dem Handelsnamen Ritalin vor allem an Kinder mit Aufmerksamkeits-Störungen verschrieben wird. Zwischen 1993 und 2003 hat sich der weltweite Konsum solcher Medikamente verdeifacht.

Nur Pharma-Nikotin ist gutes Nikotin und es scheint, dass auch nur Pharma-Amphetamin gutes Amphetamin ist.

Gefahren

Zu den Gefahren findet man wenig Verlässliches. Die Aussage, dass Meth abhängig macht taucht aber so häufig auf, dass ich geneigt bin das zu glauben. Allerdings scheint es sich nur um eine "psychische Abhängigkeit" zu handeln, was am Ende nicht viel mehr besagt, als dass die Wirkung extrem angenehm ist. Ich weiß auch, dass selbst eine physische Abhängigkeit alleine das Leben nicht unbedingt verkürtzt oder unterträglich macht.

Zu den Gefahren schreibt Wikipedia:

Crystal gehört zu den am schnellsten zerstörenden Drogen überhaupt, wobei für die zerstörerische Wirkung wesentlich die Verunreinigungen verantwortlich gemacht werden, mit denen bei illegaler Herstellung zu rechnen ist.

Das bedeutet, dass die Prohibition hier für den Schaden verantwortlich zu machen ist und nicht die Droge selbst.

Carl Hart

Carl Hart ist Professor an der Columbia University in New York und forscht am Menschen. Er sagt: über 80% der Drogenkonsumenten haben überhaupt kein Problem damit. Diese Leute brauchen weder Behandlung noch Strafe. Es ist ein Fehler, dass sich unsere Gesellschaft so sehr auf die Problemfälle konzentriert, statt den Leuten beizubringen wie man Drogen auf sichere Art und Weise benutzt.

Schon lange frage ich mich, was ein Drogenberater eigentlich tut. Kann ich zu einem Drogenberater gehen und die Frage stellen "welche Droge würden Sie mir denn empfehlen?" Ich habe dieses Experiment noch nicht durchgeführt, aber ich bin mir sicher, dass ich keine vernünftige Anwort bekommen würde. Unsere Drogenberater verdienen diese Berufsbeeichnung nicht wirklich. Sie sind eigentlich Drogen-Abrater.

Upton Sinclair

In seinem Buch "I, Candiadate for Govenrnor" bringt Upton Sinclair die Sache auf den Punkt: "Es ist schwer, jemanden dazu zu bringen, etwas zu verstehen, wenn er sein Gehalt dafür erhält, dass er es nicht versteht".


Weitere Infos










Sonntag, 12. April 2015

Sexismus in Stellenanzeigen

Ich neige dazu über Sprachregelungen zu lästern, die verlangen, dass Schüler "Lernende" genannt werden. Aber die Wikipedia-Seite zum generischen Maskulinum bachte mich dann doch zum Nachdeken.

Dort ist nämlich folgendes zu lesen:

Da allerdings nur die männliche Form generisch verwendet wird, deutet das Ergebnis der Studie darauf hin, dass Frauen sich von Stellenangeboten, die generische Maskulina verwenden, weniger angesprochen fühlen und deshalb von einer Bewerbung absehen.

Das möchte ich nun doch nicht haben. Wenn Jobs für Frauen geeignet sind, dann möchte ich nicht, dass sie sich durch die Formulierung des Stellenabgebots davon abgebracht werden, sich zu bewerben. Dann vielleicht doch besser Lehrkraft statt Lehrer und Müllabholende statt Müllmann.

Bei der zitierten Studie handelt es sich eigentlich um zwei Studien, die beide hier veröffentlicht wurden:

Sandra L. Bem, Daryl J. Bem: Does Sex-biased Job Advertising “Aid and Abet” Sex Discrimination? In: Journal of Applied Social Psychology. 3, Nr. 1, 1973, S. 6–18

Ich war so frei sie zu lesen.

In der Einleitung erfährt man, dass Diskreminierung wegen Rasse, Hautfarbe, Religion und Geschlecht in den USA verboten sind, und dass der Zusatz "and sex" ursprünglich als Witz aufgefasst wurde und auch so gemeint war. Nun gut

Die erste Studie

In der ersten Studie geht es um Stellenangebote, die sich gezielt und bewusst an ein Geschlecht wenden und dem Gesetz nur dadurch genüge tun, indem sie am Ende "Pacific Telephone, An Equal Opportunity Employer m/f" schreiben.

Pacific Telephone Anzeigen wurden 120 Probanten beiderlei Geschlechts vorgelegt, und zwar
  • geschlechts-spezifisch (das war das Original),
  • neutralisiert und 
  • geschlechts-spezifisch mit vertauschen Rollen
Dabei waren die neutralisierten und vertauschen Anzeigen gegenüber den Originalen deutlich umformuliert. Männer fühlten sich von Jobs als "Fräulein vom Amt" weniger angesprochen als von solchen, in denen der selbe Job mit "wir suchen einen Mann mit einer sonoren männlichen Stimme" beschrieben wurde.

Die Studie beweist, dass wenn man gezielt nach Bewerbern eines Geschlechts sucht, sich bevorzugt Bewerber dieses Geschlechts bewerben und der "equal opportunity" Nachsatz daran nicht viel ändert. Mit dem generischen maskulinum hat diese Stude nichts zu tun und Wikipedia zitiert sie hier im falschen Kontext.

Die zweite Studie

In der zweiten Studie geht es darum, welchen Einfluss es hat, wenn man Stellenanzeigen in einer Zeitung in zwei Rubriken unterteilt, nämlich "Jobs für Männer" und "Jobs für Frauen". Der Versuch wurde mit 52 Probanten durchgeführt, alles Frauen.

Unglücklicherweise sind die Ergebnisse völlig anders dargestellt als die der ersten Studie, obwohl sie von den gleichen Leuten durchgeführt wurden. Die Frage, wie groß der Einfluss der Rubrik ist, im Vergleich zu geschlechtsspezifischen Texten lässt sich so leider nicht beantworten. Im Grunde genommen kann ich das Ergebnis nicht wirklich interpretieren, aber es sagt wohl aus, dass auch die Rubrik einen Einfluss hat.

Fazit

Im Postscript steht, das AT&T den Prozess verloren hat und sich verpflichtete, den Anteil der beschäftigten Frauen auf einen gewissen Prozentsatz zu erhöhen.

Die Studien wurden angefertigt, um ein bestimmtes gewünschtes Ergebnis zu produzieren, denn sie sollten ja in einem Prozess die eine Seite unterstützen. Das ist grundsätzlich in Ordnung. Aber über dem Auge der Wissenschaft hebt sich dabei eine Augenbraue. Anwalts-Plädoyers gelten auch dann nicht als wissenschaftliche Fakten, wenn der Prozess gewonnen wurde.

Am wichtigsten ist aber, dass beide Studien gar nichts mit dem generischen maskulinum zu tun haben, aber dennoch in diesem Zusammenhang zitiert werden.

Dienstag, 3. März 2015

Stiftung Warentest und die e-Zigarette

Im März 2015 veröffentlichte die Stiftung Warentest einen Bericht über die e-Zigarette. Der Bericht war im üblichen Konjunktiv-Stil geschrieben, der Autor gibt sich nicht zu erkennen und in den Kommentaren hagelt es Kritik.  Aber eine Bemerkung erweckte meine Aufmerksamkeit.

Anil Batra vom Wissenschaftlichen Aktions­kreis Tabak­entwöhnung findet den kompletten Verzicht besser, als den Kippen­konsum bloß zu verringern oder dauer­haft auf die E-Zigarette umzu­steigen.

Wer ist dieser Wissenschafliche Aktionkreis Tabakentwöhnung (WAT)? Es ist ein eingetragener Verein (District court Frankfurt am Main VR 9737). Eingetragen wurde er 1991. Auf Google gibt es für WAT nur ein paar hundert Treffer und in Google Trends findet man nichts zu WAT. (Stand März 2015). Selbst das DKFZ weckt da mehr Interesse, wenn auch mit fallender Tendenz.

Martina Pötschke-Lange vom DKFZ ist dort Mitglied. WAT gibt zusammen mit dem DKFZ einen Newsletter heraus. Das DKFZ bietet im Gegenzug ein "Curriculum Tabakabhängigkeit und Entwöhnung" an und "Das 20stündige Curriculum Tabakabhängigkeit und Entwöhnung ist zertifiziert durch den Wissenschaftlichen Aktionskreis Tabakentwöhnung (WAT) e.V."

Phantom

Das legt den Verdacht nahe, dass WAT ein Phantom ist, das geschaffen wurde um mehr unabhängige Experten vorzutäuschen als es wirklich gibt.  WAT ist eng mit dem DKFZ vernetzt. Sehr eng.

Bemerkenswert ist, dass sie damit bei Stiftung Warentest durchgekommen sind. Aber vielleicht hat das DKFZ ja den ganzen Bericht selbst geschrieben. Wenn Lobbyisten Gesetze schreiben dürfen, dann doch sicher auch einen Artikel.


Mittwoch, 8. Januar 2014

Jugendliche in den USA Rauchen immer weniger

Eine Untersuchung des US Departments of Health zeigt, dass immer weniger Jungedliche mit dem Rauchen anfangen.

Past Year Cigarette Initiation among Youths Aged 12 to 17
Dies kann man als einen Erfolg der Tabakkontrolle werten, zielen deren Maßnahmen doch vor allem darauf, zu verhindern, dass Jugendlich mit dem Rauchen anfangen.

Sex oder Fußball

Es sieht aber nun so aus, als ob die Menschen einfach später mit dem Rauchen anfangen. Carl V. Phillips beschreibt das so: ist Rauchen wie Fußball oder wie Sex? Wer in jungen Jahren keinen Fußball gespielt hat, wird später nicht damit anfangen. Bringt man Jungenlichen aber bei, keinen Sex zu haben, so verhindert das nicht, dass sie als Erwchsene damit anfangen. Verhält sich Rauchen nun wie Fußball oder wie Sex?

Past Year Specific Tobacco Product Initiates among Persons Aged 12 or Older
Diese Grafik zeigt die Gesamtzahl der Neueinsteiger. Insbesonere die Kurve für Zigaretten ist annähernd konstant und zeigt nicht den Abwärtstrend, den man bei Jungenlichen beobachten kann.

Das deutet darauf hin, dass Rauchen eher wie Sex ist: auch wenn man als Jugendlicher nicht damit anfängt, heißt das noch lange nicht, dass man nicht später doch noch einsteigt.

Interessant ist auch der leichte Abfall bei rauchlosem Tabak (Snus, Kautabak, Schnupftabak). Ein Erwachsener, der sich dem Tabak zuwendet tut dies bevorzugt mit Zigaretten.

Auch dies geht zumindest teilweise auf das Konto der Tabakkontrolle, die immer wieder gegen rauchlosen Tabak argumentieren.

Alle sind zufrieden

Mit diesem Bild können alle gut leben. Sowohl die Tabakindustrie als auch die Tabakkontrolle sind auf Raucher angewiesen und es sieht so aus, als ob der Nachschub an neuen Rauchern nicht abreißen wird. Auch die Finanzminister können sich weiterhin über die Einnahmen aus der Tabaksteuer freuen.









Montag, 20. Mai 2013

Es wird nicht schlimmer

Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass der Konsum von Alkohol und anderen Drogen unter Jugendlichen ein immer größeres Problem wird. Diese Wahrnehmung ist aber das Ergebnis von Desinformations-Kampagnen. In Wirklichkeit werden die Jugendlichen immer braver.

Hier das Ergebnis einer Studie der University of Michigan


Zugegeben, der Marihuana-Konsum steigt, aber das wirft eine andere Frage auf: wenn, wie häufig behauptet wird, mächtige Industrien die Jugendlichen zum Alkohol und Tabakkonsum verführen, welche Industrie ist dann für den Anstieg des Marihuana-Konsums verantvortlich?

Und wenn wir schon bei Statistiken sind, hier ist der absolute Albtraum der Tabakkontrolle: die e-Zigarette wird den Abwärtstrend der Tabakzigratte noch beschleuningen.


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Mittwoch, 3. Oktober 2012

Fälscht die EU Untersuchungen über Snus?

Clive Bates berichtet, wie eine Untersuchung der Holländischen Firma "Research voor Beleid" zum Thema Snus nachträglich verändert wurde. Dabei kam auch Tip-ex zum Einsatz.

Kurz gesagt, 2003 kam besagte Studie  zu dem Schluss, dass das Snus Verbot aufgehoben werden sollte. Das passte dem Auftraggeber, dem European Network for Smoking Prevention, ENSP nicht ins Konzept und so wurde beschlossen die Studie zu überarbeiten, die es jetzt in zwei Versionen gibt.

Aber auch in der zweiten Version ist den Zensoren ein Halbsatz durchgeschlüpft, den sie kurzerhand mit Tip-ex entfernten. Der Satz lautete im Original:

"Ein Anstieg von von Mundhölenkrebs wurde bei Snuff Benutzern in Nordamerika beobachtet, konnte in Schweden aber nicht nachgewiesen werden."

In der mit Tip-ex behandelten Fassung hieß es dann nur noch:

"Ein Anstieg von von Mundhölenkrebs wurde bei Snuff Benutzern in Nordamerika beobachtet."

Ans Licht gebracht hat das nicht WikiLeaks, sondern das Schwedische Aftonbladet. Dort findet man auch ein Faksimile des manipulierten Dokuments. Bei Clive Bates findet man eine übersetzte Fassung.

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Samstag, 29. September 2012

Die Pharma-Industrie gegen die e-Zigarette

Prof. Michael Siegel berichtet in The Rest of the Story, dass  Pfizer 2,75 Millionen Dollar an Gruppen gespendet hat, die sich für ein Verbot der e-Zigarette einsetzen.

Es ist kein Geheimnis wem Pfizer Spenden zukommen lässt, denn die Zahlen werden von Pfizer selbst veröffentlicht. Pro Jahr gibt es ein rund 90seitiges Dokument, das die Spenden an etwa 2000 Organisationen auflistet. Aus den Berichten für 2011 und 2012 ergeben sich die 2,75 Millionen, von denen Prof. Siegel berichtet.

Dass die Pharma Industrie die Tabakkontrolle finanziell unterstützt ist seit Jahren bekannt, wie ich hier berichtete. Bereits in dem 2008er Bericht tauchten einige der in 2012 unterstützten Organisationen auf, wenn auch mit niedrigeren Beträgen.

Man kann sich leicht vorstellen, dass die Pharma Industrie über die e-Zigarette nicht erfeut ist. Sie ist eine unliebsame Konkurenz, wenn es darum geht, Rauchern Geld aus der Tasche zu ziehen.

Dass von 2000 Organisationen im heanth-business gerade mal 8 gegen die eZigarette ins Feld ziehen, könnte aber auch ein Zufallseffekt sein. Einige der seit Jahren unterstützen Organisationen selbst haben bereits ein ausreichend großes Interesse daran, die e-Zigarette vom Markt zu fegen.  Eine Organsiation wie ASH ("actions on smoking and health"- $200.000) verlöre ohne Raucher vollends ihre Existenzberechtigung. Dagegen ist für die Pharma-Industrie der Nikotinmarkt nur peanuts.

Von daher ist die suggerierte Schlussfolgerung, dass nämlich die Pharma-Industrie gezielt gegen die e-Zigarette vorgeht zwar möglicherweise wahr, aus dem Zahlenmaterial aber kaum ableitbar.

Aber es trifft ja keinen Unschuldigen. Die Methode sich aus einem Berg von Zahlen solche herauszugreifen, die den eigenen Standpunkt untermauern ("cherry picking") wird von der Tabakkontrolle seit Jahren mit Erfolg praktiziert.  Beispielsweise wird sich sicher irgendwo auf der Welt ein Ort finden lassen, wo irgendwelche Erkrankungen zurückgegangen sind, nachdem ein generelles Rauchverbot verhängt wurde. Gefunden wurde Helena, Montana.






Mittwoch, 27. Juni 2012

Der Selbstmut-Effekt


Warum es eine Gesundheitslobby gibt.

Lange habe ich mich gefragt, wie Menschen solch unsinnige Veröffentlichungen hervorbringen können, wie das DKFZ, das BfR oder ASH. Ich glaube nicht daran, dass die Leute, die dort arbeiten grundsätzlich böse Menschen sind. Es müssen Sachzwänge sein, die sie in ihre demagogische Ecke getrieben haben. Aber welche könnten das sein, und wie könnte man helfen?

Sie müssen handeln

Angenommen jemand macht Sie zum Minister für für Selbstmut. Kein Mensch hat je Probleme mit Selbstmut gehabt, genaugenommen wissen die meisten nicht einmal, was das bedeuten sollte. Ein Jahr verstreicht und Sie, als Minister verkünden stolz: "mit Selbstmut ist alles in Ordnung". "Fein" sagen alle, der hat seinen Laden im Griff.

Nun verstreicht noch ein Jahr und Sie verkünden wieder (wahrheitsgemäß): "immer noch alles in Ordnung mit  Selbstmut". Da werden langsam einige Leute nervös. "Wieso", fragen sie, "brauchen wir eigentlich ein Ministerium für Selbstmut, da gibt es doch gar nichts zu tun?".

Nun ist ihr Job in Gefahr. Sie müssen handeln. Sie haben zwei Alternativen: entweder Sie verkünden, dass Selbstmut eine tolle Sache ist, und dass wir noch mehr davon brauchen, oder Sie sagen, dass Selbstmut höchst gefährlich ist, und sein Risiko stark unterschätzt wird. Nur "alles in Ordnung" dürfen Sie nicht sagen.

Warnen ist ungefährlich

Ersteres ist eine riskante Sache. Früher oder später wird jemand kommen und sagen: "Selbstmut verursacht Krebs", oder "Selbstmut ist für Kinder attraktiv". Da würden Sie schön blöd darstehen. Da hat man schon ein ganzes Ministerium für  Selbstmut, und die merken nicht einmal, dass Kinder davon Krebs kriegen. Nein, das ist viel zu riskant.

Wenn Sie auf der sicheren Seite segeln wollen, dann müssen sie allen "Gefahren" zuvorkommen. Also behaupten Sie selbst frech: "Selbstmut fordert jährlich 3000 Tote". Wenn dann noch mal jemand kommt mit Kindern und Krebs, dann sagen Sie einfach: "hab ich doch gleich gesagt".

Aber es kommen auch die Zweifler auf den Plan. Sie sagen: "es gibt doch gar kein Problem mit  Selbstmut". Diese Art des Widerspruchs ist viel harmloser, denn schwupps haben Sie die nächste Presse-Erklärung serviert bekommen: "viele unterschätzen die Gefahren von Selbstmut". Und Sie sind wieder im Gespräch.

Beweise lassen sich beschaffen

Schließlich kommen die ganz Harten und verlangen wissentschaftliche Beweise. Jetzt müssen sie wohl oder übel ein Geschäft eingehen. Sie können diese Ergebnisse ja schlecht selbst liefen, denn erstens haben Sie die (natürlich) nicht, und zweitens würde Ihnen keiner glauben. Sie brauchen jemand "Unabhängigen".

Für unsereinen wäre das eine unlösbare Aufgabe, aber Sie leiten ja ein Ministerium und Sie haben ein Budget. Also: bevor es zu spät ist beauftragen Sie einen Joe, eine Studie zu erstellen. Der kann abliefern was er will, solange im Abstract etwas steht wie: "Selbstmut - die Unterschätzte Gefahr". Natürlich wäre es besser, wenn danach eine Studie käme, die die Gefahren von Selbstmut tatsächlich beweisen würde, aber wirklich nötig ist das nicht, dann das liest ohnehin keiner.

Das klappt gut. Aber jetzt haben Sie da ein Feuer, das sie am brennen halten müssen. Immer wieder tauchen diese Leute auf, die "alles Quatsch" rufen und sie müssen mit einer Horrormeldung oder einer Studie parieren. Sonst ist ihr Budget oder sogar ihr schöner Ministerposten futsch. 

Strumpfpuppen kämpfen um ihr Budget

Zur Sicherung ihrer Existienz kommen sie auf die Idee, Joe permanent zu finanzieren. Wenn der von Ihrem Geld lebt, wird er sich hüten sowas wie "Selbstmut - alles Quatsch" zu rufen. Ein paar Joes mehr können auch nicht schaden. Sie träumen davon eine ganze Armee von Strumpfpuppen zu kontrollieren, die das sagen, was sie verlangen, dabei aber so tun, als handle es sich um unabhängige Meinungen.

Aber ihr Budget wird knapp. Was tun?

Sie fangen an, einen heroischen Kampf gegen die Gefahren des Selbstmuts zu führen und für ein größeres Budget zu kämpfen und hin und wieder wird ihnen tatsächlich ein höheres Budget zugeteilt. Wann ist ihr Budget hoch genug? Niemals!

Ein größeres Budget ist immer besser, egal wie groß es bereits ist. Das Selbe gilt für alle anderen Sachen, die sie durchgesetzt haben: es ist niemals genug. Die Gesetze sind noch nicht ausreichend, die Öffentlichkeit ist noch nicht genügend alarmiert und mehr Forschung wird benötigt. Denken Sie immer daran: sobald sie sagen: "jetzt ist es gut", sind Sie weg vom Fenster.

Verrlangen Sie eine Selbstmut-Steuer und erheben Sie Anspruch auf einen Teil der Steuereinnahmen. Geben Sie dem Finanzminister aber auch etwas davon ab, damit er auf Ihrer Seite bleibt. Dieses Mittel ist ausgeschöpft, wenn weitere Steuererhöungen zu geringeren Steuereinnahmen führen. Aber auch dann fordern Sie weitere Erhöhungen, nur diesmal werden sie am Finanzminister scheitern. Aber Sie bleiben im Gespräch.

Steuergelder sind aber nicht die einzig mögliche Einnahmequelle. Sollte es eine Industrie geben, die ein Interesse daran hat, Selbstmut zu bekämpfen, dann versuchen Sie sich von denen fördern zu lassen.

Gesellschaftliche Spaltung

Bei Ihrem Kampf um ein höheres Budget ist es nützlich, wenn es gelingt die Bevölkerung in zwei Gruppen zu spalten. Die Einen halten Sebstmut für ungefährlich und bangen um ihre bürgerlichen Freiheiten, während die Anderen höllische Angst vor Selbstmut  haben und am liebsten ein generelles Verbot sehen würden.

Beide Gruppen sind letztlich nützlich für Sie, was Sie nicht brauchen können sind die Gleichgültigen. Also sorgen Sie dafür, dass sich die beiden Gruppen ordentlich bekriegen. Um die Sache in Schwung zu kriegen gründen Sie selbst ein paar Initiativen, die "Selbstmut-Kontrolle" oder so ähnlich heißen. Notfalls gründen Sie auch ein paar Initiativen "Pro-Selbstmut", sollten die nicht von alleine entstehen.

Prangern Sie die Selstmut-Industrie an. In dieser Phase ist es von entscheidender Bedeutung den Menschen klar zu machen, dass sie sich dem Selbstmut-Problem nicht entziehen können. Machen Sie klar, dass auch Leute, die mit Selbstmut gar nichts zu tun haben, indirekt doch unter den Folgen zu leiden haben. Machen Sie den Selbstmut-Gegnern klar, dass sie Opfer der Selbstmut-Industrie sind. Lassen Sie Joe ein paar Studien dazu erstellen.

Moralische Überlegenheit

Machen Sie auch deutlich, dass die Selbstmut-Gegner grundsätzlich die Guten sind. Damit gehören Sie und ihr Ministerium automatisch auch zu den Guten. Zu den Bösen gehört die Selbstmut-Industrie and all Ihre Kritiker. Behaupten Sie, dass Ihre Kritiker von der Selbstmut-Industrie bezahlt werden.

Scheuen Sie auch nicht davor zurück, zu lügen dass sich die Balken biegen. Es macht nichts, wenn man Sie postwendend widerlegt. Das verschafft ihnen zusätzliche Gelegenheiten ihre Gegner ins moralische Abseits zu stellen.

Argumentieren Sie so: alleine an der Tatsache, dass ihre Gegner Sie kritisieren, erkennt man was für Schurken das sind. Wenn sie von verschiedenen Gruppen attackiert werden, dann argumentieren Sie, dass die eine Gruppe offenbar ähnliche Ziele verfolgt wie die andere, und dass die andere Gruppe aus Schurken besteht ist eh klar.

Gesetze

Fordern Sie neue Gesetzte. Damit bleiben Sie im Gespräch. Das schöne daran ist, dass es überhaupt nicht darauf ankommt, dass die Gesetze einen Nutzen bringen. Sollten sie das tun, dann behaupten Sie, dass dank ihrer Gesetze das Sebstmut-Problem zurückgegangen ist. Haben die Gesetze keinen, oder gar einen gegenteiligen Effekt, dann sagen Sie, dass die vorhandenen Gesetze noch nicht ausreichen.

Besonders nützlich ist es, wenn ihre Gesetze Schaden an anderer Stelle anrichten. Wenn Sie z.B. damit anfangen, Jungendliche wegen Selbstmut-Vergehen in den Knast zu stecken, dann vernichten Sie Existenzen und züchten neue Kriminelle. Das kann ihnen aber nur recht sein. Sie sagen einfach: "Selbstmut führt zu Kriminalität" und können das ausnahmsweise sogar mit Statistiken belegen. Ha!

Konkurrenz

Gefahr droht Ihnen nicht so sehr von Ihren Gegnern, als von Produkten, die das Zeug dazu haben Selbstmut vom Markt zu verdrängen. Diese Produkte müssen sie unbedingt bekämpfen. Argumentieren Sie so: da diese Produkte Selbstmut ersetzen, sind sie offenbar ähnliches Teufelszeug wie Selbsmut. Sagen sie dass Kinder davon Krebs bekommen.

Internationalisierung

Es schadet auch nicht, das Problem auf die internationale Bühne zu heben. Halten sie eine internationale Konferenz ab, zu der sie Leute aus anderen Ländern einladen, die sich nach mehr öffentlicher Wahrnehmung sehnen. Vielleicht gründen sie im Anschluss sogar eine "Welt-Selbstmut-Organisation". Wenn sie die bei der UNO plaziert kriegen, sollten ihre Budgetproblem endgültig der Vergangenheit anghören. Nun können Sie soviele Joes bezahlen, dass Sie vor Kritikern keine Angst mehr zu haben brauchen.

Sie können dann internationale Verträge abschließen. Sie können beispielsweise, die von vielen geforderten wissenschaftlichen Beweise einfach per Vertrag "als in überwältigen Maße vorhanden" deklarieren.  Lassen sie alle Mitglieder unterschreiben, und wenn wieder jemand Beweise sehen will, zeigen Sie ihm den Vertrag und sagen: "da steht's doch". Das ist noch einfacher als Joe zu bezahlen.

Wenn in mehreren Ländern das Selbstmut-Problem in der Öffentlichkeit diskutiert wird, haben Sie ferner den Vorteil, dass Sie aus den  subtilen Unteschiede in den verschiedenen Ländern Kapital schlagen können. Vielleicht gibt ein Land mehr Geld für Selbstmut-Kontrolle aus als ihr eigenes, oder es gibt härtere Strafen bei Selbstmut Vergehen. Also prangern sie das an: "Deutschland hinkt im internationalen Vegleich hinterher".


So, oder so ähnlich könnte die Sache gelaufen sein.












Sonntag, 24. Juni 2012

Das DKFZ, Snus und die E-Zigarette

Wer die Studie des Deutschen Krebsforschungzentrums in Heidelberg gelesen hat, in der suggeriert wurde, es gäbe in Deutschland jährlich 3300 Todesfälle durch Passivrauchen, fragte sich: was hat das denn noch mit Forschung zu tun? Die Äußerungen des DKFZ zu den Themen Snus und e-Zigratette sind ähnlich schwer verdaulich.

Das Snus-Verbot in der EU war einer der Gründe, warum ich mit diesem Blog überhaupt angefangen habe. Dieses Verbot ist so abstrus, dass ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, dass es hier um den Schutz der Volksgesundheit geht. Es muss um etwas anderes gehen, aber was?

Bis heute habe ich darauf keine klare Antwort. Ich konnte nur einige sich wiederholende Muster erkennen:
  • Die WHO ist oft im Spiel
  • Die Phama-Industrie ist oft im Spiel 
  • Die Forderung nach Verboten und Regulierungen wird oft mit extrem geringen oder völlig unbekannten Risiken begründet. Dagegen werden Verbote selbst als absolut risikofrei dargestellt.
  • Gegen Zigraretten als nikotinhaltige Droge wird zwar gewettert, aber es wird darauf geachtet, dass Raucher weiter rauchen können,
  • Für alle anderen nikotinhaltigen Drogen gilt: nur wenn sie von der Pharma-Industrie kommen enthalten sie gutes Nikotin, sonst  enhalten sie schlechtes Nikotin.
  • Im Netz sind die meisten Meinungsäußerungen gegen das schlechte Nikotin, entweder in einer einheitlichen Spache verfasst, als kämen sie von einer einzigen Pressestelle, oder sie sind in unglaublich schlechtem Deutsch geschrieben und wimmeln von Beleidigungen und hasserfüllten Äußerungen (die Nikotinsüchtigen kozen mich total an, ich haße die)
Was Frau Pötschke-Langer zum Thema e-Zigarette zu sagen hat, überrascht denn auch nicht: In einer Veröffentlichung des DKFZ findet man u.a. Folgendes (Hervorhebungen von mir):
  • [es ist] nichts darüber bekannt, ob und wie sich die Inhalation der von den elektrischeZigaretten erzeugten Dämpfe langfristig auf die Gesundheit auswirkt.
  • Elektrische Zigaretten sind möglicherweise ein Einstiegsprodukt in den Tabakkonsum.
  • [es gibt] Medikamente, für die eine Wirksamkeit in der Tabakentwöhnung wissenschaftlich nachgewiesen ist
  • Die Nutzung elektrischer Zigaretten in Rauchverbotszone kann nicht unterstützt werden. Es ist [..]derzeit nicht möglich, abzuschätzen, inwieweit elektrische Zigaretten die Innenraumluft belasten
Und als Fazit liest man:  Aufgrund des Nikotingehalts ist eine Regulierung der elektrischen Zigarette als Arzneimittel angezeigt. Ein Verbot als Nachahmerprodukt von Tabakprodukten auf der Basis einer entsprechenden Gesetzesgrundlage wird empfohlen.

Wer mag, kann sich noch die entsprechende Veröffentlichung des DKFZ zum Thema Snus durchlesen. Auf der letzten Seite findet man zwei  kleine Mathematikaufgaben. Es wird gesagt (Anmerkungen und Hervorhebungen von mir):
  • Dank zunehmender Tabakkontrollmaßnahmen [Nachweis fehlt] ist in den letzten Jahren [von 2006 bis 2009] in vielen Ländern, in denen der Verkauf rauchloser Tabakprodukte verboten ist, die Raucherprävalenz gesunken. So sank der Raucheranteil beispielsweise in Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden, Italien und Finnland im Zeitraum von 2006 bis 2009 jeweils um fünf Prozentpunkte. In Schweden nahm der Raucheranteil im gleichen Zeitraum weniger deutlich ab34 (Abb. 3).
 Beantworten Sie folgende Fragen:
  • welcher Effekt ist stärker: ein Rückgang der Raucherquote von 32% auf 29% (EU-Durchschnitt, wo Snus verboten ist) oder ein Rückgang von 18% auf 16% (Schweden, wo Snus erlaubt ist)?
  • Wo wird weniger geraucht: in Schweden oder in der EU?
Wer den Effekt von Snus auf die Raucherquote statt über die willkürlich herausgegriffenen Jahre 2006-2009 lieber über einen größeren Zeitraum sehen möchte, dem sei die Sudie von Foulds, Ramstrom, Burke und Falderstöm ans Herz gelegt. Dort findet man folgende Grafik:

Ich kann den Argumenten, die in diesen beiden Veröffentlichungen vorgetragen so wenig folgen, dass sie mir schon fast wie gezielte Desinformation erscheinen. Und das DKFZ ist mit der WHO verbandelt. Macht das nun das DKFZ glaubwürdiger oder die WHO unglaubwürdiger?

Die nächsten Jahe werden interessant. Die schleichende Prohibition von Zigaretten und e-Zigaretten, sowie die offene Prohibition von Snus werden uns sicher noch viele neue nikotinhaltige Drogen bescheren. Momentan gibt es einen immer stärkeren Schwarzmarkt für Zigaretten. Wann kommt der Schwarzmarkt für e-Zigaretten?

Es geht nicht um die Volksgesundheit. Aber worum geht es dann?




Samstag, 31. März 2012

Vitamine, Passivrauch und Radioaktivität

Würde man diese drei Gefahren nach ihrer Gefährlichkeit sortieren, würden die meisten Menschen sich am meisten vor Radioaktivität fürchten, gefolgt von Passivrauch. Vitamine, genauer Vitaminpräparate würde man als weitgehend ungefährlich einstufen. Einige Studien sehen das anders.

Radioaktivität

Die Überlebende der Atombomben-Abwürfe auf Hiroshima und Nagasaki waren erhöhten Strahlendosen ausgesetzt, oft über längere Zeit. In Folge kam es zu einem Anstieg der Leukämie-Erkrankungen und anderer Krebsarten, die z.T. tödlich endeten. Was glauben Sie, wieviele dieser Todesfälle wir zu beklagen haben?

Prof. Dr. Albrecht Kellerer, Direktor des Instituts für Strahlenbiologie der GSF, schreibt dazu auf http://www.gesundheitsamt.de/alle/umwelt/physik/strahl/ion/ra/hirosh.htm

Die statistischen Analysen zeigten, daß in den Jahren 1959 bis etwa 1970 unter den Atombombenüberlebenden etwa doppelt so viele Leukämien auftraten, als normalerweise zu erwarten gewesen wären. In den folgenden Jahren normalisierten sich die Leukämiehäufigkeiten allmählich wieder. Bis heute sind von etwa insgesamt 250 Leukämiefällen, die unter den Atombombenüberlebenden auftraten, etwa 80 der Strahlenexposition zuzuschreiben.

Im Gegensatz zu weit verbreiteter Meinung zeigen die Untersuchungen in Japan daß, die Anzahl der strahlenbedingten Krebstodesfälle unter den Atombombenüberlebenden nicht in die Tausende oder sogar Zehntausende geht. Die Zahlen für Leukämie wurden bereits erwähnt, für die anderen, häufigeren Krebserkrankungen gehen von bisher insgesamt etwa 9.000 Krebstodesfällen unter den Atombombenüberlebenden ungefähr 400 auf die Strahlenbelastung zurück

Passivrauch

Frau Pötschke-Langer
Aus der vielzitieren Studie von Frau Pötschke-Langer geht hervor, dass in Deuschland 3300 Todesfälle durch Passivrauch verursacht werden.

Gehen wir mal davon aus, dass die Zahl 3300 tatsächlich begründet ist. Dann kommen wir zu der irritierenden Feststellung, dass man als Passivraucher gefährlicher lebt, als als Einwohner von Japan, nach den Atombomben-Explosionen von Hiroshima und Nagasaki.

Vitamin-Präparate

Professor Dr. med Peter Jüni, Vorsitzender des Lehrstuhls für klinische Epidemiologie und Biostatistik an der Universität Bern sagt: Es ist davon auszugehen, dass 2000 bis 5000 Menschen über ein Jahr Supplemente konsumieren müssen, damit ein unnötiger Todesfall auftritt. Das Problem ist jetzt aber, dass ein Grossteil der Bevölkerung diese Tabletten schluckt – in Deutschland geht man von rund 18 Millionen Menschen aus. Daraus resultiert ein Schätzwert von 1000 bis 5000 Todesfällen pro Jahr

Fazit

Uns scheint uns die Fähigkeit abhanden gekommen zu sein, Gefahren richtig einschätzen zu können. Dadurch haben professionelle Angstmacher leichtes Spiel. Der Ablsasshandel blüht.


Dienstag, 20. Dezember 2011

Wissenschaft nach CDC und Pfizer

Die CDC Foundation und der Pharma Gigant Pfizer haben im November 2011 eine Studie angekündigt, deren Ergebnisse bereits feststehen. Das ist an sich nicht ungewöhnlich, nur diesemal fand die Festlegung der Ergebnisse öffentlich statt.

Die Studie soll die ökonomischen Auswirkungen von Rauchverboten untersuchen. Thomas R. Frieden, Direktor der CDC bemerkt dazu: "Rauchfreie Arbeitsplätze, Restaurant und Bars rettet Leben, steigert die Produktivität, reduziert Gesundheitsrisiken und schaden nicht dem Geschäft".

Diese Aussage wurde zu Beginn der Studie veröffentlicht.

Die CDC ist das "Center for Desease Control and Prevention", eine Regierungsorganisation. Die CDC Foundation ist eine gemeinnützige Nichregierungsorganisation, die aber vom amerikanischen Kongress gegründet wurde. Die Pharma Firmen Merck, Pfizer, Roche und viele andere gehören zu ihren Unterstützern.

D. Joe Boone, Marketing Manager der CDC Foundation charaktersiert seine Organisation als "Die CDC Foundation verwaltet nicht nur Budgets. Sie engagiert sich für qualitativ hochwertige Arbeit, sie will sicherstellen, dass das Geld klug ausgegeben wird."





Samstag, 27. August 2011

Frauen sind die besseren AutofahrerInnen

Hannelore Mabry, eine Münchner Feministin und Herausgeberin der Zeitschrift "Der Feminist",  legte 1987 im »Spiegel« Wert auf die Feststellung, sie habe eine Gruppe nichtfeministischer Frauen nicht als Arschlöcher, sondern als Arschlöcherinnen bezeichnet.

Bei meinen Versuchen richtig Deutsch zu lernen bin ich auf diese Seite gestoßen, auf der sich ein lesenswerter Abschnitt über politisch korrekte Sprache befindet. Ich zitiere auszugsweise.

StundentInnen

Im akademischen Umfeld ist als generischer Plural auch die Studierenden gängig. Auf solchen Konstruktionen bestehen in erster Linie Personen, die nicht begriffen haben, daß Genus und Sexus im Deutschen recht wenig miteinander zu tun haben (die Aufsicht, die Aushilfe/Aushilfskraft, die Drohne, die Geisel)

Wie lächerlich der Begriff Studierende ist, wird deutlich, wenn man ihn mit einem Partizip Präsens verbindet. Man kann nicht sagen: In der Kneipe sitzen biertrinkende Studierende. Und nach einem Massaker an einer Universität kann man schlecht sagen: "wir trauern um unsere toten Studierenden".

man, Mann und Mensch

Althochdeutsch man bezeichnet einen Menschen unabhängig von dessen Geschlecht; die geschlechtsspezifischen Entsprechungen sind wer für männlicher Mensch (erhalten in Werwolf) und quina (erhalten in queen) für weiblicher Mensch. 

Durch die Formel man/frau werden Menschen weiblichen Geschlechts aus der durch man bezeichneten Gruppe herausgenommen — was ähnlich sinnvoll ist, als spräche man von Menschen und Frauen.

"mensch" — Hat angeblich frau statt man abgelöst und ist gleich noch meschugger, ja fast dämlicher. (Eckhard Henscheid: Dummdeutsch).

Jedoch ist weder herrlich von Herr abgeleitet noch dämlich von Dame

Spachfeminismus in der Sackgasse 

Wer mehr zu diesem Thema wissen möchte, dem sei die Seite Spachfeminismus in der Sackgasse von  Arthur Brühlmeier empfohlen, wo sich u.A. folgende Perle des Basler Gesundheitsdepartements (sic!) findet:

Bereits die mildeste und häufigste Form der Trennung einer ‘Rolle des Verantwortungstragens’ (Arzt/Ärztin) von einer ‘Rolle des sich-Anvertrauens und sich-Unterordnens’ (Patient/in) reduziert die Eigenverantwortlichkeit, mit der der/die Patient/in Entscheidungen in Bezug auf seine/ihre Gesundheit trifft. Damit wird der/die ‘beratende Arzt/Ärztin’ zum/zur ‘entscheidenden Arzt/Ärztin’. In bestimmten Situationen haben Patient/in und Arzt/Ärztin natürlich keine andere Wahl (zum Beispiel bei einer Notfallbehandlung eines Bewusstlosen).

Trotz aller Mühe ist es den Autoren entgangen, dass es natürlich "eines/einer Bewusstlosen" heißen müsste.

Eine weitere Perle beschreibt die Schwierigkeiten zusammengesetzte Substantive wie "Lehrerbetreuer" politisch korrekt zu formulieren. Hier muss man nämlich beide Teile, nämlich "Lehrer" und "Betreuer" sowohl männlich als auch weiblich ausdrücken, was zu vier Kombinationen führt.

Ein künftiger Lehrer- bzw. Lehrerinnenbetreuer bzw. eine künftige Lehrer- bzw. Lehrerinnenbetreuerin sollte zuvor auch ein bewährter Schüler- bzw. Schülerinnenberater bzw. auch eine bewährte Schüler- bzw. Schülerinnenberaterin gewesen sein.

Zu diesen künstlich erzeugten Umständlichkeiten gesellt sich der wohl tiefgreifendste Nachteil sprachfeministischer Ansprüche, nämlich die Unmöglichkeit, gewisse Zusammenhänge logisch korrekt auszudrücken. 

In der Feststellung eines Psychiaters, er sei überrascht, "dass der Amokläufer eine Frau war", kann "Amokläufer" weder durch "Amokläuferin" ersetzt werden, obwohl es sich um eine Frau handelte, noch darf der nach feministischem Verständnis männlich zu deutende Ausdruck "Amokläufer" als männlich verstanden werden. Der Satz "Frauen sind die vernünftigeren Autofahrer" stößt auf die gleichen Probleme.

Diese Schwierigkeiten führen dazu, dass viele Schreiber dazu übergegangen sind, menschliche Funktionsträger einfach nicht mehr zu erwähnen, was aber zu einer immer abstrakteren Sprache führt. So lässt sich etwa der einfache Satz "Die Lehrer sollten wieder vermehrt mit den Schülern üben" umformen zur Aussage "Aufgabe der Schule ist es, durch gezielte Wiederholungen die Kulturtechniken wieder vermehrt zu festigen."

Fazit

Man kann es drehen und wenden wie man will: politisch korrektes Deutsch ist schlechtes Deutsch. Wenn in einer Organisation die Devise ausgegeben wird, Funktionsträger geschlechtsneutral zu bezeichnen, dann impliziert das immer die These "gutes Deutsch ist uns nicht wichtig". Im Zusammenhang mit Stellenausschreibungen an einer Universität klingt das besonders komisch, vor allem wenn es sich dabei um Germanistik handelt.

Montag, 18. Juli 2011

Wissenschaft per Vertrag

2003 wurde in Genf der FCTC (WHO Framework Convention on Tobacco Control) von 40 Nationen unterschrieben. In diesem Vertrag wurden Maßnahmen zur Bekämpfung der Tabakepidemie beschlossen. Bei dieser Gelegenheit wurden auch gleich ein paar wissenschaftliche Erkenntnisse beschlossen.

In dem Vertrag heißt es:

"Die Unterzeicher erkennen an,

  • dass es eindeutige wissenschaftliche Belege dafür gibt, dass Tabakkonsum und Passivrauchen Tod, Krankheit und Invalidität hervorruft,
  • dass es klare wissenschaftliche Belege dafür gibt dass vorgeburtliches Einwirken von Tabakrauch nachteilige Auswirkunden auf die Gesundheit und Entwicklungsbedingungen von Kindern hat." 

Was mich daran etwas bestürzt ist die Tatsache, dass hier wissenschaftliche Erkenntnisse per Vertrag geregelt werden. Da fragt man sich, warum unsere Wissenschaftler Teilchenbeschleuniger bauen und Sonden ins Weltall schicken um Erkenntnisse zu überprüfen. Könnten sie doch gerade so gut  einen Vertrag unterzeichen und die Kontroversen wären beendet.

Wissenschaft per Vertrag zu regeln wurde schon oft versucht. Das bekannteste Beispiel dürfte folgendes sein:

"Ich, Galileo Galilei, Lehrer der Mathematik und der Physik in Florenz, schwöre ab, was ich gelehrt habe,

  • dass die Sonne das Zentrum der Welt ist und an ihrem Ort unbeweglich,
  • und die Erde ist nicht Zentrum und nicht unbeweglich.

Ich schwöre ab, vewünsche und verfluche mit redlichem Herzen und nicht erheucheltem Glauben alle diese Irrtümer und Ketzereien sowie überhaupt jeden anderen Irrtum und jede andere Meinung, welche der Heiligen Kirche entgegen ist." (B.Brecht)

Die WHO ist beiweitem nicht so unumstritten wie es ihr Name suggeriert. Bereits 2007 schrieb die Welt:

"Wenn beweiskräftige Richtlinien erstellt werden, vergisst die WHO kontinuierlich einen wichtigen Punkt: den Beweis"